Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Kunstlitteratur. — Sammlungen und Ausstellungen.

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die Rentabilität zu verlieren, welche die vom Staate
für ein derartiges Unternehmen aufgewandten Summen
endlich erzielen. Jn Frankreich betrachtet man die
künstlerische Thätigkeit längst nicht mehr als Luxus,
sondern als den Weg zum Nationalwohlstande. Die
.Kunst geht nicht nur nach Brot, sie erwirbt auch
solches, sie beeinflußt alle Zweige der Jndustrie und
macht die französischen Produkte in der ganzen Welt
gesucht und geschätzt. Vielleicht erheben wir uns auch
noch zu eineni derartigen Unternehmen; es fehlt ja dazn
in Deutschland weder an Geld noch nn geeigneten
Fcdcrn! A. v. Wurzbach.

Aunstiitteratur.

Zulius Lessing, Holzschnitzereien im Kunstgewerbe-
museum zu Berlin. Berlin,ErnstWasmuth. 1881. Fol.

Das vorliegende, von der Verlagshandlung sehr würdig
ausgestattete Werk, welches auf drei bis vier Lieferungen,
jede zu zwölf Tafeln Folio, angelegt ist, bedarf kaum einer
besonderen Empfehlung; es genügt die bloße Hinweisung auf
das Vorhandensein desselben. Der Herausgeber, Direktor
der Sammlungen des Berliner Kunstgewsrbemuseums, will
durch dasselbe vorzugsweise Vorlagen für ausübende Künstler
und Kunsthandwerker beschaffen, hat daher für diesen Zweck
aus dem reichem Vorrate der Sammlungen nur solche Stücke
aus den besten Zeiten der Kunst, vorzugsweise dem 15. und
16. Jahrhundert, ausgewählt, welche durch Erfindung und
Ausführung anregend auf die Kunst unserer Tage ivirken
und dem Arbeiter, sei es als Ganzes, sei es in einzelnen
Teilen, zum leitenden Vorbilde dienen können; er weist,
angesichts der Thatsache, daß die Holzbildhauer unserer Tage
vielfach Arbeiten in Stein und Vronze sich als Vorbilder
nehmen, in der Vorrede eingehend auf die verschiedene Art
der Komposition und Behandlung der Ornamentik in Holz,
Stein und Bronze hin. Die Abbildungen des vorliegenden
Heftes, meistens Truhen und Schränke und Teile von solchen
darstellend, meisterhaft ausgeführte Lichtdrucke von Albert
Frisch in Berlin, sind in so großem Maßstabe gefertigt, daß
Laraus die Technik der einzelnen Stücke mit Sichcrheit er-
kannt werden kann. R. Bergau.

C. Grunow, Plastische Ornamente der Jtalienischen
Renaissance. Berlin, Ernst Wasmuth. 1881. Fol.

Das vorliegende Werk hat den Zweck den Modellir-
und Zeichenklassen von Kunstschulen sowie kunstgewerblichen
Werkstätten ein brauchbares Vorlagenmaterial zu bietsn und
enthält eine große Anzahl mit feinem Takt und Verständnis
ausgewählte Darstellungen der schönsten Renaissanceorna-
mente Jtaliens. Dieselben sind aus photographischem Wege,
teils nach den Originalen, teils nach Gipsabgüssen mit be-
sonderer Rücksicht auf Wiedergabe aller plastischen Feinheiten
in so großem Maßstabe hergestellt, daß die Schüler in voll-
kommener Sicherheit danach arbeiten können. Das Werk
ist auf sechs Lieferungen, jede zu zehn Blatt groß Folio, an-
gelegt. R. 8.

8n. Vo» Lübke's Geschichtc der Renaiffance in Deutsch-
laud, zweite Auflage, ist die siebente und achte Lieserung so-
eben ausgegeben (Verlag,von Ebner L Seubert in Stutt-
gart). Das zwölfte Kapitel des zweiten Buches, die öster-
reichischen Länder betreffend, ist darin zu Ende geführt; den
übrigen Jnhalt bildet das 15. Kapitel (die nordöstlichen
Binnenländer), ferner das 14. Kapitel (die norddeutschen
Küstengebiete; und der Anfang des 15. Kapitels (Obersachsen).
Bis dahin ist die Zahl der Jllustrationen gegen die erste
Auflage um lll neue vermehrt; auch der Text hat in
manchen Partien eine wesentliche Erweiterung erfahren.

