Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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17. Iahrgang.

BcitrLge

21. Leptember

Nr. H3.
Inserate

cl 25 j?f. sür die drei
Mal gespaltene jDetit'

1882.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.



Kunstchronik Nr. 44 crschcint am 5. Oktobcr.

Die schweizerische Aunstausstellung von 1882.

Am 19. Juni 1880 erteilte die Delegirtenver-
sammlung der schweizerischen Kunstvereine in Zofingen
dem Geschäftskomite die Vollmacht. mit den verschiede-
nen Künstlergesellschaften, und besonders mit den aus-
ländischen, in Beziehung zu treten, um durch ihre Ver-
mittlung Kunstgegenstände von wirklicher Bedeutung
sür unsere Ausstellungen zu gewinnen. Gleichzeitig
wurde auf Anregung der Sektion Winterthur beschlvssen,
zur Hebung des Turnus es provisorisch mit einer Jury
zu versuchen. 1881 trat dieselbe zum erstenmal zu-
sammen. Ein Versuch, sie wieder abzuschaffen, schlug
glücklicherweise fehl. Glücklicherweise, denn die Flut
mittelmäßiger Produktionen ist durch die Jury ent-
schieden gehemmt worden. Während der Katalog von

1880 über 600 Nummern aufwies, umfaßte der von

1881 kaum noch die Hälfte, und dieses Jahr ist die
Zahl der ausgestellten Objekte gar auf ein Minimum
von 231 gesunken. FUr den Referenten aber ist es
eine große Erleichterung, wenn geradezu Schlechtes von
vornherein seinen Augen entzogen bleibt.

Um mit den Historienbildern zu beginnen, sei
bemerkt, daß die beiden Gemälde, welche als solche be-
trachtet sein wollen, eigentlich keine Historienbilder im
wahren Sinne des Wortes sind. Sowohl die Episode
aus dem deutsch-franzvsischen Kriege von John Grasf
in Genf: „An der franzvsischen Grenze", als auch das
Bild von Albert Landerer in Barbijon streifen das ge-

schichtliche Genre. Das letztere stellt die schweizerische
Artillerie auf dem Marsche nach Novara dar. Zwischen
steilen Felswänden geht es bergauf. Vier Pferde ziehen
im Galopp eine Kanone, die von ebensovielen Kriegs-
leuten mit der größten physischen Anstrengung ge-
schoben wird. Rechts von derselben der Kommandant,
ein Reiter. Die Bewegung der Gestalten an uud für
sich ist gut, stimmt aber nicht mit dem Galoppiren der
Tiere. Der Malcr hat offenbar den Mvment des An-
sprengens geben wollen, was ihm nicht charakteristisch
genug gelungen ist.

Unter den Porträts seien in erster Linie die von
Leo-Paul Robert in Biel erwähnt. Der Sohn
Aurble Roberts und der Nesfe des berühmten Leopold
Robert macht seinem Familiennamen alle Ehre. Be-
reits 1877 wurde ihm im Pariser Salon eine Medaille
zuerkannt. Er verdankte dieselbe einem durch Versc
von Monneron iuspirirtcn Bilde, das den Titcl führt:
t-68 rspllirs ä'nn bsari. soir. Seitdem sind die Fort-
schritte dieses jungen Künstlers von Jahr zu Jahr
genau zu verfolgen. Es ist ein wahrer Prüfstein für
die Kunst eines Meisters, Kinderporträts zu zcichnen,
und man kann Robert Glück dazu wünschen, daß er
diese Probe gut bestanden. Seine Pvrträts, drei an
der Zahl, sind Zeichnungen, in Bleistift und schwarzer
und weißer Kreide ausgeführt; sie befinden sich in einem
und demselben Rahmen und sind datirt v. Februar 1882.
Jn der Mitte ein Baby, von vorne gesehen, rechts und
links von demselben ein kleines Mädchen. Das zur
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