Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Beiträge

Lützow (lVien, There-
sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

Iuni

Nr. IZ.
Inserate

d 25 ssf. sür die drei
Mal gespaltene j^etit-
zeile werden von jeder

,882.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.



Die neuesten archäologischen Forschungen
in Rom.

I. Das IsrirxNurrr SLorss Brdis.

Seit dem dieSjährigen Geburtstage der cwigen
Stadt, dem 21. April, bietet sich dem, der vom Kapitol
herab seine Schritte dcr Triimmerwelt des Forums
zulenkt, ein laug ersehnter Aublick: der don der einsti-
gen Schuttaufhäufung des Forums als moderner Kom-
munikationsweg noch stehen gebliebene Erddamm, welcher
vom Palatin zur Bia di S. Lorenzo in Miranda hin-
überführte, ist vcrschwunden. Hat nnn anch die Topo-
graphie nach diesem Ereignis keine Resultate erster
Klasse zu verzeichnen gehabt, so hat sich doch neues
Licht über jenen Rattenkönig von Gebäuden verbreitet,
der den Komplex der Baulichkeiten von SS. Cosma
e Damiano, der Kirchc zwischen dem Antoninus- und
Faustinatempel und der Basilika des Konstantin bildet.
Wie schon vor l5 Jahren G. B. de Rossi, der in den
oberirdischen Monumcnten Roms nicht wcnigcr als
in den Katakomben bewanderte Forscher, durch einen
glücklichen Fund unter den Handschriften des Vatikans
die bisherigen Kenntnisse des ehemaligen Zustandes
der erwahnten Kirche wesentlich erweiterte, so ist es
jetzt dcm Sekretär der munizipalen archäologischen
Kommission, Rodolfo Lanciani, gelungen, aus Grund
Weiterer in jenem vatikanischen Kodex enthaltener Zeich-
nungen und gestützt auf die neuesten Aüsgrabungen,
dieses wichtige Denkmal des Altertums wie der ersten
christlichen Zeit in scincr ehemaligen Aulage und Be-
deutung sicherzustellen. Jn dem soeben publizirten
neuesten Heft des Lullstino äsllu 6onunissions Lrollso-

togion ooininnnuls äi ltoins, giebt Lanciani eine durch
Zeichnungen unterstützte Darlegung seiner Forschungen,
aus denen wir hier die wichtigsten Punkte den deutschen
Lescrn mitteilen möchten. — Die erwähnten Zeichnungen
veranschanlichen das Außere und Jnnere von SS. Cosma
e Damiano in Grundrissen, Durchschnitten und Veduten
nach Ausnahmen dcs Ligorio, die dieser für Panvinius
versertigte. Seine Blätter wurden später, teilweise in
Kvpien, plnnlos eincr Handschrift des Vatikans einge-
sügt. Wir treffen darin großenteils Aufnahmen von
Gräbern und Tempeln und zwar durchweg Rund-
bauten. Die Glaubwttrdigkeit der Zeichnungeu ist eine
relativ große, da ja der Auftraggeber die Wahrheit
in sitn kontroliren konnte.

Die genannte Gebäudegruppe von SS. Cosma e
Damiauo besteht, unbedeutcnde Annexe abgerechnet, im
Wesentlichen auS zwei Gebäuden, der eigeutlichen ob-
longen Basilika und dcm siidwestlich vorgelegten Rund-
bau, dem eiustigen Tempel des Romulus, des Sohnes
des Maxentius. Als der nordvstliche Langbau von
Papst Felix IV. im Jahre 526 seiner kirchlichen Be-
stimmung übcrgeben wnrde, ward der Rundbau zur
eiufachen Vorhalle der Kirche degradirt. Die im Lause
der Jahrhunderte durch Schuttaufhäufuugen sich voll-
zieheude Terrainerhohung des Fvrums uötigte endlich
im 17. Jahrhuudert Papst Nrban VIII. das Pavi-
meut der Kirche mit diescm neuen Terrain iu Ein-
klang zn setzen, nnd so schritt man zu der uoch heute
bestehenden Einziehung eines neuen Bodens ungefähr
in halber Höhe des Baucs, sv daß sich gewissermaßen
eine Ober- und Unterkirche bildete, welch' letztere nur
von der Apsis der ersteren aus zugänglich ist. Mit
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