Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Todesfälle. — Konkurrenzen. — Sammlungen und Ausstellungen. — Vermischte Nachrichten.

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kvlossaler Arm von Puget), endlich fünf Emaille-
tafeln von Penicaud und Paste, und ein gotischer
Neliguienschrein.

Es kann nicht Wunder nchmen, wenn bei svlchem
Wetteifer an Liberalität unter Sammlern und Kunst-
freunden die Schätze des Louvre, trotz der kärglichen
Staatsdotirung, in reichcm Maße sich niehren. Der
Gewinn svlcher Denk- und Handlungsweise ist nicht
hoch genug anzuschlagen, wenn man bedenkt, daß da-
durch der Kunstschatz vergangener Zeiten immer mehr
den Zufälligkeiten des Privatbesitzes entzogen, den
weitesten Kreisen zu Forschung, Belehrung und Genuß
zugänglich gemacht und aus dem Bereich der „Ware",
als welche er denn dvch auf dem den Belleitäten der
Mode ausgesetzten Kunstmarkte in den Händen von
Berusenen und Unberufenen circulirt, in die sichere und
Vornehme Höhe öffentlichcr Knnstsammlungen entrückt
wird. 8. v. F.

Todesfälle.

Der Holzschneider Zoh. Gottfried Flcgcl, geboren 1815
in Leipzig, ist am 28. Dezember v. I. daselbst gestorben.
Flegel begründete Anfang der vierziger Jahre sein Atelier,
das sich ehedem eines großen Rufes erfreute. Eine große
Anzahl von Holzschnitten nach Zeichnungen von Ludwig
Richter gingen aus demselben hervor; sie bildeten gewisssr-
maßen die ersten kräftigen Sprößlinge der wiedererstandenen
deutschen Holzschneidekunst, die seitdem freilich immer mehr
uud mehr zu der malerischen Behandlung übergegangen ist,
so daß die Vertreter der älteren strengen Weise und mit
ihnen auch Flegel in dsn Hintergrund gedrängt wurden.

Bildhauer Wagmüller, Honorarprofessor der Münchener
Kunstakademie, ist am 28. Dezember v. I. einem längeren
Leiden erlegen.

Aonkurrenzeu.

X. — Bon der Ticdge-Stistung in Drcsdcn ist eine Kon -
kurrenz für Bildhauer ausgeschrieben worden. Es sollen
nämlich an den Vorhallen des dortigen neuen Annenfried-
hofes auf Kosten der Tiedge-Stifturig vier Reliess von je
ungefähr 2,50 nr Länge und l,8» in Höhe hergestellt werden.
Die Motive des Reliefs sind dem ernsten Charakter der
evangelischen Begräbnisstätte entsprechend zu wählen; für
Modellirung und Ausführung dieser Relisfs in vorhandenen
Sandsteinbossen sind 16000 Mark ausgesetzt. Deutsche Bild-
Hauer, welche an der Konkurrenz sich beteiligen wollen,
haben für jedes der vier Reliefs ein Gipsmodell in stx der
wirklichen Größe vom l. bis 15. Oktober 1882 im Äus-
stellungslokale des Sächsischen Kunstvereins auf der Brühl-
schen Terrasse abzuliefern. Das Preisrichteramt übernehmen
die Herren Proff. Schilling und Hähnel, sowie die Mitglieder
des Komitos der Stiftung. Dem Urheber der nier besten
und am meisten zur Ausführung fich eignenden Entwürfe
wird die Ausführung für die erwähnte Summe übertragen;
den nächstbesten Entwürfen wird ein zweiter Preis von
800 Mark und ein dritter von 500 Mark gewährt werden.

O Bildliche Ausschmückuiig der Treppenhalle des Bcr-
liner Rathauses. Vor einiger Zeit ist ein Ausschuß von Mit-
gliedern der Berliner Stadtverordnetenversammlung nieder-
gesetzt worden, welcher über die Frage der Ausschmüäüng
der drei Wände der Treppenhalle des Berliner Rathauses
einen Beschluß fassen sollte. Als Material war demselben
eine von A. von Werner im Auftrage des Magistrats aus-
eführte Skizze vorgelegt worden, welche zwar vom Ober-
ürgermeister von Forckenbeck auf das wärmste befürwortet
wurde, gleichwohl aber nicht den Beifall des Ausfchusfes fand.

