Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 28.1930

Seite: 179
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DER DEUTSCHE KUNSTHÄNDLER

VON

HANS WENDLAND

T Tnter diesem Titel ist in der Zeitschrift „Das
Tagebuch", Heft 45, Jahrgang 10, ein Auf-
satz veröffentlicht worden, der den Mangel an
Interesse für die junge deutsche Kunst bei den
Kunsthändlern rügt. Die Händler hätten zwar Qua-
litätsgefühl, aber aus Zynismus und Spielergesinnung
ließen sie sich nicht mehr von der Freude an der
Kunst, sondern von geschäftlicher Gewinnsucht
leiten.

Der Verfasser des Tagebuchaufsatzes hat sicher
nicht nur feststellen wollen, daß der Kunsthändler
ein Kaufmann ist, der als solcher nur bestehen

Anmerkung der Redaktion: Da vor einiger Zeit
im „Tagebuch" und in einem Teil der Berliner Presse ge-
wisse Mängel des deutschen Kunsthandels zur Sprache ge-
bracht worden sind, haben wir einen Fachmann gebeten, sich
zu äußern. Die Ergebnisse, zu denen er kommt, scheinen
uns sehr wichtig. Sie sind es um so mehr, als sie eine inter-
essante Parallele zu dem bieten, was Max J. Friedländer an
dieser Stelle im XXVI. Jahrgang auf den Seiten 171 bis 174
über das Expertisenwesen geschrieben hat.

kann, wenn er mit seinen Ankäufen früher oder
später eine Nachfrage befriedigt — und bei der
heutigen Kapitalarmut ist ihm wie dem deutschen
Buchverleger meist die Möglichkeit genommen,
Kunstwerke zu stapeln —, sondern dieser Kritiker
will offenbar feststellen, daß der deutsche Kunst-
händler nicht mehr die Funktion erfüllt, auf seinem
Gebiete geistiger Führer und Erzieher zu sein gegen-
über dem kaufenden Publikum in dem Sinne, wie
gewisse deutsche Verleger und Theaterdirektoren
gewirkt haben und noch wirken.

Es mag zugegeben werden, daß es einen ein-
flußreichen Kunsthändler der deutschen Maler, die
etwa dreißig bis vierzig Jahre alt sind, zur Zeit
nicht gibt. Wie Alfred Flechtheim treffend ge-
antwortet hat, muß aber dieser Händler aus der
Generation der jungen Maler kommen. Und kommt
er nicht, so sind verschiedene Erklärungen mög-
lich. Leibi, Böcklin, Liebermann und Trübner fan-
den ihre Kunsthändler, ehe sie ihre Sammler fanden,

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