Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Nekrologe. — Personalnachrichten.

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Gemäldesälen des Louvre zu Paris, welche diesen An-
gaben vollkomnien entsprechen, auf das beste bestätigt
worden war, von wesentlichem Einfluß gewesen, be-
sonders dadurch', daß sie von vornherein von der
Anwendung heller und blendender Farben in den
Bilderräumen abhielten und namentlich zur Vermeidung
hellsarbiger Dekorationen an den Hohlkehlenwölbungen
über den Bilderwänden sührten. Die letzteren selbst
sind sämtlich mit starken Brettern bekleidet und darüber
anf Leinenbespannnng tapezirt. Die Tapeten der Ober-
lichtsäle sind durchweg in brannrotem Ton leicht ge-
mustert, und die Hohlkehlenwölbnngen zeigen in dem-
selben Ton einfache teppichartige Muster und mit
Künstlernamen versehene Schilde.

Die vorzüglich beleuchten Seitenlichtkabinette an
der hintern Seite des Gebäudes erhalten durch die
thunlichst erhöhten Fenster ein hoch einfallendes Licht.
Die Brüstungen derselben haben mehr als Mannes-
höhe und über den zum Offnen eingerichteten Fenster-
fliigeln, die, mit durchscheinenden Vorsetzern versehen,
nur gedämpftes Licht geben, lüßt in jedem Fenster eine
mächtige Spiegelscheibe das volle Licht so einfallen, daß
die Bilderwände gerade in der Angenhöhe des Be-
schauers am hellsten beleuchtet sind, während bei der
sonst gewöhnlichen Fensteranordnung das hellste Licht
an den Wänden sich stets dicht über dem Fußboden
befindet. Dabci wird dic Belcuchtnng noch dadnrch
wesentlich verbessert, daß die Seitenwände der Kabinette
gegen die Fensterwand schräg geneigt sind, so daß die
Rückwände merklich kürzer sind als die Fensterwände.
DieKabinette haben abwechselnd rotbraune und stumpf-
grüne Tapeten erhalten. Die Fensterbekleidungen von
polirtem Stuck sind stark abgeschrägt, um dem Licht
möglichsten Eingang zu verschaffen. Die Verbindungs-
thüren zwischen den Seitenlichträumen liegen überall
dicht an den Fensterwänden und sind so niedrig, daß
durch dieselben das Licht aus den benachbarten Kabinetten
nicht störend einwirken kann. G. Wittmer.

Nekrologe.

Der Historienmaler Thomas Guggenberger starb zu
München am 28. April d. I. Er war am 7. August I81S
als der Sohn eines Beamten in München geboren und
bildete sich an der Akademie daselbst unter Julius Schnorr;
selbständig geworden wandte er sich fast ausschließlich der
religiösen Kunst zu und entnahm seine Stoffe der Bibel
und Legende. Auch die Arabeske kultivirte er mit Glück,
namentlich in srüheren Jahren. Seine bedeutenderenArbeiten
sind Wand- und Deckenbilder in mehreren bayerischen Land-
kirchen. Außerdem zeichnete er viel für den „Kalender sür
katholische Christen" von 18L9, 1860 und 1861. Seit den
letzten Jahrzehnten stand Guggenberger nahezu ganz außer
Verkehr mit den Münchener Künstlerkreisen, in denen er sich
srüher mit Vorliebe bewegt hatte. Seine letzten Jahre wurden
durch Kränklichkeit getrübt. Auch an den Ausstellungen,
selbst des christlichen Kunstvereins, beteiligte sich Guggen-
berger nur in seltenen Fällen. C. A. Regnet.

