Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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^7. Iahrgang.
Beiträge

A7ai

Nr. 2Y.
Inserate

L 25 ssf. für die drei

1882.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.



Römische Ausgrabungen.

0. v. b'. Die Freilegung des Pantheon ist
durch die in den letzten Wochen erfolgte Abtragung
des Palazzo Vcttvri-Bianchi an der Ecke der Piazza
della Minerva und der Via della Palombella nun-
mehr beendet und damit ein Wunsch, der die Freunde
der antiken Welt seit Jahrhunderten bewegte, cndlich
erfüllt. Schon Pomponius Laetus, das berühmte
Haupt der römischen Akademie zur Zeit Pius' II. und
Alexanders VI., hatte denselben ausgesprochen, Papst
Alexander VII. Chigi dessen Verwirklichung in den
sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts begonncn, in-
dem er die Anbauten der Ostseite des Portikus demo-
lirte, ein Unternehmen, das sodann unter Pius IX.
im Jahre 1853 bis an den Palazzo Vettori-Bianchi
fortgeführt wurde und im Jahre 1875 durch die Ver-
breiterung der Via della Rotonda seinen vorläufigen
Abschluß sand. Trotzdem blieben ungefähr zwei Dritt-
teile des Umfangs der Rotunde durch die Häuser der
Via della Minerva und della Palombella verbaut.
Es ist das Verdienst des gegenwärtigen Unterrichts-
ministers, Professors Guido Bacelli, die Durchsührung
des Unternehmens auf Staatskosten geplant und es
nun auch realisirt zu haben. Die Abtragung des so-
genannten „Forno della Palombella" in der gleich-
namigen Straße begann im Juli v. I. und die des
Pal. Bianchi, der im November um die Summe von
415 000 Lire angekaust worden, war Ende Januar l. I.
schon beendet. Während dieses Zeitraumes wurden
Häuser in einer Frvntlänge von 133 m abgebrochen,
1300 gm Grundfläche geräuint und annähernd ebenso-

viel Wandfläche des Pantheon freigelegt — eine
Thätigkeit, wie wir sie bisher bei wenigen Restaurationen
in Rom zu bcwundern Gelegenheit fanden. Zugleich
wurden von Seiten des Munizipiums die Arbeiten zur
Erweiteruug der Piazza della Rotvnda vor dem Pan-
theon ausgenommen, indem mit der Abtragung der in
dieselbe hincinragenden Häufergruppe an der Ostseite
begvnnen und die Wegräumung der Gebäude zwischen
Piazza della Rotonda und Lella Maddalena beschlossen
wurde, sv daß nun infolge der Verlängerung des Platzes
vor dem Pantheon um das Doppelte ein richtiger
Standpunkt für den Überblick desselben wird gewonnen
werden.

Die Ausbeute für die archäologische Kenntnis der
Thermenanlage, deren Hauptsaal der bisherigen An-
nahme zufolge die Rotonda bildete, wird sich erst
nach Vollendung der Ausgrabungen auf dem Bodeu
des Pal. Bianchi überblicken lassen; doch ist schon durch
die bisherigen Arbeiten der 48 m lange, 20 in breite
Saal des Caldariums mit seinem gegen das Pantheon
gekehrten halbrunden Laconicum (Dampfbad), der von
der Via della Palombella mittendurch geschnitten wird,
aufgedeckt worden, und die aufgesundenen Überreste an
Säulen, Architraven, Friesen, Simsstücken, Decken-
kassetten, Bodenplatten u. s. f. ermöglichen eine Restau-
ration bis ins Detail. Das Gewölbe war von acht
kanellirtcn Pavonazettosäulcn von etwa 1 rn Durch-
messer mit korinthischen Kapitälen getragen. Der
Fries des an den Wänden herumlaufenden Gebälkes,
von dem circa 12 in Länge aufgefunden sind, ist ein
Beispiel höchster dekorativer Pracht, der Fußboden ist
mit Marmvrplatten verschiedener Farbe ausgelegt und
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