Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Die jüngsten Erwerbnngen der Nationalnmseen Frankreichs.

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Kalkhorstschen Stistung im Laufe der Jahre gelingen
muß, Las Jnteresse für ernste Kunst gerade in die-
jenigen Kreise des deutschen Vvlkes zu tragen, die zu
ihrcr Pflege berufen sind, bedarf keiner weiteren Er-
örterung. Es liegt klar zu Tage. Wvhl aber mnß
nochmals mit Nachdruck betont werden, daß der Vvr-
teil, welcher den aufstrebenden jungen Talenten aus
diesem Vermächtnis siirsorglichen Kunstsinnes erwachsen
muß, gar nicht hvch genug angeschlagen werden kann.
Gerade daß Anfängern auf diese Weise Gelegenheit
geboten wird, sich in selbständigem Schaffen höheren
Stils unter der nvtwendigen Vormundschaft ihrer
Lehrer zn üben und zu zeigen, ist ein unschätzbarer
Gewinn; denn nur den wenigsten wird in unseren
Tagen das Glück zu teil, als Gehilfen beriihmter
Meister an großen Aufgaben mitzuwirken. Die meisten
nnserer jnngen Leute sind daraus angewiesen, sich ihre
Sporen auf den Ausstellungen zu verdienen; und
wenn uns auch nichts ferner liegt, als das Verdienst
der großen Kunstausstellungen vertleinern zu wollen,
so liegt die Gefahr, die sie für Anfänger in sich bergen,
doch auf der Hand. Man will wirken, man svll Auf-
sehen erregen, man muß andere schlagen. Je uner-
hvrter der Stoff ist, nnt dem man debntirt, desto
besser. Je gelehriger man sich der neuesten Mvde-
technik bedient, desto nützlicher! Einige Jahre ist die
„Hellmalerei" üblich, dann wird es, um neu zu sein
und auszufallen, wieder mit der „Dunkelmalerei" ver-
sncht, bis die Hellmalerei abermals Mode wird und
die Dunkelmalerei diese von neuem verdrängt. Vvn
einer Produktion aus den natürlichen Bedingungen
des gegebenen Stoffes oder aus dem eigensten Jnnern
heraus ist nur in den seltensten Fällen die Rede.

Hier nun bietet sich jungen Kräften die Gelegen-
heit, sich ohne Nebenrücksichteu in ihre Aufgabe zu ver-
senken; und zu dieser Aufgabe gehört es eben, nicht
nur den gegebenen Stoff künstlerisch zu bewältigen,
svndern auch dcm gegebenen Raume gerecht zu werden.
Die Beherrschung des Stvffes und des Raumes zn-
gleich ist ja gerade die Doppelbedingung aller Wand-
malerei, die immer seltener erfüllt wird.

Auf die Bestimmung, daß die Malerei rcin nl
lrosao ausgeführt sein solle, legen wir dabei jedoch
kein Gcwicht. Den Stilgesetzen farbiger Wandbeklei-
dung kann in anderenTechniken ebenso wohl entsprochen
werden wie in reiner Frescotechnik; und unser feuchtes
Klima ist dem Fresco von jeher verhängnisvoll ge-
wesen. Selbst in der italienischen Kunstgeschichte wird
der Ausdruck „Fresco" noch immer viel zu unüberlegt
auf alle Wandgemälde angewandt. Eine eingehende
technische Untersuchung würde ergeben, daß von den be-
rühmten italicnischen Wandgemälden der goldenen Zeit
lange nicht so viele, wie man meint, ganz nl trssoo aus-

geführt sind. Diese Bestimmnng der Stiftung könnte
also vielleicht ohne Schaden wegfallen.

Ein Haupterfvrdernis für ihr Gedeihen aber wird
es sein, daß Freiherr Vvn Biel-Kalkhorst unter ver-
mögenden Kunstfreunden die Bundesgenossen seines
außervrdentlich verdienstvvllen Strebens sindet, deren
er bedarf, sei es um die Stiftung zu vergrößern, sei
es, uni ihr alljährlich Bewerber zu gewinnen, die selbst
ein Opser für den schönen Zweck zu bringen bereit sind.

Karl Woennann.

Die jüngsten Erwerbungen der Nationalnruseen
Frankreichs.

(Schluß.)

Dem Luxembourg, desten Sammlungen sich
bekanntlich überwiegend durch Ankäufe mvderner Kunst-
werke des Salons, sowie ausnahmsweise durch Be-
stellungen bei hervorragenden Künstlern vermehren,
flosten in dem genannten Zeitraum durch Kaus 28
Gemälde und vier Skulpturwerke, außerdeni vier
Aquarelle und zwei Pvrträts durch Schenkung und
fünf Ölgemälde und eine Büste infolge richterlichen
Schiedsspruchs aus dem Nachlaste Kaiser Napoleons lll.
zu. Unter diesem letzteren befindet sich O. Achenbachs
„Molo von Neapel", so daß nun die beiden Brüder
dieses Namens neben Knaus und dem Pferdemaler
Schreper die einzigen im Lupembourg vertretenen
deutschen Künstler sind. Unter den Ankäufen nennen
wir Bvuguereau's „Geburt der Venus", Duez'
„Heil. Luthbert", Mölingue's „Etienne Marcel" und
manche andere, die, wie die angeführten, die letzte
Münchener Ausstellung (1879) schmückten, sodann zwei
Landschaften von I. Duprs, der bisher im Luxem-
bourg noch gar nicht vertreten war; unter den Sknlp-
^urwerken Saint-Marceau's „Genius" und Jdrac's
„Merkur", der den Schlangenstab erfindet.

Am kärglichsten kam diesmal die historische
Galerie von Versailles weg. Unter acht Porträts,
die ihr als Schenkung znsielen, sind blos LöonBonats
Bildnisse Thiers' und des Grafen Montalivet hervor-
znheben, unter fünf auf Bestellung gefertigten Bildern
wohl keines. Dagegen wurde der Sammlung aus der
Verlassenschast Napolevns III. zugesprochen ein Bildnis
des Generals Bonaparte von Gros, und eine Zeich-
nung von Jsabey: der erste Kvnsul zu Malmaison.
Auch unter den vier geschenkten Pvrträtbüsten findet
sich keine vvn Bedeutung.

Was nun schließlich daS Musenm zu St. Ger-
main betrifft, das ja speziell den nationalen Aller-
tümern aus prähistorischer und frühgeschichtlicher Zeit
gewidmet ist, so wnrden seine Sammlungen durch die
in den verschiedenen Teilen des Landes mit Eifer be-
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