Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Aus den Haager Archiven.

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Überkommenen als des Originalen an sich tragen,
ferner die gleiche Übertreibnng in Geberde und Aus-
druck, die sich in den Engelsköpfen geradezu bis zur
Verzerrung stcigcrn, die gleiche, feingefältelte, an den
Körpersormen klebende Gewandbehandlung, welche die
ganze lombardische Kunst von ihrem großen Begründer
Mantegna geerbt hat — alles dies insbesondere auch
Stileigentümlichkeiten der vicentinischen und veroneser
Schule der zweiten Hälfte des Quattrocento. Leider
wird in der Jnschrift des Altars von S. Lorenzo
'neben dem Datum seiner Entstehung 1474 nicht auch
dessen Autor genannt, und wir sind, bis uns etwa
archivalische Forschungen denselben enthüllen, auf Ver-
mutungeu angewicsen. Courajod spricht eine solche
aus, indem er auf Gründ einer in Vicenza von ihm
erworbenen und mit den Jnitialen Benedetto Mon-
tagna's, des Sohnes Bartolomeo's, dessen Stiche die-
selben Chiffren tragen, Lezeichnete Terrakottastatue einer
sitzenden Madonna mit Kind, bei der er nicht blos
den allgemeinen Charakter der vicentinischen Kunst der
sraglichen Epoche, sondern auch Ähnlichkeit mit dem
Stil der Zeichnung Benedetto's einerseits und anderer-
seits mit der Formenbehandlung unserer Reliefs findet,
diese letztere dem Ebengenannten zuzuweisen geneigt ist,
obwohl er sich die Kühnheit seiner Hypvthese bei dem
Mangel jeder Nachricht, die uns Benedetto als Bildner
beglaubigte, nicht verhehlt. C. v. Fabriczy.

Aus den lhaager Archiven.
von A. Brcdius.

II.

Pieter de Putter.

I)r. Schlie teilte uns in seinen Aufsätzen etwas
über die vortrefflichen Bilder eines unbekannten Malers
Puter oder Putter mit und sagt, er habe in der
Art des Gillig Fische gemalt. Zufällig habe ich
durch verschiedene Funde den Meister in dem Haager
Maler Picter de Putter wiedergefunden.

Ju den Portefeuilles Insolvsnts bosäols im städti-
schenArchiv fand ich häufig einen Fischmaler de Putter
erwähnt. So z. B. in einem Jnventar von 1852:
Hsn stnolc solnläorij vnn äo knttsr inot ssn g.olit-
Icants sbbvnllonts Inst, bsstijsnäs in visssn. Jn
einem Jnventar von Johan van Langenhoven
23. Dez. 1651: Lsn stnolcslrsn mst Vislcsns van
äs ?nttsr. Und in einem Jnvcntar vou 1652, in
dem wir Bilder von Quast, Croos, van Beperen,
also nur Haager Maler, antreffen: Lsn Irnitnchs
(Fruchtstück) van äs knttsr, u. s. W.

Jn den Registern vun onäsrtronv auf dem
Haager Rathause lesen wir: 13. 8sptsinbsr 1626. j

I?istsr äs I'nttsr, Loliiläsr, jonAmnn, inst
Narin vnn (^nsborn, jonAsäoolitsr, bsziäs ivonsnäs
in s'drLvsnkngs. — Hier haben wir also unsern Maler.

Jn den „Rollen" des „Schepen"-Archivs finde
ich, daß im November 1641 ein Brauer in Wesep,
Gerrit Jausz Cuyp, eiue Forderung hatte an Pieter
de Putter, Maler. Dessen Advokat aber sagte, daß
de Putter ein Gemälde gemalt habe, um damit seine
Schuld zu bezahlen. Die Geschichte dauerte bis
1645. Das Resultat konnte ich nicht ermitteln. —
Am 7. März 1645 sordert Abraham Borremans
1642 Mitglied der Haager St. Lucas-Gilde) eine
Schuld von Pieter de Putter, Maler. Dieser wird
verurteilt zu bezahlen. — Soweit bin ich bis jetzt mit
diesem Maler gekommen. Ob derselbe mit dem 1647
in der Haager St. Lucas-Gilde eingeschriebenen Pieter
de Pvtter identisch sein könnte? — Wohl kaum.

III.

Jan Steeu.

Wenn ich auch nur wenig über diesen Meister
sand, so geben die folgenden Taufakten uns dennoch
zum erstenmale sichere Anhaltspunkte für seinen längeren
Anfenthalt im Haag.

Schon van Westhreene teilt uns die Heirats-
akte Jan Steens mit. Am 19. September 1649 hat
er sich mit Margaretha van Goyen auf dem Haager
Rathause einschreiben lassen. Kramm sagt bereits,
daß er katholisch war und giebt uns die Namen seiner
Kinder; aber daß zwei derselben im Haag in der
katholischen Kirche der „Oude Molstraet" getauft sind,
ist neu. Jn dem Taufbuch dieser Kirche lesen wir:
iLnno 1651 bLptmuti sunt: k?sl>r: 6. IllnäLSUZ,
lllius äos-nnis 8tssn st UnrALrstLS van doiss. (Lus-
ospsrunt suni Hsnriou8 8tssn st Vnnn van Kg.n8.)
1653. Oso: 12. Hvn, üliu äounnis 8tssn st Nur-
Anritas do^s. (^usospit snm NurgLrstu 8tssn.)
Also in den Jahren 1649—1653 lebte unser Meister
wohl im Haag. Auch im Jahre 1654 scheint er dort
geweseu zu sein, trotz seines 1653 in Leyden bezahlten
Jahrgeldes. i) Jn den Registern der „Burgerschappen
en Schutteryen" finden wir notirt: 17 Unrtii 1654.
äounnss 8tssn soliuttsr Zsvoräsn onäsr Iist Ooloin-
bijns vsnäsl. (Am gleichen Tage mit dem Maler
Cornelis Lelienberch.) Jn den „Resolutieboeken
der Haager Societeit" befindet sich eine Urkunde, die
uns beweist, daß des Malers Vater 1669 noch am
Leben war und in Beziehungen mit dessen Schwieger-
vater gestanden hatte. Jch übersetze sie hier: 11. Juli

1) Nächstens werden die Bücher der Leydener St. Lucas-
Gilde in Obreens „Archief voor Nederlandsche Kunstge-
schiedenis" erscheinen.
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