Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Vom Christmarkt.

Zu bezalung Meister Simon Malers seligen Wittbin
zu Aschaffenburg Söll von dem geldt der cleider wie-
derumb dahin erlegt werdenn, ^— 70 fl."

Aus dem Zusatz „vnd erschinen pension" geht
hervor, daß Meister Simon Hofmaler des Kardinals
Albrccht II. war, und, wie der große rnckständige Be-
trag. schlicßen läßt, viel Beschäftigung fand. Die
Schuld wegen des neuen Baues in Aschaffenburg dürfte
damit erklärt sein, daß die Stiftskirche in ornamentaler
Weise ausgemalt war, wie dies noch jetzt in der reizend
situirten Schneekapelle daselbst ersichtlich ist. Solchen
allerdings weniger künstlerischen Arbeiten mußte ja
bekanntlich auch Lukas Kranach als Hofmaler des Kur-
fürsten Friedrich des Weisen sich anbequemen (s. Schuch-
hardt, Lukas Kranach).

Es bliebe also nur noch übrig, anzunehmen, daß
Meister Simon bei Lukas Kranach gelernt habe; sein
Anklang an Grllnewald findet durch Len gleichen Ort
der Thätigkeit seine hinreichende Erklärung. Die weiter-
hin angestellten archivalischen Forschungen waren bis
jetzt leider nicht von Erfolg begleitet.

Für diesen Hofmaler, der wohl zeitweise ohne Anf-
träge sür kirchliche Gemälde gewesen ist, war es dann
auch eine ganz entsprechende Beschäftigung, die Kleino-
dien aufzuzeichnen und in Farbe zu setzen, was zur
Herstellung des Haller Heiligtumbuches führte. Daß
dieses von demselben Meister herrührt, wie die Werke
des sogen. Pseudogrünewald, ist unzweifclhaft. — Jhm
dürste ferner die Zeichnung zn den Nielloarbeiten
am Grabmale der heil. Margaretha in der Stiftskirche
zu Aschaffenbnrg zuzuschreiben sein, dessen Ausführung
wohl sicher dem von Albrecht beschäftigten Peter
Vischer übertragen war. Auf letzteren wird, nebenbei
bemerkt, cin Eintrag vom Jahre 1522, in welchem
Albrecht II. nachgewiesenermaßen sich von Peter Vischer
ein Epitaphium herstellen ließ, Bezug haben. Der
Eintrag ist in dem in der Kunstchronik Nr. 43 ver-
gangenen Jahrgangs erwähnten rsAlstrnin guistnn-
tiarnm sto. enthalten nnd lautet:

„Qnitantz Peter Bildhawer vber VIII gulden nnno
1522".

Nachträglich habe ich noch einige Berichtigungen
zu meinem Artikel in Nr. 43 der Kunstchronik v. I. zu
bringen. Die zweite von „Meister Mathes" ausge-
stellte Quittung lautet nicht über 10 Fl., wie im Artikel
steht, sondern über 20 Fl. — Die Einträge über die
Gemälde in Heilsbronn habe ich Mucks Geschichte des
Klosters Heilsbronn entnommen, und die für die vier
Gemälde des Altares der heil. Ursula und der 11 000
Jungfrauen ausgelegte Summe ist nach eigener Ein-
sichtnahme der archivalischen Stellen nicht 45 Fl.
sondern 44'/2 Fl.: uck inoorporunäain tudulnm xj
millnm virpiinim x l ^ Ü. Jn einem Sammelbande,

der die Ausgaben kürzer zusammengestellt anführt, ist
der Eintrag also: Tubulu Ursuls x 1 ip ü.

München. Friedrich Niedermayer.

Vom Lhristmarkt.

II.

Ein Schalk hat uns Ubcr Nacht noch ein kleines
Bändchen auf den Tisch gelegt, desien poetischer Jn-
halt schon längst die Ehre der Jllustration verdient
hätte. Es sind die „Blüten aus dem Treibhause der
Lprik", in denen viel früher, als Mauthner auf den-
selben Einfall kani, „berühmtc Muster" in ver heiter-
sten Weise ironisirt sind. Nun hat dcr Verleger (I. A.
Barth in Leipzig) in Max Klinger eine dem namen-
losen Dichter gleich gestimmte Künstlerseele gefunden,
die mit Todesverachtung in den Geist der Klichs-,
Rezept-, Mutter-, Kriegs- und sonstigen Lyrik einge-
drungen, aber bei der leider an Stelle des Holzschnittes
beliebten ^inkätzung nicht ganz zu Worte gekommen ist.
Hier eine Probe der „Einfälle" des Sängers und des
Zeichners:

Ehe wir von den Poeten für dies Jahr Abschied
nehmen, wollen wir den „Kennern", denen die eben
erwähnte Gedichtsammlung gewidmet ist, ein kleines
freilich bis jetzt noch nicht illustrirtes Heftchen an-
empfehlen, das aber seinem Jnhalte nach ein gewisies
Anrecht darauf hat, aus den „Kunstmarkt" gebracht
zu werden. Das erhellt sofort aus dem Titel: Von
und für Kunstgenossen, humoristische Vor-
lesung, gehalten beim Festbankett zur Feier des
fünsundzwanzigjährigen Bestehens der deut-
schen Kunstgenvssenschast am 15. Sept. 188 1
vonGustav Leutritz (Dresden, v.Zahn). EineProbe,
die wir hersetzen, mag statt vieler Worte als Em-
pfehlungsbrief dienen:

In ein Stammbuch.

enn die Sonne untergeht,

Jst es Nacht geworden;

Wenn ein Komyaß richtig steht,
Weist er stets nach Norden.

Glaube mir: nicht minder wahr
Bleib' ich Dir ergeben,

Und Dein Bild wird immerdar
Lieblich mich umschweben.
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