Zeitschrift für christliche Kunst — 2.1889

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0.5
1 cm
facsimile
Abhandlungen.

Kölnisches Glasgemälde des XIV. Jahrhunderts.

Mit Farbendruck (Tafel 1).

nichtige Glasmalereien des ! vornehmlich auf den lichten Hintergrund be-

(h

Mittelalters haben sich
zahlreich erhalten nicht
nur in Frankreich, son-
dern auch in Deutsch-
land, hier wohl am zahl-
reichsten aus dem XIV.
Jahrhundert. Die meisten derselben be-
finden sich noch an ihren ursprünglichen
statten, manche, wohl zum gröfseren
1 heile solche aus abgebrochenen Kirchen
oder Klöstern, haben in öffentlichen oder
privaten Sammlungen Unterkommen ge-
funden. Vor fast allen anderen zeichnet
sich die Sammlung von Glasgemälden
Qlff im Kunstgewerbe-Museum zu Köln, die
i ... . wo^ sämmtlich rheinischen, meistens
olnischen Ursprunges sind, durch deren Zahl
. Bedeutung aus. Da aus ihr noch nichts
veröffentlicht worden ist, so hoffen wir aus dieser
le e noch des öfteren schöpfen zu können.
111 diesmal greifen wir ein viereckiges

p ------""l 511-1ICII WH CHI VICICCKI^CS

enster heraus, welches, obwohl dem XIV. Jahr-
•«gehörig, doch nur eine Höhe von

hund

71V* und eine Breite
wohl nicht

von 38V2 cm, mithin
eine Kirche, sondern vielmehr eine
"stei oder einen sonstigen Anbau an jene
geschmückt hat. Trotz dieser kleinen Dimen-
s10,nen' ln denen Glasgemälde aus dieser Zeit
■^etenheiten sind, hat es einen durchaus mo-
numentalen Charakter in der Anordnung wie
er Durchführung, so dafs es mit geringen,

Einfa-'6 * InitiaIe (deren unterer Ausläufer zur

kann\bSUnS, dCr ganZen Seite weitergeführt werden
thek ' "* K°deX CXLIX der KöIner Dombiblio

ordo

•st dem Kodex CXLIX de
entnommen. Er besteht in einem „Canon seu
filion m'SSae so,emniter cantandae" mit vielen Prä-
se "' ,S'aufs Prachtvollste geschrieben und mit
mit Z r :,nte" Zierbuchs^ben ausgestattet, auch

£«« -e. r ürllchen Daratellungen| yon denen d.e e.)e

(Kai ;SrdfeUsfUh;Ung.die Kreuzi^ darstellt

Stifter 7*77' ete e",en celebrirenden Priester.

Konrad v p "" ^ ^ Torbene Domdekan
nrad von Rennenbero-.

züglichen Abänderungen auch auf viel gröfserc
Verhältnisse übertragen werden könnte. Da es
nicht nur in Bezug auf Zeichnung und Technik,
sondern auch in Bezug auf die Färbung von
mustergültiger Bedeutung ist, so hat sich eine
farbige Wiedergabe desselben hier besonders-
empfohlen, welche allerdings, wie alle Abbil-
dungen von Glasgemälden, den leuchtendem-
Effekt des Originals kaum anzudeuten vermag.
An diese knüpfen wir einige nähere Er orte
rungen an unter besonderer Hervorhebung de
praktischen Gesichtspunkte.

Lösen wir dieses Fenster in seine Haupt-
bestandteile auf, so haben wir die Figur,
deren Hintergrund, die architektonische
Umgebung, den Rand im Einzelnen zu
prüfen.

Die Figur stellt den (mehr als Prophet wie
als Biifser aufgefafsten) heil. Johannes Baptist
dar, in sehr einfacher Anordnung, aber in der
strengen Stilisirung, wie sie namentlich der
kölnischen Schule in der ersten Hälfte des
XIV. Jahrhunderts eigenthümlich war. Wenige
kräftige Linien mit ganz spärlichen Schatten
markiren die etwas kurze, gedrungene Gestalt,
die, von ihrem Attribut abgesehen, aus nur drei
Farben gebildet ist. Ein blafsröthlicher Fleischton
bezeichnet Kopf, Hände und Füfse, ein kräftig-
leuchtendes Roth das Untergewand, ein saftiges
Gelb Mantel nnd Nimbus. Diese einzelnen
Farbentöne sind durch Umrifsbleie mit ein-
ander verbunden, die zugleich mit Einschlufs
eines Nothbleies in dem für ein Glasstück
zu grofsen Obergewande die Hauptkonturen der
Figur bilden. Alle anderen Linien sind mit
Schwarzloth eingebrannt, welches bekanntlich
mit seinem schwärzlichen resp. bräunlichen
Ton bis tief in's XIV. Jahrhundert hinein die
einzige Schmelzfarbe der Glasmaler war.

Der lichte Hintergrund, von dem die Figur
sich (auf ganz kurze Entfernungen, wie sie (üv
dieses kleine Fenster sicher vorgesehen waren,)
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