Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Kunstlitteratur. — Todesfälle. — KunsthistorischeS.

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de Koninck, von dem das Schweriner Museum ein
Stiick mit drei rauchenden Bauern hat. Es könnte am
Ende dasselbe Bild sein, da noch ein Stück aus seinem
Nachlaß nach Schwerin gekommen ist.)

Eine schlafende Diana von Couwenberch (Hou-
brakcn scheint, Bd. I, sehr gut über den Meister
Christiaen Couwenberch unterrichtet zu sein. Er lebte
kurz im Haag und zog dann nach Köln. Jn einem
Register der „Rsstnntsn vsn äsn 200. xsnninZ" lesen
wir: „Lorstiusn OourvsnbnrLÜ, soliilcksr, rsst 1646,
1652 sn 1653, bst sasr tot 10 oornxt, L 30" —. —.
1Äo. Am Rande: Jst nach Köln abgereist. Man soll
nachfragen, ob er auch wieder zurück kommt.)

Ein Meer mit Felsen. Einc Landschaft mit Kühen
vom Verstorbenen. (Verschiedene Porträts des Ver-
stvrbenen, Bilder ohne Namen dcs Malers rc. über-
schlage ich.)

Um den Kamin herum zwölf kleine Runvbildcr
(Rondtiens) von Porcellis von der Größe eines
„Ricx daelders". (Also einer größeren Silbermünze.)

Eine Landschaft über dem Kamin, worin der Ver-
storbene mit Frau und Kindern. Ein großes Stiick
vom Verstorbenen mit Wasserfällen. Ein kleines Frucht-
stück von Balthasar van der Ast. Ein Blumcntopf
von demselben. Eine Calisto; eine schlafende Frau;
eine Susanna. Eine Grotte und Landschaft, Kopie
von dem Verstorbcnen.

Ein altes Kirchenbild, an beiden Seitcn bemalt.
Noch eine Unmasse Bilder. Endlich:

„Lovsn ox äs 8sli11cksrosmsr:"

Ein Stück mit Kühen. Drei alte Malerpaletten.
Eine Zeichnung mit Schiffen. Eine unvollendete Land-
schaft des Verstorbenen. Porträt vom Kardinal-Jn-
santen. Kopien nach Rubbeus von Satirs rc.

„Uovsn ox äs vooroninor:"

Ein Stück von Poelemburch mit Kühen. Eine
Landschaft vom Verstorbenen mit kleinen Figuren. Ein
großes Stück mit grünen Kräutern. Loth mit seinen
Töchtern, von Dirck van der Lisse. (Diescsvortreffliche
Bild, wclches 1657—1662 auf der „Oontrsrisonrnsr"
der Haager „Lobllckörsoonlrsris" hing, befindet fich jetzt
in der Schweriner Galerie.)

Eine Kopie nach Poelembnrch mit Figuren. Ein
Nonnenporträt von Poelemburch. Eine liegende
Frauenstgur. Eine Landschaft von van derLisse mit
Figuren. Ein Wasserfall mit Figuren, Kopie von van
der Lisse. Eine kleine Landschaft mit Figuren vom Ver-
storbenen. Eine Landschaft von Poelemburch mit
Figuren. Eine Landschaft von van der Lisse mit
Figuren und Wafferfällen. (Mehrere dergleichen.)

1) Er trat1647in die Haager St. Lucas Gilde. (Hrobisl
voor Uscksrl. UnnstASsobisäsnis, Bd. III).

Ein kleiner Satyr von Poelembnrch. Ein Buch
m Pergament in grmrto, worin Nvtize» über eine Land-
schaft mit Felsen vom Verstorbencn, welches in dem
Saal der Malerkonsrerie hängt rc.

Register von den Gemälden, vom Verstorbenen
gemalt und verkauft.

Große Bücher mit Handzeichnungen, Kupferstichen,
Skizzen, Festungsabrissen, rc.

