Sondheim, Moriz
Gesammelte Schriften: Buchkunde, Bibliographie, Literatur, Kunst u.a. — Frankfurt a.M., 1927

Page: 139
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klar zu erkennen gibt, welchen Weg der deutsche Buchhandel
zurückgelegt, und welche Tendenz bei seiner Weiterentwicklung
die vorherrschende sein wird.
Vorrede zum
Katalog einer werthvollen Sammlung von Äutographen und
Urkunden aus dem Nachlasse des Schoeffen und Senators
Franz Brentano und seiner Gemahlin Antonia Brentano
geb. Edlen von Birkenstock.
Oeffentliche Versteigerung
Donnerstag, den 9. April 1896
durch die
Buchhandlung Joseph Baer & Co.
Allen Kunstfreunden ist die herrliche Gemälde- und Kup-
ferstichsammlung bekannt, welche Hofrath J. M. von Birken-
stock in Wien im vorigen Jahrhundert gebildet hatte, und die
aus dem Nachlasse seiner Tochter Antonia Brentano im Jahre
1870 in Frankfurt a. M. versteigert wurde. Die im vorliegenden
Kataloge beschriebenen literarischen Schätze, von Anton Theod.
Brentano gesammelt, kommen aus derselben Quelle und sind
in ihrer Art ebenso werthvoll.
Johann Melchior Edler von Birkenstock, ge-
boren in Heiligenstadt im Eichsfelde 1738, der hochgeehrte
und verdienstvolle Diener Maria Theresias und Kaiser Josephs,
der Reformator des österreichischen Schulwesens/) hat unge-
druckte Notizen zur Geschichte seiner Familie und zu seiner
eigenen Biographie hinterlassen (Nr. 73), die für das Verständ-
niß des Wesens dieses auf sein Zeitalter einflußreichen Man-
nes von großer Wichtigkeit sind; seine für den Kaiser verfaßte
Dienstgeschichte (Nr. 74), welche eine Periode von dreißig
Jahren umfaßt, ohne Ueberhebung, aber mit dem Freimute
eines Mannes geschrieben, der sich seines Wertes bewußt ist,
bildet eine merkwürdige Urkunde zur Regierungsgeschichte
der beiden Herrscher, welchen er gedient.
Birkenstock stand mit den bedeutendsten Männern seiner
Zeit in brieflichem Verkehre; nur Weniges seiner umfang-
reichen Correspondenz ist erhalten, aber die wenigen Namen,
die wir anführen können, Benjamin Franklin, Willi-
am Robertson, Fürstprimas Dalberg, Joh. v. Mül-
ler der Historiker, Gleim, der Anatom Sömmer-
ring, Antonio Canova/) zeigen, welch großes Feld die-
ser Briefwechsel umfaßte. Sein Haus war eine Stätte wissen-
schaftlichen Strebens, hoher Bildung und feiner Sitte. Von den
9 A. W. Thayer, Beethovens Leben III S. 142.
2) Nr. 55, 56, 51, 58. 61, 59, 66 des Cataloges.
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