Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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(7. Iahrgantz.
Beiträge

sind an j)rof. Dr. <L. von
Lützow (lvien, There-

die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

s2. Ianuar

Nr. (3.
Jnserate

d 25 ssf. für die drei

zeile werden von jeder
Buch- u.Runschandlung
angenommen.

s882.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.


ölktor LnlMlinuel in Uoiil. — Archäoloqisches sinttilut^iii Roin; porträtstatuen ^für die Ruhmeshalle des^Berliner Zeugstailses.— Neuig-
keiten des Buch- und Runsthandels. — Zeitschriften. — Auktions-Ratalogc. — Inserate.

Zur Pseubo-Grüuewald-Frage.

Der Widerspruch, den F. Niedermaycr in dcr
Kunstchronik (XVII, Nr. 9) gegen die von mir accep-
tirtc Ansicht erhebt, die besten (keineswegs „die sämt-
lichen", wie ich gesagt haben soll) der eine Zeitlang
cinem angeblichen Pseudo-Grünewald zugeschriebenen
Bilder seien Jugendwerke Lukas Kranachs oder doch
Werke dieses Bteisters, in deneu er scinen Jugcndstil
länger als in anderen bewahrt, kann mir nur will-
komnien sein, weil er geeignet ist, die Diskussion dieser
Frage, die ich in deni knappen Raume der „Geschichte
der Malerei" nicht erschöpfend behandeln konnte, in
Fluß zu bringen; aber daß Niedermayers Widerspruch
eine Widerlegung sei, kann ich nicht anerkennen.

Das Hauptgewicht legt er offenbar auf seine
dankbar hinzunehmende archivalische Entdeckung, daß
nach dem Todc des Kardinals Albrecht die Witwe
eines gewissen Malers Simon einen bedeutenden
Anspruch an deu kurfürstlichen diachlaß erhob; und in
diesem Meister Simon möchte er dcn angeblichen
„Pseudo-Grünewald" wiederfinden. Wenn es gelänge,
zwischen Meister Simon und auch nur einem einzigen
der Werke, die ich sür Lukas Kranach in Anspruch ge-
nommen habe, cine feste Brllcke zu schlagen, so würde
ich mit Freuden anerkennen, daß die von mir ver-
tretene Ansicht durch eine besser begrüudete crsctzt worden
sei. F. Niedermayer bringt aber auch nicht den kleinsten
stichhaltigen Grund für seine Annahme vor. Schon
daß Meister Simon wirklich Hofmaler des Kardinals
gewesen, erscheint problematisch. Gesetzt aber, das wäre
erwiesen, — haben nicht notorisch verschiedene, zum

Teil berühmte Maler, hat nicht notorisch auch Lukas
Kranach der ältere sür Albrecht gemalt? Und ist es
denn überhaupt erwiesen, daß alle vder die meisten
der Bilder, die man eine Zeitlang dem echten, dann
dem falschen Grünewald zugeschrieben, für diesen
Kirchenfürsten gemalt wurden? Oder steht irgend etwas
im Wege, anzunehmen, daß Lukas Kranach, ehe er
nach Wittenberg ging, sich hauptsächlich in den Orten,
deren Kircheu diese Bilder enthielten oder enthaltcn,
aufgehalten habe? Jch glaube nicht, daß die in
Niedermayers Artikel befolgte Methode, Namen und
Bilder in Verbindung zu bringen, in der gegenwärtigen
Entwickelungsphase kunstgeschichtlicher Forschung noch
viele Anhänger finden wird.

Noch schwächer aber, als mit diesem positiven,
steht es mit dem negativcn Teile des versuchten Gegen-
beweises.

Zunächst wird der Einwand erhoben, wenn die
Bilder des angeblichen Pseudo-Grünewald von Lukas
Kranach herrühren sollten, so müßte für diesen „Uiotor
ooiorrimns" noch eine Steigerung des Superlativs
existiren. Hiergegen muß ich zunächst nochmals betonen,
daß ich keineswegs alle Bilder, die frllher irrigerweise
Grünewald zugeschrieben wurden, für Kranach in An-
spruch genommen, sondern ausdrücklichdaraufhingewiesen
habe, daß nianche derselben Arbeiten der Gesellen seiner
früheren Zeit seien. Die Bilder „Pseudo-Grünewalds"
waren eben noch gar nicht gesichtet; und eine Anzahl
der unter seiner Firma gehenden Werke (z. B. die
Messen Gregors im Aschaffenburger Schlosse) sind in
der That rohe Arbeiten, niit denen ich mich, trotz ihres
Kranachischen Charakters, HUten würde, den Namen des
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