Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Monumentale Plastik in Kassel.

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rische Ausschmiickung derselbeu, sowie der öffentlichen
Plätze und Gartenaulagen in Paris und den Departe-
ments, die Bestellungen und Ankäufe von Kunstwerken
und die Jnscenirung öffentlicher Feste.

An diese Neuorganisirung knüpfen sich die folgen-
den Personalveränderungen: der Staatsrat Ad. Tötreau
ist zum Generalsekretär, der Architekt Ferd. Dutert,
bisher Jnspektor des Zeichenunterrichts, zum Chef der
Abteilung für die Kunst- und Zeichenschulen, und der
Kunstschriststeller Paul Mantz, bisher Sekretär im
Ministerium des Jnnern, zum Vorstand der Scktion
für die Erhaltung der Kunstdenkmäler ernannt worden.
Der Chef für die vierte Abteilung ist noch nicht desig-
nirt. Dagegen sind zwei in letzter Zeit vakant gewor-
dene Posten von „Inspsotours ckss bos-ux-Lrts" neu-.
besetzt, und zwar ist an Stelle des unlängst verstorbenen
Schriftstellers Paul de St.-Victor, dcr durch seine Bei-
träge in französische Kunstblätter bekannte Kritiker und
Sammlcr Phil. Burty, und an Stelle des zum Kustos
der Louvregalerie beförderten Anatole Gruyer (Mit-
glied des Jnstituts und Verfasser von „LaxliÄsl ot
l'autiguits", „HuxÜLsl, xoiutrs cks xortrnits", „I-ss
iliustratious äss sorits cks KLvouarols"), der durch
seine von ihm selbst illustrirten Prachtwerke über Venedig,
Florenz, und die erst jüngst erschienene Monographie
über Rimini bekannte Charles Uriarte ernannt wor-
den. Die Ernennung eines neuen Kustos für die
Louvregalerie hängt wiederum mit der Trennung
der Abteilung für Gemälde und jener für Handzeich-
nungen zusammen, indem der bisherige Chef beider,
Vicomte Both deTauzia, als erster und sein Assi-
stent Mr. d'Eschavannes als zweiter Kustos an die
letztere versetzt wurden.

Auch außer diesen blos administrativen Ver-
fügungen hat der neue Minister Antonin Proust,
srüher jahrelang ständiger Berichterstatter der Kammer
für das Kunstbudget, in seinem neuen Reiche die krüf-
tigste Jnitiative ergriffen. Vor allem betreibt er die
Sanktionirung des Gesetzes über die Veräußerung
der Krondiamanten, um einen Gesetzentwurf über
die Verwendung des Erlöses zur Errichtung eines
„Dotationsfonds für die Neuanschaffungen der Natio-
nalmuseen" einzubringen. Sodann hat er die Ein-
willigung des Präsidenten zur Abhaltung einer inter-
nationalcn Kunstgewerbeausstellung nachgesucht,
w'elche vom 1. Aug. bis 15. Nov. künftigen Jahres zu
Paris stattfinden, jedoch aus Rücksicht sür die kaum
übersehbare und kaum mehr nutzbar zu machende Aus-
dehnung, die ein ähnliches Ilnternehmen annehnien
müßte, wenn es alle Zweige des Kunstgewerbes um-
faßte, sich auf Mobiliar, Muster und Drucke beschrän-
ken foll. Endlich hat er sein besonderes Jnteresse
dem neuen Museuin auf dem Trocadero zuge-

wendet, das bekanntlich die größte und auf weitester
Basis angelegte kunsthistorische Sammlung von Gips-
abgüssen umfassen soll, natürlich mit besonderer Be-
rücksichtiguug der reichen Schätze des eigenen Landes,
die bisher zu dieseni Zweck kaum ausgcbeutet wurden.
Auf sein Drängen wird nun nach mehr als zwei-
jährigcn Borbereitmigcn für die Berwirklichung diescs
von Viollet-le-Duc angeregten Projektes mit Neujahr
die erste Reihe ^von sieben Sälen eröffnet, worin ein
Bild der figürlichen und architektonisch - dekorativen
Skulptur Frankreichs im Mittelalter sich vor dem Be-
schauer entrollen wird. C. v. F.

Monumentale plastik in Aassel.

Kassel, im Dezember t88l.

Obwohl der monumentalen Kunst, besonders der
Plastik, nicht allzu oft Aufgaben bei uns gestellt werden,
so hat doch auch sie im Lause der letzten Jahre niannig-
fache Gelegenheit gehabt, sich zu bethätigen und zur
Verschönerung unserer Stadt das Jhrige beizutragen.
„Übung macht den Meistcr" — das gilt eben auch
hier, und zwar nicht nur in Beziehung auf die Aus-
führung der Monumente, sondern auch was ihre Auf-
stellung betrifft, in welcher Hinsicht man hier nicht
immer glücklich zu Werke gegangen ist. Als vor
mehreren Jahren auch bei uns ein Kriegerdenkmal zur
Erinnerung an das Jahr 1870 errichtet werden sollte,
scheiterte die solide Ausführung ohnc die Schuld des
Künstlers an den knappcn Geldmitteln. Wäre nicht
jener glorreiche Krieg sich selbst ein monumentum asrs
psrsnnius, so wäre schwerlich Aussicht vorhanden, daß
sein Andenken durch sein hiesiges Monunient der Nach-
welt überliefert würde. Ein anderes, zu Ehren der
unter französischer Fremdherrschaft gefallenen Hessen
errichtetes Patriotisches Denkmal, ein ruhender Löwe,
ist schön und in gutem Material (Marmor) ausge-
führt. Anstatt es aber an der Stätte der Erinnerung
selbst aufzurichten, auf dem im weiten Umkreis durch
landschaftliche und architektonische Scenerie schön be-
grenzten „Forst", wo jene Stätte bereits durch einen
einfachen Denkstein und eine Eiche bezeichnet ist, hat man
es, wie man sagt, wegen des besseren Schutzes,
auf einem sehr engen, von hoher Begetation rings
umschlossenen Terrain in der sogenannten Vorau zweck-
los und ohne Sang uud Klang beigesetzt. Eine andere
plastische Dekoration, die unseres „Kunsthauses", konnte
wegen Ungunst der Verhältnisse nicht zur vollen Aus-
führung kommen. Als Krönung des hübschen, leider
nur durch einen riesigen Nachbar etwas gedrückten
Gebäudes waren Musengestalten (von Prof. Hassen-
pflug) projektirt, in deren Mitte eine Gruppe, Minerva,
die schönen Künste beschützcnd, aufgestellt wcrden sollte.
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