Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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;7. Iahrgang.

Nr. 2.

Beiträge

sind an prof. Dr. L. von
tützow (Wien, There-

die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

27. Oktober

Inserate

ct 25 j)f. für die drei

s68s.

Beiblatt zur Zeitschrift sür bildende Kunst.


Inhalt: Die Frankfurter Runftausstellung. — Aorrespondenz: paris (Lchluß). — I. v. H efner-A lteneck, Vrnamente der Holzskulptur

von isH50—H820 aus dem bayerischen Nationalmuseuni; Musterbuch für Bildhauer. — Meissonier-Ausstellung in ssaris. — Der wirkungs-

Die Frankfurter Aunstausstellung

oder wie es richtiger wäre: die Ausstellung von Werkeu
Frankfurter Künstler — nur müßte es gestattet sein,
diesen Begriff möglichst weit zu fassen. Man muß dazu
rechnen dürfen nicht nur in Frankfurt geborene oder
hier in die Kunstthätigkeit eingeführte Künstler, son-
dern auch alle. welche in Frankfurt gewirkt haben,
wobei wir wiederum keinen Unterschied machen dürfen
zwischen solchen, welche dauernd oder doch Iahre lang
hier gearbeitet, und solchen, die nur gleichZugvögeln ein-
mal auf kurze Zeit hier eingekehrt sind und dabei etwas
sertig gebracht haben. Nur so läßt sich die etwas
buute Gesellschaft unter einen Hut bringen, von welchen
sich Werke hier zusammengefunden haben. Dann er-
klärt sich z. B. die Anwesenheit Gustave Courbets, der
sonst mehr als französischer, denn als Franksurter
Küustler zu gellen pslegt: er hat einige Zeit hier ge-
arbeitet und, wie der Katalog erzählt, 1858—1859
„verschiedene größere und kleinere Bilder" hier gemalt.
Jnwieweit dies berechtigt, ihn zu einer Ausstellung
herbeizuziehen, welche die Kunst in ihrer lokalisirten
Thätigkeit zu schildern unternimmt, möchte die Frage
sein. Jmmerhin vermag seine Anwesenheit in der
Ausstellung Zeugnis für das vorübergehende Dasein
einer künstlerischen Strömung abzulegen, die in der
Gesamtentwickelung der Kunst sicherlich ihre Bedeutung
hat, mag sie auch nicht gerade eine besonders erfreuliche
sein, die aber gerade hier doch wohl erst dann berechtigt
wäre, wenn sie in die hiesige Kunstentwickelung oder
die Geschmacksrichtung des Publikums wesentlich ein-
gegrisfen hätte. Aber selbst der Umstand, daß der

eine oder andere Künstler hier einige Zeit studirt hat,
wird schwerlich als vollgiltiges Argument dafür be-
trachtet werdcn können, ihn hier mit aufzuzählen, wie
es mit dem Jtaliener Eurico Gamba und dem Eng-
läuder Frederik Leighton geschehen ist, dem gegenwär-
tigen Leiter der Royal Academy in London, der
von seinem sechzehnten bis zwanzigsten Jahre Schüler
Steinle's war. Aber freilich, nur so konnte eine sehr
erkleckliche Anzahl von Werken und Künstlern zur An-
schauung kommen, die in den drei großen Räumen der
geschmackvoll vou Sommer erbauten, von Rumpf
und Schierholz bildnerisch ausgeschmückten Kunsthalle
einen recht stattlichen Eindruckmachen. Und dennoch will
es uns scheinen, als ob des Guten vieles fehlte, wenn
wirklich eine altseitige Vvrstellung von dem gegebeu
werden sollte, was hier geleistet worden ist. Teils scheinen
manche Privaten zurückgehalten zu haben, tcils war die
Sammlung des Städelschen Jnstitutes, welches seinen
Satzungen gemäß kein Kunstwerk ausleihen darf, und
damit ein gewichtiger Faktor ohne weitercs ausge-
schlossen. Vielleicht aber liegt auch ein schwerwiegen-
der Grund in der nicht genügenden Vorbereitung, die
bei der Kürze der Zeit schr beschleunigt werde» mußte
und gleichwohl zur Folge hatte, daß die Kunstausstellung
erst geraume Zeit nach der großen Ausstellung eröffnet
werden konnte, von welcher sie ein Annex ist. Unter
diesem Geschichtspunkte betrachtet, ist das, was dennoch
geleistet worden ist, im höchsten Grade anzuerkennen.

Durch die Beschränkung auf eine Ausstellung lokaler
Kunst war von vornherein dem Ganzen ein bescheidener
Charakter aufgeprägt. Es konnte sich nicht um welt-
bewegende Leistungen handeln. Der Wellen, die von hier
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