Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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17. Zahrgang.

Beiträge

Lützom (Wien, Ttzere-
fianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

26. Ianuar

Nr. 15.

Inserate

tl 25 s)f. für die drei

zeile werden von jeder
Buch- u.Aunsthandlung
angenominen.

1882.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.



Die internationale Aunstausstellung in Wien.

Wien, 25. Januar 1882.

Am 1. April d. I. werden sich die erweiterten
Räume des Wiener Knnstlerhauses dem Publikum öffnen
und ihm eine Ausstellung vorfnhren, wie sie der Kaiser-
stadt seit dem Jahre 1873 nicht mehr geboten wurde:
eine Auswahl des Besten, was seit den Tagen des
großen Völkerfestes im Prater von den Kunstschulen
Europa's geschaffcn worden ist.

Der Erweiterungsbau des Künstlerhauses, die ver-
einigteLeistungderArchitekten Schachner und Streit,
hat bereits manch unznfriedencs llrteil über sich er-
gehcn lasscn müssen, nicht nur von den Bewohnern
der angrenzenden Paläste, denen dadurch Luft und
Aussicht sehr beschränkt nmrden, sondcrn auch von den
unbefangenen Passanten, denen der Bau zu schwer und
massig, nicht recht im Einklang mit den zierlichen, maß-
voll gegliederten Fassaden des Künstlerhauses erscheinen
will. Wir wollcn hoffen, daß das Urteil über die
Zweckmäßigkeit der neu geschaffenen Räume sich günstiger
gestalten werde. Jedenfalls wurde durch den Zubau
cinem wirklichen Bedürfnis abgeholfcn und Wicn in
die Lage versetzt, von Zeit zu Zeit größere Ausstellungen
zu veranstalten und künstlerische Gäste würdig zu em-
pfangen.

Man stelle sich jedoch dic Erweiternng des Künstler-
hauses nicht etwa als einen Bau von den Dimensionen
des Pariser „Salon" oder auch nur des Münchener
Glaspalastes in seiner den jüngsten dortigen Kunst-
ausstcllnngcn eingcränmtcn Ausdehnnng vvr. Nach
Tansenden werden die Bilder nicht zählen dürfen, die

man hier unterbringen will. Darauf ist es aber auch
bei der bevorstehenden Ausstellung nicht abgesehen.
Dieselbe soll freilich eine internationale sein und alle
Zweigc der bildenden und vcrvielfältigendcn Kunst
(Architektur, Sknlptur, Medailleurkunst, Malerci und
graphische Kunst) umfassen; aber man will ihr durch-
aus den Charakter einer Elite - Ausstellung wahren;
nur für eine solche, die etwa höchstens 500 Ölgemälde
zählen soll, genügen die Sale, und auf eine solche
ist auch der ganze Organismus des Unternehmens ein-
gerichtet.

Das Wiencr Centralkomits, in welchem anßer dcn
Vertretcrn der Künstlerschaft eine Anzahl hochgcstclltcr
Kunstfreunde, wie Graf Crenneville, Prinz Hohenlohe,
Fürst Nichard Bletternich, Graf Wilczek, Eitelberger,
Lobmeyr, Duniba u. a. sitzen, hatte anfangs an sämt-
liche hervorragende Künstler aller Länder spezielle
Einladungen ergehen lassen. Da wurde in Paris der
Gedanke angeregt, die Vertretung Frankrcichs durch ein
dortiges Landeskomits zu besorgen, und diesem Verlan-
gen wurde von Wien aus bereitwillig nachgegeben. Jn
dem Pariser Komits, an dessen Spitze dcr österreichische
Bvtschaftcr, Graf Beust, steht, sind dic Künstlcrschast
und der Staat durch Delegirte vertreten. Eine dortige
Jury wählt die auszustellenden Kunstgegenstände aus,
und auch die Ausstellung wird durch Vertreter Frank-
reichs besorgt.

Ganz in derselben Weise ging man jetzt auch in
Deutschland vor. Ein kürzlich nach Dresden berufener
Delegirtentag der deutschcn Knnstgenvssenschaft hat die
Normcn dafür fcstgcstellt. Es haben sich vier Komits's
(in Berlin, Dresden, Düsseldorf und München) gebildet,
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