Der Maler Franyois Biard ist im Juni d. I. auf
dem Landsitze Les Pllitreries bei Fontainebleau im Alter von
84 Jahren gestorben. Jn den dreißiger und vierziger Jahren
gehörte er zu den erfolgreichsten französischen Malern. Er
haite große Reisen nach dem Süden und Norden Europa's,
bis nach Lappland und Spitzbergen, schließlich sogar nach
Brasilien und eine Reise um die Welt gemacht und wutzte
das Jnteresse des Publikums durch die Schilderung aben-
teuerlicher Ereignisse lange Zeit rege zu erhalten. Er hatte
seine Studien bei Revoil in Lpon begonnen und solgte des-
halb im Anfang sowohl in der Wahl seiner Stoffe als auch
in der nach Glanz und Reichtum strebenden koloristischen Be-
handlung den Tendenzen der Lyoner Schule. Cr kultivirte
sowohl das Sittenbild als das historischs Genrebild. Während
er in dem erstern einen kecken Humor, übersprudelnde Laune
und köstliche Satire entfaltete (Revue einer Dorsnational-
garde; Wandernde Komödianten; Das unterbrochene Mittags-
mahl), suchte er als Historienmaler die schauerlichsten Momente
aus der Weltgeschichte hervor (Jane Shore, die Geliebte
Eduards IV., stirbt in den Stratzen Londons den Hungertod;
Der wahnsinnige Karl VI. von Augustinermönchen dem
Exorcismus unterworfen, im Museum von Leipzig). Nicht
minder große Erfolge als seine humoristischen Gemälde er-
zielten seine ethnographischen Genrebilder wie „Der vom
Samum überfallene arabische Stamm", „Der Harem", das
„Beduinenlager in der Wüste" (in Leipzig) und dramatische
Schilderungen aus fremden Ländern, wie der„Sklavenmarkt",
die „Folgen eines Schisfbruchs", der „Kampf der Matrosen
mit den Eisbären" (in Leipzig), welches letztere Bild durch
Reproduktionen eine weits Verbreitung gefunden hat. Biard
war noch bis in die sechsziger Jahre hinein thätig, ver-
mochte aber innerhalb der modernen Schule seinen alten
Ruhm nicht mehr aufrecht zu erhalten.

L. Mecklenburg jn Ganz unerwartet und plötzlich starb
am Abend des 11. Juni zu München der Architekturmaler
Ludwig Mecklenburg. Derselbe war am 15. September
1820 zu Hamburg geboren und nahm im Jahre 1843 seinen
ständigen Aufenthaltin München. Öfter wiederholte Studien-
reisen von da aus, einerseits nach Tirol und Oberitalien,
andererseits nach Ilorddeutschland, erweiterten seinen künst-
lerischen Gesichtskreis und führten ihm eine reiche Fülle
schätzbarsten Materials zu, von dem er mit besonderer Vor-
liebe das im Süden gewonnene zu verarbeiten pflegte.
Namentlich sein öfteres und längeres Verweilen in Venedig
gab ihm eine Ausbeute, die er in hochgeschätzten Bildern ver-
wertete. Auch seine letzte Arbeit bezog sich auf die Lagunen-
stadt: es war eine Ansicht des Dogenpalastes und dsr Piazzetta
von S. Giorgio Maggiore aus, bei Sternenlicht. Außerdem
malte Mecklenburg alte Kirchen (Außen- und Jnnenansichten),
Kreuzgänge von Kirchen, Straßen und Plätze. Die landschast-
liche Natur pflegte er nicht in den Kreis seiner Darstellung
zuziehen; wenigstens ist mir kein solches Bild von seiner
Hand bekannt geworden. Für die Darstellung von Nacht-
stimmungen besaß der Verstorbene eine ausgesprochene Vor-
liebe und eine nicht minder ausgesprochene Begabung;
namentlich seine Bilder aus Venedig in Mond- und Sternen-
licht sind sshr zahlreich und gesucht. Mit den Grundsätzen
der Linearperspektive war Mecklenburg vollkommen vertraut
und machte sich infolgedessen kaum irgend einmal eines Ver-
stoßes gegen dieselbe schuldig. KönigLudwigl. schätzte Mecklen-
burg hoch, und seineneue Pinakothek hat drei Bilder desselben,
einen „Kanal in Venedig im Mondlichte" den „Neuturm
und das Kostthor" in München und das „Angerthor daselbst"
aufzuweisen. Für das König-Ludwigsalbum malte der Ver-
storbene „Das Jnnere der Kirche Sta. Anastasia in Verona".

C. A. Negnct.

jX'rsonalnachrichten.

^ Aus Weimar wird geschrieben, daß Prof. Alexander
Struys dem Bsispiele W. Linnigs gefolgt ist und nun
ebenfails seine Demission als Professor der Kunstschule ein-
gersicht hat. Bekanntlich bildete Struys eine Hauptstütze
der Weimarer Genremalerei und hatte von allen Lehrern
der Akademie die größte Anzahl von Schülern.

Der Maler Emil ?ldolf Neide und der Bildhauer
Johann Friedrich Reusch sind als ordentliche Lehrer an der
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