Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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17. Iahrgang.

Nr. 18.

Beiträge

die verlagshandlung in
Leipzig, G'artenstr. 6,
zu richten.

16. Fcbruar

Inserate

d 25 ssf. für die drei

zeile werden von jeder
Buch- u.Aunsthandlung
angenommen.

1882.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.



Ncue Erwerbuitgeu der Aasseler Gemäldegalerie.

Kassel, im Januar 1882.

Obwohlunserer Gemäldegalerie bedeutendere Fonds
für neue Erwerbungen nicht zur Verfügung stehen. so
haben solche doch im Lause der letzten Jahre durch die
Gunst der Umstände und nicht minder durch die Um-
sicht der jetzigen Direltion in erheblicher Zahl statt-
gefunden. Währcnd dic neuerrichtetc Galerie im Jahre
1877 mit einem Bestande von 823 Gemälden eröff-
net wurde, ist ihre Zahl jetzt beinahe schon auf ein
Tausend gestiegen, die in vier Oberlichtsälen und 20
Seitenkabinetten eine schöne und übersichtliche Anord-
nung gefunden haben. Da in dem neuen Gebäude
cin doppelt so großer Raum zur Verfügung stand wie
in dem alten, so war es möglich, auch die früher zurück-
gestellteu Gemälde, welche nur schwer zugänglich waren,
aufzunehmen. Was nun den Zuwachs der Sammlung
betrifft, so erhielt dieselbe zunächst 49 Gemälde aus
den ehemals kurfürstlichen Schlössern, darunter Werke
von Meistern, welche bisher in der Sammlung nicht
vcrtreten waren, wie z. B. Cima da Conegliano
(Madouna mit Kind), Aart van der Neer (Land-
schaft uiit Sonnenuntergang, Staffage von Hirten und
Vieh), Allart van Everdingen (Bauernhäuser am
Walde bei einem Bach), Salomon van Ruysdael
(am Waldesrand ruhender Hirt mit Herde), Guillaume
du Bois (Waldweg mit einigen Figuren), Jan
Assclyn (Felsige Landschaft mit Hirten, Vieh und
Reitern, die eine Furt passiren). Auch eine beträcht-
liche Anzahl von Werken neuerer deutscher Meister be-
findet sich darunter. Es wurden ferner erworben: eine

größere Anzahl vortrefflicher Kopien nach italienischen
Meistern, von Prof. Jhläe hierselbst, sowie zwei
Landschaften von dem im vorigen Jahre verstorbenen
Bromeis (Landschaft aus dem Sabinergebirge mit
Staffage des barmherzigen Samariters, und ein Motiv
aus Hessen). Aus dem im vorigen Jahre versteigerteu
Nachlaß des verstorbenen Historienmalers Nahl wurden
zwei Gemälde von Joh. Aug. Nahl (Pyramus und
Thisbe; Merkur überlistet Diana beim Würfelspiel)
und eine „Büffeljagd" von Karl Nahl angekauft.
Eine höchst wertvolle Bereicherung verschaffte unserer
Galerie unser Mitbürger Herr Edward Habich, ein
Deutsch-Amerikaner, welcher in hochherziger Weise seine
auserlesene Sammlung unserer Galerie leihweise auf
zehn Jahre überwiesen hat. Es sind im Ganzen 90
Nummern, darunter gleichfalls eine große Anzahl bis-
her hier nicht vertretener Meister. Die Sammlung
des Herrn Habich enthält wahre Perlen altniederländi-
scher Kunst, unter anderen einen Pieter de Hooch,
Cornelius Decker und Adriaen van Ostade, und
zahlreiche andere Werke von vorzüglichster Qualität,
von denen die Leser zwei aus Ungers Radirungen kennen.
Schon srüher hatte Herr Habich ein wertvolles und
stattliches Gemälde von Giacomo Palma il giov.
(Tarquinius und Lucretia) unserer Galerie zum Gefchenk
gemacht. Endlich ist noch eine „Dorfkirmeß" Vvn A.
v. Staelbent zu nennen, welches Bild von der
Generalverwaltung in Berlin geliehen wurde. Wie
stark der Besuch unserer Galerie im Laufe der letzten
Jahre zugenommen hat, geht am besten daraus hervor,
daß von dem provisorischen neuen Kataloge, einer durch-
greiscnden Bearbeitung des alten, bereits vier Auflagen
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