Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

Page: 569
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1882/0287
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
17. Iahrganq.

Beiträge

die verlagsl)andlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

22. Iuni

B

!7r. 36.
Inserate

-> rs pf. fiir dte dre»
Mal gespaltene ^)etit>
zeile werden von jeder
Buch u.Aunsthandlung
angenommen.

1882.

st-



Neuerwerbungen des Louvre.

So vft auch in dcr vbcrsten Leitung dcr sttational-
musecn Frankreichs Personalveränderungen Platz grcifen,
und dies hat ja im Lausc der lctztcn vier Jahre drci-
mal stattgefunden — ein Zicl verfvlgen die einander
adlöscndcn Direktvrcn mit immer gleicher Encrgie nnd
mit ost überraschend günstigen Erfolgen: die Ver-
mehrnng nnd Enveiterung dcr ihnen anvcrtrantcn
Kunstschätzc. Sv haben wir denn ncnerdings von
cinigen wertvoklen Erwerbungen dcr Sammlungcn des
Lonvre zu berichten.

An erster Stelle verdienen zweiFreskenSandro
Botticelli's angeführt zn werdcn, dic im Jahre 1878
in einer Villa in der Nähe von Careggi, etwa drci
Kilometer vvn Florenz cntfcrnt, aufgedcckt und von
dem Besitzer, Cavaliere I)r. Lcmmi kürzlich dem Louvre
abgctreten wnrdcn. Der Landsitz befand sich Vvn 1469—
1541 im Bcsitze der Tornabuoni und hat scinen mnleri-
schen Schmuck, der einen Saal des ersten StockwerkS
zierte, dem Kunstsinne dieser in den Werken der flo-
rentiner Renaissance auch sonst mehrfach verewigten
Familie zu verdanken. Jm Jahre 1486 nämlich ward
die Bcrmählung Lorcnzo's, des Sohnes Giovanni's
Tornabuoni mit Giovanna, Tochter des Maso de Licca,
aus der Familie der Albizzi, mit überaus prunkvollcn
Fcstlichkeiten gefeiert, und die Darstellungen unserer
Fresken lasscn kaum eineu Zweifel übrig, daß dicses
Familiencreignis auch Anlaß zn ihrer Ansführung gc-
boten habe. Jn der ersten sehen wir eine junge Frau
im slorentinischen Kostüm, begleitet von einem wappen-
haltenden Knaben, der sich vier allegorische weibliche

Gestalten, als die Bcscheidenheit und die drei Grazicn
gedeutet, nähcrn, dercn erste cincn Blnmenstranß in
ein von jener hingehaltenes Tuch legt. Die Blumen,
wic der Garten, in dem die Scene vor sich geht, sind
in Fvlge der Schäden, wclche die Freskc bei Entfernung
dcr Tünche crlitt, fast unkenntlich gewordcn, wie anch
das Wappen, das der Knabe hält; doch zeigt ein Ver-
gleich der Züge der Hauptperson mit jenen der zwei
Mcdaillen in dcr Mttnzsammlung der Uffizien, welche
Giovanna Tornabuoni darstellen, eine ganz auffallende
Ähnlichkcit. Die zweite Freske stellt einen Jüngling
ebenfalls im Kvstüm der Zcit vor, der von ciner alle-
gorischen Francngestalt durch einen dichten Wald in eine
Versammlung von sieben weiblichcn Gestaltcn in idcalcr
Gewandung eingeführt wird, die sich durch ihre Attri-
bute als die siebeü freicn Künste kennzeichnen. Das
Wappenschild, das auch hier von einem dcn Jüngling
begleitenden Knaben getragen wird, zeigt das Wappen
der Albizzi, und dies, der entschiedene Porträtcharakter
der bcidcn einzig ins Zeitkostüm geklcidetcn Pcrsoncn,
sowie die Übcreinstimmung ihres Alters mit dcm
Lorenzo's nnd Giovanna's zur Zeit ihrer Vcrehelichnng,
ferner der Umstand, daß die Fresken sich an einer und
derselben Wand nebeneinandcr fanden, macht es mehr
als wahrscheinlich, daß sie ans Anlaß der Bcrmählnngs-
feierlichkeiten, gleichsam als allegvrische Apotheose
dcr bciden Hauptpcrsonen, entstandcn sind. An der
gegenüberliegcnden Wand desselben Saalcs fand man
scincrzeit auch noch die Übcrreste einer dritten Freske,
cincn bejahrtcn Mann darstellend, der scinen Arm um
ein Kind schlingt. Die Köpfe sind hier fast ganz zer-
stört; den Hintergrund bildet eine Hügellandschaft,
loading ...