Sondheim, Moriz
Gesammelte Schriften: Buchkunde, Bibliographie, Literatur, Kunst u.a. — Frankfurt a.M., 1927

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Franzosen Ulrich') verteidigt, ist Johannes Antonius Campanus,
Bischof von Teramo. Haran Brachmant ist Hadrian Junius,
dessen Batavia die Haarlemer Legende verbreitet hat. Ciosz
Schlosser ist Nicolaus Serrarius, der in seinen „Res Mogun-
tiacae" gegen Bertius polemisirt. Woraus die Mentelsche Fabel
geschöpft ist, sagt Moscherosch nicht. Der Gedanke liegt nahe,
daß er jene Quellen nicht selbst studirt, sondern ein Werk
über die Geschichte der Erfindung der Typographie benutzt
hat. Da er hei der Verhandlung über Berthold Schwarz C.
Besolds „Dissertatio de inventione bombardarum" erwähnt,
wird er auch dessen Abhandlung „de typographia" gelesen
haben, die in derselben Sammlung (Dissertationum Pentade
Tubing. 1620) enthalten ist. Besold ist aber Gutenbergianer und
Moscheroschs Quelle haben wir im Mentelschen Kreise zu
suchen. Das Soldatenleben erschien zum ersten Male in der
Ausgabe von 1643. Drei Jahre vorher hatte man des zweihun-
dertjährige Jubiläum der Erfindung der Typographie gefeiert
und die Straßburger Drucker hatten eine Festschrift veröffent-
licht „Bericht von Erfindung der Buch Truckerey in Sfraß-
burg", deren Verfasser der Jurist Joh. Adam Schräg war. 3)
Dieses Werk ist die Quelle Moscheroschs; hier finden wir das
Citat von Campanus und die Erzählung des Junius; hier wird
erwähnt, daß Serrarius „allbereit diese Unwahrheit entdecket*',
hier ist der Mentelmythus ausführlich wiedergegeben. Das Ur-
teil der Hofräte, das mit einer höflichen Verbeugung gegen
Mainz die Erfindung Sfraßburg zuschreiht, ist fast wörtlich
aus Schräg abgeschrieben, und sogar der Gesang der Schwans
ist eine Strophe aus einem langen Gedichte Johann Freins-
heimers, das ebenfalls in dieser Straßburger Festschrift ent-
halten ist.

Die Druckerei zu Remlingen.
„Der Adeliche Sitz Remlingen", erzählt Merian, „ist Anno
1589 von dem damahligen! Fürst!. Braunschweig. Berghaupt-
manne Georg Engelhard von Löhneisen auff Italianische Ma-
nier mit einem flachen Dache erbauet, auch mit einer weiten
guten Ringmauer umbgeben worden. Es hat auch gemelter Berg-
hauptmann, als sonderlicher Liebhaber guter Künste an diesem
Ort mit großen Unkosten eine eigene Truckerey anrichten,
auch unterschiedliche große Bücher mit sonderlichen guten
Letteren allhie zu Remlingen trucken lassen, wiewol doch in
0 Gemeint ist Ulrich Hahn aus Ingolstadt, der sich in Rom Ulricus Gallus
nannte und deshalb für einen Franzosen ausgegeben wurde. Campanus wurde
fälschlich für den Corrector seiner Druckerei gehalten.
Ein Auszug aus diesem Bericht befindet sich in der oft citierten Schil-
terschen Ausgabe der Elsäss. Chronik von Jacob v. Königshoven.
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