Aunstlitteratur.

x. Von Adolf giosenbergs Geschichte der modcrnen Kuiist
(Leipzig, Grunow) ist kürzl'ich die zweits Lieferung ausge-
geben. Dieselbe führt die Darstellung der Entwickelung der
sranzösischen Malerei in der srsten Hälfte unseres Jahr-
hunderts zu Ende und beginnt den zweiten Abschnitt, der
bis auf die Gegenwart reichen soll, mit der Schilderung der
Kunstzustände unter dein zweiten Kaiserreich. Die folgenden
Seiten sind der Charakteristik Couture's, Cogniets, Puvis'
de Chavannes und Meissonier's gewidmet.

z'. Nyere dansk Malerkunst. Jn biographischer Form er-
scheint in Kopenhagen bei I. C. Stochholm eine Geschichte
der neueren Malerei in Dänemark, dsren Herausgeber,
Sigurd Müller, den Lesern d. Bl. bereits durch ver-
schiedene Beiträge bekannt ist. Das Werk wird in 18 bis
20 Lieferungen nusgegeben, hat ein stattliches Quartformat
und ist mit zahlreichen gut ausgeführten Holzschnitten aus-
gestattet, so daß es auch für diejenigen, welche der dänischen
Sprache nicht mächtig sind, eine willkommene Gelegenheit
bietet, sich über die Kunstthätigkeit der stammverwandten
Nation zu unterrichten. Druck und Papier lassen nichts zu
wünschen übrig.

x. Deutsche Nenaissance in Ostecreich. Das unter dem
Titel „Deutsche Renaissance" erscheinende Sammelwsrk (Ver-
lag von E. A. Seemann in Leipzig, Redaktion von Prof.
A. Schesfers daselbst) hat sich bisher auf die zum deutschen
Reiche gehörigen Ländergebiete beschränkt und außerdem nur
noch einige Schweizerstädte, wie Basel, Zürich und Luzern,
berücksichtigt. Um ein vollständiges Bild von der Ent-
wickelung der deutschen Renaissance zu gewinnen, müssen
auch die deutschen Landesteile Österreichs herbeigezogsn
werden, insbesondere Steiermark, Tirol und Böhmen. Zu
dem Zwecke hat nun Prof. Ortwein in Graz eine Publi-
kation begonnen, die in gleichem Verlage und in gleicher
Ausstattung zur Ausgabe gelangen soll. DaS bereits er-
schienene erste Heft bringt aus dem, dem Fürsten Liechten-
stein gehörigen Schlosse Hollenegg in Steiermark in treff-
lichen Ausnahmen und musterhafter Zeichnung eine prachtvolle
Thüreinrahmung, zwei Kachelöfen, eine Stuckdecke, dazu
verschiedene Detailblätter und zwei äußere Ansichten des
Gebäudes selbst. Das ganze Werk wird nach der An-
kündigung des Verlegers 20 bis 22 Hefte zu je zehn Tafeln
umfassen.

Todesfälle.

Der Landschaftsmaler Adolf Lier ist am 30. September
in Brixen gestorben.

Aunsthistorisches.

0. v. bä Iin Palazzo del Magnifico zu Sicua sind un-
längst von Prof. Franchi Deckenmalereien, die von Pintu-
ricchio herrühren, entdeckt worden. Man wußte aus gleich-
zeitigen Nachrichten, daß an der malerischen Ausschmückung
jenes Palastes, den Pandolfo Petrucci, nachdem er sich von
niedriger Herkunft zum Haupt der Republik Siena empor-
geschwungen hatte, 1505—1508 nach den Plänen des Architekten
und Bildhauers Giacomo Cozzarelli erbauen ließ, Signorelli,
Pinturicchio und Girolamo Genga beteiligt gewesen waren.
Als Reste der Dekoration eines Prachtsaals waren zwei
Fresken Signorelli's (Der Triumph der Keuschheit und
Koriolan vor Rom) und eine von Pinturicchio (Penelope am
Webstuhl) in dis Nationalgalerie zu London, zwei Komposi-
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