Jetzt hat dieser beschlossen, eine allgemeine Konkurrenz
an die deutschen Künstler auszüschreiben, zugleich aber
auch A. v. Werner mit der Anfertigung einer neüen Skizze
zu beauftragen. Diese sowohl als auch die drei besten andersn
Skizzensollen entsprechend honorirt werden, undzwarsind dafür
wie für die anderweitigen Kosten der Konkurrenz 40 000 Mark
beantragt worden. Dis drei Wände sollen mit einem ein-
heitlichen Bilde dekorirt werden, welches die Wiederaufrich-
tung des deutschen Reiches und die Erhebung der Stadt
Berlin zur Hauptstadt dieses Reiches darstellen foll. Auch
wird demnächst ein Plan aufgestellt werden, nach welchem
die schon längst beschlossene innere Ausschmückung des Rat-
hauses durch Bilder und Statuen endlich erfolgen soll. Dazu
gehört auch die Ausführung eines großen Bildes zur Er-
mnerung an dis Schlacht von Großbeeren, welche bereits im
Jahre 1863 beschlossen worden ist.

Lanimlungen und Ausstellungen.

* Munkacsy's „Christns vor Pilarus" ist seit 1. Januar
i»i Wiener Künstlerhause ausgestellt. Das im letzten
Frühjahr entstandens, im Besitze des Pariser Kunsthändlers
Charles Sedelmayer bestndliche Bild wurde bereits gleich
nach seiner Vollendung in diesem Blatts wiederholt eingehend
besprochen, und wir köniien uns daher heute vorläufig mit
der kurzen Konstatirung der Thatsache begnügen, daß die
eminents Leistung des ungarischen Künstlers auch in Wien
sich eines tiesgehenden Erfolges zu erfreuen hat. Jn erster
Linis gilt derselbe der koloristischen Wirkung des Bildes,
welches an feierlichem Ernst, Noblesse und Harmonie der
Gesamthaltung den ersten Meisterwerken an die Seite ge-
stellt werden darf. Erst in zweiter Linie kommen Kompo-
sition und Charakteristik in Betracht, welche besonders bei
den Hauptfiguren nicht durchweg stichhalten und jedenfalls
keinen Fortschritt gsgen Munkaesy's „Milton" bekunden. Älles
in allem genommen bleibt jedoch der Wert des Ganzen ein
ganz außerordentlicher.

Übcr die Miiscuiiisverhältiiisse in Halle a. S. schreibt
man von dort: Bis jetzt fehlte es immer noch an den geeig-
neten Räumlichkeiten zur würdigen Unterbringung und Auf-
stellung der Gegenstände unserer drei Museen; dies wird
sich nunmehr teilweise schon im nächsten Jahre ändern. Die
Verhältnisse liegen solgendermaßen: das Museum des Säch-
sisch-Thüringischen Vereins und das Provinzialmuseum sind
beide vereinigt in dem alten „Residenz"-Gebäude, welches
bereits im nächsten Jahre ausgebaut, beziehentlich umgebaut
werden soll. Gesammelt wird Provinzielles, besonders aus
dem Mittelalter und der Renaissancezeit; unterstützt wird das
Museum seitens des Staates und der Provinz. Das Uni-
versitätsmuseum enthält griechisch-römische, überhaupt vor-
christliche Kunstgegenstände und das Kupferstichkabinet. Ein
Bauplatz neben der Universität ist bereits gekauft. Der Be-
ginn des Baues ist noch nicht bestimmt. Das Museum ge-
nießt Staatsunterstützung. Das Gewerbemuseum, das neuere
Kunst- und Kunstgewerbe-Gegenstände enthält und von der
Stadt unterstützt wird, bedingt ebenfalls einen Neubau, der
gegenwärtig lebhaft unsereStadt beschäftigt. Eine Petition
der Geschichtsvereine der Provinz Sachsen an den sächsischen
Provinziallandtag wegen unserer Museumsfrage ist in Vor-
bereitung. Köin. Zeitg.

Vermischte Nachrichten.

» Die Kalastrophe des Wiener Ningtheaters, welche die
Welt in Schrecken und Tausende in Trauer und Elend ver-
setzte, hat Anlaß gegeben zu einem Akte kaiserlicher Muni-
fizenz, dessen erhebender Wirkung sich niemand entziehen
wird. Am erften Weihnachtstage brachte die „Wiener Zei-
tung" die Kunde, daß Kaiser Franz Zoseph auf dem dem
Stadterwsiterungsfonds gehörigen Baugrunde des Ring-
theaters - aus Seinen Privatmitteln ein Stiftungsge-
bäude mit einer Gedächtniskapelle zu errichten be-
schlossen hat. Die Erträgnisse des Stiftungsgebäudes sollen
WienerWohlthätigkeitsanstalten zufließen. OberbauratFriedr.
Schmidt wurde mit der Ausarbeitung der Baupläne be-
traut. Als Bausumme soll der Betrag von 500 000 Gulden
aus der kaiserlichen Privatschatulle bereits angewiesen sein.
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