8n. Dcr Jahresbericht übcr die Thätigkeit dcr schweizcri-
schen Kunstvereine und über die sonstigen Erscheinungen des
Kunstlebens in der Schweiz ist wie in früheren Jahren so
auch für das Jahr 1881 (Bern, Dalpsche Buchhandlung) er-
schienen und zeugt wiederum von dem Eifer des Versasfers,

8r. B. vonTscharner, seiner Aufgabe in jeder Weise ge-
recht zu werden. Einem Bericht über die., verschisdenen
Lokal- und Spezialausstellungen folgt eine Übersicht über
die Vermehrungen der öffentlichen Sammlungen, ferner über
die neu entstandenen oder im Entstehen begriffenen öffent-
lichen Denkmäler und sonstigen Kunstwerke, über Restaura-
tionsarbeiten und endlich über die Erscheinungen der Kunst-
litteratur, soweit sie auf die Schweiz Bezug haben. Die
folgenden beiden Abschnitte befassen sich mit der Einrichtung
und Frequenz der verschiedenen Kunstschulen und mit statisti-
schen Nachrichten über Kunstvereine. Der letzte Abschnitt
ist den Verstorbenen gewidmet. Wir merken daraus an:
Paul Deschwanden, Historienmaler, gsboren 1811 inStans,
ebendaselbst gestorben am 25. Februar 1881; Johann Karl
Ferdinand Hümbert, Tiermaler, geboren inDardagny bei
Gens 1813, gestorben in Genf am 28. März I88l; Eduard
Jmer, Landschaftsmaler, in Avignon 1820 geboren, in der
Schweiz erzogen, und in Haarlem, auf einer Reise begriffen,
am 13. Juni1881 vom Tode ereilt; 8r. Ferdinand Keller,
Altertumsforscher und Begründer der Pfahlbautenkunde,
geboren 1888 im Schloß Marthalen, am 21. Juli 1881 in
Zürich verstorben. Geziert ist das Heft mit einer Radirung,
das Porträt des verstorbenen Landschaftsmalers Eduard
Girardet darstellend.

Karl Schäfer, Die Glasmalerei des Mittelalters und
der Renaissance. Berlin, Ernst L Korn. 1881.

Der Architekt Karl Schäfer, ein Schüler Ungewitters
und demgemäß ein begeisterter Verehrer der Kunst des
Mittelalters, gegenwärtig ein beliebter und vielgesuchter
Lehrer der königl. technischen Hochschule zu Berlin, hat in
der vorliegenden kleinen Schrift einen Abschnitt seines an
dieser Lehranstalt gehaltenen Vortrags „über Ausbau und
ausstattende Kunst" publizirt. Er giebt darin in großen
Zügen, ohne auf Beschreibung der einzelnen Denkmäler ein-
zugehen, eine Geschichte der Glasmalsrei mit besonderer
Rücksicht auf die Technik. Denn neue Erfindungen in der
Technik haben die Ausbildung dieser Kunst bedingt. Die
Darstellung ist sehr übersichtlich gegliedert, klar, leicht ver-
ständlich, frei von überlieferten Vorurteilen und beruht im
Wesentlichen, obgleich er die über den Gegenstand vorhandene
Litteratur sehr wohl kennt, auf dem eingehendsten liebe-
vollen Studium der noch erhaltenen Denkmäler, vorzugs-
weise in Deutschland, und auf eigener Erfahrung.welche er als
praktisch ausübönder Künstler vielfach zu machen Gelegenheit
hatte. Der Text ist begleitet von einer Anzahl sehr guter,
vom Verfasser selbst nach den Denkmälern gezeichneter Ab-
bildungen, welche in gleicher Weise zum Verständnis wie
zum Schmuck des kleinen Buches beitragen. — Das im An-
hange gegebene Verzeichnis der in Deutschland erhaltenen
Denkmäler ist viel vollständiger als das in Otte's bekanntem
Handbuche. 8. 8.

Sarnrnlungen und Ausstellungen.

8. Aus Stuttgart. Professor C. Schmidt, einer der
ältesten Lehrer der königl. Kunstschule, vollendete jüngst ein
Bild „Simson, der mit dem Eselskinnbacken den Löwen er-
schlagen" von stimmungsvollsr Färbung. P. Fr. Peters
brachte neben einer grotzen Sammlung von Aquarellen einige
italienische Landschaften von guter Wirkung zur Anschauung,
und H. H erdtle lieferte zwei größere Waldbilder in solider
Durchführung. R. Zweigle, ein Schüler Häberlins, recht-
fertigte in einem Genrebilde „Das Duell", die gute Meinung,
die sein erstes Bild „Gefecht bei Cannstatt" auf der Landes-
ausstellung v. I. erregt. Auch L. Rößler, gleichfalls ein
Schüler Häberlins, läßt in einer „Familienscene" ein hübsches
Talent erkennen. Die beiden letztgenannten Bilder waren im
Württembergischen Kunstverein ausgestellt, der einen erfreu-
lichen Aufschwung nimmt.

8. Die stäbtischc Gemäldegaleric i» Düffcldorf hat im
Jahre 1881 einen hübschen Zuwachs gewonnen. Wie der
jüngst veröffentlichte Jahresbericht des Galerievereins mit-
teilt, sind demselben mehrere neue Mitglieder beigetreten,
und von den älteren haben sich 83 zu erhöhten Beiträgen
verpflichtet. Die Galerie wurde aus der städtischen Ton
halle in die neue Kunsthalle verlegt, wo sie günstigere Räume
gefunden hat. Sie erhielt von neuen Bildern vom Kunst-
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