Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Kunstlitteratur und Kunsthandel, — Nekrologe.

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um die Preise ausgeschlossen, aber zum Ankaufe vorge-
schlagen ist, hat mit seiner ähnlich komponirtenKuppet cinc
ungleich schönere und großartigere Wirkung erzielt als
Thiersch, indem er dieselbe auf dem hohen Unterbau,
mit welchem sie auch viel besser organisch verbunden
ist, isolirt und ihre Höhentendenz durch eine Laterne
verstärkt hat. Sein Entwurf, der nicht mit Unrecht
das stolze Motto „Bramaute" trägt, zeigt in allen
Theilen einen ausgeprägt monumentalen Charakter.
Die mittlere Vorhalle an der Königsplatzfassade, welche
in den Grundzügen der des Pantheon nachgebildet ist,
wird durch zwei hohe Türme markirt. An der Fassade
nach der Sommerstraße entfpricht diesem Aufbau eine
kleine Kuppel. An der Ost- und Westseite ist der
Mittelkörper von einem eckigen Aufbau überhöht,
während die Ecken von Giebeldächern abgeschlossen wer-
den, deren Seitenansicht nach dem Königsplatze, also
der Hauptfront zu, freilich eine ungünstige ist. Trotz
dieses offenbaren Mangels ist die Fassade immer noch
imposanter als diejenige, welche Thiersch dem Königs-
platze zugekehrt hat. Der letztere hat ebensowenig wie
Wallot für eine reich ausgebildete Portalanlage ge-
sorgt. 3m Mittelrisalit, welches nicht weiter als die
Eckrisalite hervortritt, sind zu ebener Erde dres rund-
bogige, durch nichts, nicht einmal durch ein paar Stu-
fen ausgezeichnete Eingänge angebracht. Über denselben
zieht sich wenigstens eine aus acht Säulenpaaren und
zwei einzelnen Säulen bestehende Architektur hin, welcher
vor den Eckrisaliten eine ähnliche, ebenfalls durch zwei
Geschoffe gehende Säulenstellung entspricht. Das ge-
guaderte Erdgeschoß, welches dieser Säulenarchitektur
als Sockel dient, öffnet sich durch schlichte, viereckige
Fenster, das folgende Hauptstockwerk durch Fenster, die
abwechselnd von spitzen und flachbogigen Giebeln über-
höht sind, und das zweite niedrigere Stockwerk wieder
durch einfache viereckige Fenster. Über dem Mittel-
risalit wächst noch ein Aufbau empor, der an den
Ecken mit plastischen Gruppen geschmückt ist. Für den
Grundriß dieses Entwurfes ist es charakteristisch, daß
die Haupträume nicht in der Mittelaxe vom Königs-
Platz nach dem Brandenburger Thor, die fast durch-
weg von den Konkurrirenden als Hauptaxe angenom-
men worden ist, sondern in der Längenaxe vom Bran-
denburger Thor nach dem Alsenplatz liegen. . Vom
Brandenburger Thor aus gelangt man zunächst durch
den Hauptgeschäftseingang in das sehr geräumige Haupt-
treppenhaus und von da in die große, von der Kuppel
überdachte Halle. Bei ihrer koloffalen Höhe — in der
Durchschnittszeichnung vermißt man sogar die Angabe,
ob sie gegen die offene Säulenstellung durch ein Glas-
dach abgeschloffen ist — wird sie ebensowenig wie die
Wallotsche zu Festlichkeiten oder gar zu großen Kom-
missionssitzungen zu benutzen sein, da es schwer halten

wird, eiuen so gewaltigen Raum zu erwärmen. Außer-
deni finden wir hier einen noch größeren Übelstand
als bei Wallot, da die Garderoben sogar hinter dem
an Lie Halle anstoßenden, oblongen Sitzungssaale
untergebracht worden sind. Jn der Axe"vom Königs-
Platze nach der Sommerstraße liegen die Erholungs-
und die nicht zu Geschäftzwecken dienenden Räume, als
Restauration, Lese- und Schreibsäle.

Obwohl nach der einmal gefällten Entscheidung
die mit zweiten und dritten Preisen gekrönten Ent-
würfe nur einen akademischen Wert haben, wollen wir
denselben dennoch einen dritten Artikel widmen, da einige
derselben den ersten Preisen nicht nur ebenbürtig sind,
sondern sie sogar in einzeluen Punkten überragen.

Adolf Rosenberg.

Aunstlitteratur und Aunsthandel.

» Von Baedekers „Süddeutschland und Österreich" er-
schien soeben die 19. Auflage, rviederum vielfach vermehrt
und namentlich in denjenigen Gebieten bereichert, welche
für unsere Leser ein besonderes Jnteresse haben, nämlich in
der Beschreibung der großen Städte und ihrer Kunstschätze.
Zur Einführung in dieselben dient ein orientirender kunst-
geschichtlicher Aufsatz von Prof. Anton Springer, in
welchem die Denkmäler der alten reichen Kulturgebiete des
deutschen Südens und der deutschen Ostmark zu gedrängter
Übersicht lichtvoll aneinander gereiht erscheinen. Das längst
bewährte Buch wird sich gewiß auch dadurch wieder viele
neue Freunde erwerben.

» Der Kupferflecher Johann Lindner in München hat
eine neue Porträtradirung Richard Wagners angefertigt,
welche mit Rücksicht auf die bevorstehenden Parsifalauf-
sührungen in Bapreuth besonders zeitgemätz erscheint. Sie
giebt ein ungemein charakteristisches Bild des Dichterkom-
ponisten und darf in Auffassung und flotter Behandlung
zu den besten Leistungen des anerkannt tüchtigen Porträt-
stechers gezählt werden. Der Dargestellte erscheint sitzend
nach links gewendet, den Blick begeistert emporgerichtet; den
Kopf bedeckt das bekannte Sammetbarett. Die Ätichgrößs be-
trägt 15,5x 11,5em. Außer dieser kleinerenRadirung soll dem-
nächst von demselben Künstler ein größeres Wagnerporträt
in gleicher Auffassung und Behandlung von 26x19 on>
Bildgröße erscheinen. Beide Blätter verlegt der Stecher selbst.

Nekrologc.

RuLolf von Normann, ein in früheren Jahren viel ge-
nannter Landschaftsmaler, ist in Dessau am 18. Juni nach
längerem Leiden gestorben. Den 2. Mai 1806 zu Stettin
geboren, kam er mit seiner Mutter und deren zweitem Gatten,
dem General von Borke, nach Düsseldorf, wo er die Zeichen-
schule besuchte und viel nach der Natur zeichnete. Er widmete
sich zwar zunächst der militärischen Laufbahn und wurde
1827 Offizier in dem Garde-Grenadierregiment Kaiser Franz.
Doch zeichnete und malts er fortwährend, nahm drei Jahre
Urlaub, um in Düsseldorf Kunststudien zu machen, und 1834
seinen Abschied. Nun bildete er sich in der dortigen Akademie
unter I. W. Schirmer ganz zum Landschaftsmaler aus, bis
er 1842 sein eigenes Atelier bezog. Häufige Studienreissn
nach der Mosel und hauptsächlich nach der Schweiz und nach
Tirol förderten seine Begabung, die Natur, namentlich die
Gebirgswelt, getreu und anziehend wiederzugeben, so daß
seine Bilder ststs vermehrten Beifall fanden. Wir nennen
darunter: „Trarbach an der Mosel" (1834), „Am Lorsley-
felsen" (1835), und von seinen vielen Schweizeransichten
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