Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Kunstlitteratur, - Nekrologe,

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schen Geschichte gebrachten Jllustrationen ließe sich mit
dem Herausgeber rechten. Auf den Weihnachtstisch der
deutschen Jugend gehört das Werl allerdings wie wenige,
als ein Volksbuch im bestem Sinne und als ein schöner
Beweis ftir die Umsicht und Tüchtigkeit einer unserer
solidesten Verlagsfirmen. L. b'.

Aunstlitteratur.

Aupferstiche nach lVerken nenerer Meister in der
konigl. Gemäldegalerie zu Dresden. Text von W.
Roßmann. Kommissionsverlag von A. Gutbier.
l. Heft. Jmp.-Fol.

Wenn Unternehmnngen dieser Art heutzutage nnr
seltcn zu verzeichnen sind, so liegt dieses in der Natur
der Sache nnd auch in den Zeitverhältnisien. Ein
Privatverleger wird nicht so leicht ein Galeriewerk in
ausgesührten Stichen publiziren, weil dazu ein großes
Kapital erforderlich ist. Auch die Publikation von Radi-
rungen gehört zu den Seltenheiten. Man behilft
sich in der Regel mit der Photographie, die geringere
Opfer erheischt, da sie keine künstlerischen Kräfte in
Bewegung setzt. Wenn wir nun hier ein Galeriewerk
begrüßen, das mit Zuhilfenahme von gediegenen Stechern
in die Öffentlichkeit tritt, so freuen wir uns, daß rechte
Kunstliebe und ernstes Verständnis die Sache möglich
gemacht haben. Das Werk wird, wie der Titel sagt,
auf Veranlassung des königl. Ministeriums des Jnnern
und der Generaldirektion der königl. Sammlungen für
Kunst und Wissenschaft herausgegeben. Damit ist
Bürgschaft dafür geleistet, daß man anch die rechten
Mittel wählen werde, nm das Beste der Sammlung
in entsprechcnder würdiger Form der knnstliebcndcn
Welt entgegenzubringen. Die Abteilung des sächsischen
Museums, welche die Werke mvderner Meister beher-
bergt, besitzt so manche Perle, die es längst verdient
hätte, in guter Reproduktion veröffentlicht zu werden.
Jndem die Herausgeber zur Erreichung dieses Zweckes
die besten Kräfte und anerkannten Meister der Radir-
nadel wie des Grabstichels in Thätigkeit setzten, erfüll-
ten sie zugleich eine der Aufgaben eines Kunstinstitutes
von dem Range der Generaldirektion der Sammlungen
für Kunst und Wissenschaft.

Vorderhand werden vier Jahreshefte, jedes mit
drei Blättern, erscheinen. Das eben publizirte erste
Heft bringt in äußerst gelungener Radirung von L.
Friedrich das Bild von A. Calame „Der Waldstrom".
Es ist dies ein Hauptbild des Meisters, der dadurch treff-
lich charakterisirt wird; es war gemalt t854 fürBenardaky
in Petersburg, befand sich im Besitze von Stroußberg
und kam 1876 in die Dresdener Galerie. Das zweite
Blatt, geätzt und gestochen von Th. Langer, interpre-
tirt mit großer Treue das Ölgemälde eines des ersten

lebenden Historienmalers, F. Pauwels: Besuch des
Grafen Philipp von Elsaß mit seiner Gemahlin im
Marienhospital zu Apern, 1187. Der Knnstler hatte
früher denselben Gegenstand als Wandbild für die
Tuchhallen in Apern ausgeführt. Das dritte Blatt
endlich, betitelt „Ein Gruß ans der Welt", stellt eine
jugendliche Nonne dar, die freudig die Sonnenstrahlen
begrüßt, welche über die hohe Klostermauer zu ihrem
Fenster dringen. Es ist meisterhaft von Büchel ge-
stochen nach einem Gemälde des in früher Jugend in
Rom 1879 VerslvrbenenG-A.Knntz. — HofratWilhelm
Roßmann begleitet die Blätter mit einem biographi-
schen Text. Dieser beschäftigt sich mit der Schildernng
der Lebensschicksale und der künstlerischen Thätigkeit des
Malers wie des Stechers. Er ist mit anmutender
Frische und sichtbarer Vorliebe für den Gegenstand
geschrieben und bietet dankenswerte Beitrüge zur Kunst-
geschichte, da hier offenbar lebendige Quellen be-
nutzt werden konnten. Der Preis (30 Mk. pro Liefe-
rnng) ist so mäßig, daß auch der minder gut situirte
Kunstfreund sich mit geringen Opsern echte Kunstblätter
verschaffen kann. Dieselben sind auch einzeln zu haben
und eignen sich besonders fnr den Wandschmuck. Daß
auch Druck und Ausstattung allen Erwartungen ent-
sprechen, die unsere Zeit an ein Prachtwerk stellt, ver-
steht sich von selbst. 7. L. VV.

Nekrologe.

Gustliv Süs, der bekannte Maler, Jllustrator,
Dichter und Jugendschriststeller, der am 24. Dezember
v. I. in Düsseldorf einem Magenleiden erlegen ist,
wurde am 10. Juni 1823 in dem kurhessischen Dörf-
chen Rumbeck an der Weser geboren, kam aber schon
im Alter von scchs Jahren nach Rinteln, als sein Bater,
der Zollbeamter war, infvlge ciner Versetzung mit
seiner zahlreichen Familie dorthin übersiedelte. Gustav
besuchte hier das Gymnasium und äußerte früh schon
den Wunsch, Maler zu werden, den aber der Vater
bei seinem mäßigen Einkommen nicht zu erfüllen ver-
mochte. Er mußte deshalb einen andern Beruf er-
greifen und wanderte gehorsam, aber mit schwerem
Herzen, nach Lemgo, wo er in der Meyerschen Hos-
buchhandlung eine vierjährige Lehrzeit antrat, nach
deren Beendigung er noch eine Zeitlang in der Filiale
des Geschäfts in Dctmold als Gehilfe arbeitete. Dann
aber litt es ihm nicht länger beim Buchhandel, er
trotzte dem Unwillen der Eltern und Vorgesetzten und
floh nach Kassel, nm daselbst auf der Akademie die
Vorstudien znm Künstlerberufe zu beginnen. Kanm
aber hatte er in Kasiel festen Fuß gefaßt, als ihn ein
Augenübel zwang, zu einem Bruder, der in Gießen
wohnte, zu wandern, um dort die Hilfe der Klinik in
Anspruch zu nehmen. Jn Gießen lernte er mehrere
Professoren kennen, die ihm Karten zu ihren Vor-
lesungen schenkten, so Laß er ein Jahr lang Litteratnr,
Ästhetik, Anatomie und andere Fächer studiren konnte.
Ein Zufall machte ihn sodann mit dem Genremaler
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