Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Konkurrenzen, — Sammlungen und Ausstellungen.

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um seine Schenkel ein Gewand geschlagen ist. Diener, die
um einen Mischkrug beschäftigt sind, und andere Gestalten
scheinen das Bild zu vervollständigen. Der oberste Streifen
ist durch vertikals Linien in viereckige Felder geteilt, in denen
Trauben und Vögel dargestellt sind.

Aonkurrenzen.

Die Zury siir die Konkurrenz um das deutschc Reichs-
tagsgcbäude hat sich in ihrer Sitzung vom 2S. Juni dahin
entschieden, daß den zwei Entwürfen mit dem Motto: Für
Staat und Stadt, und Voluntss roZuiu lubia, sustu je
ein erster Preis, den drei Entwürfen mit dem Motto:
Barbarossa, Einheit, und » je ein zweiter Preis, den
fünf Entwürfen mit dem Motlo: Deutschland, Endlich, Lulus
xoxuli suxrsrua Isx, gusoixsrs st tsusrs und Vaterland,
je ein dritter Preis zuerkannt wird, Nach Öffnung der
mit diesen Mottos versehenen, geschlossenen Kouverts sind
als Verfasser der Entwürfe erkannt: Friedrich Thiersch,
Architekt in München, Motto: voluutas rsAuiu labiu susta,
Paul Wallot in Frankfurt a. M., Motto: Für Staat und
Stadt. Cremsr u. Wolffenstein in Berlin, Motto: Bar-
barosfa. Kayser u. v. Großheim in Berlin, Motto:
Eixheit. Heinrich Seeling in Berlin, Motto: » , Busseu.
FranzSchwechtenin Berlin,Motto: Deutschland, Herrmann
Ende u, Wilhelm Böckmann in Berlin, Motto: Endlich.
E. Giese L P. Weidner in Dresden, Motto: 8alusxoxuli
suxrsiua, Isx. L. Schupmann in Berlin, Motto: Vater-
land. Hubert Stier in Hannover, Motto: Lusoixsrs st
tsusrs. Die Architekten Busse und Franz Schwschten haben
auf einen Geldpreis verzichtet Der Ankauf einiger anderer
Entwürfe auf Grund der Bestimmungen des Preisaus-
schreibens bleibt vorbehalten. Die eingegangenen Konkurrenz-
entwürfe werden in dem Kunstausstellungsgebäude am
Kantianplatz vom 28, Juni bis zum 31. Zuli d. I. ösfent-
lich ausgestellt sein.

6. v. k. Die Konkurrcnz sur den Rekonstrnktionsbau
dcr Sorbonne ist gus Grund eines durch Mitglieder des
Unterrichtsministeriums, des Gemeinderats von Paris, der
Präfektur und des Professorenkollegiums der Universität
seftgestellten Programmes kürzlich durch den Seinepräfekten
ausgeschrieben worden. Derselbe ist auf französische Archi-
tekten beschränkt und sein Termin läuft mit dem 3. November
dieses Jahres ab. Damit ist nun eine Angelegenheit, welche
die beteiligten Kreise seit langem beschäftigte, endlich in das
entscheidende Stadium ihrer Verwirklichung getreten. — Von
dem ursprünglichen Bau, den Robert von Sorbonne, Kano-
nikus von Cambray und Almosenier des heil. Ludwig, in
den Jahren 1256—71 errichtet hatte (wie eine noch heute
an einer kleinen Hospforts der Kirchs vorhandene Jnschrift
besagti ist nichts mehr vorhanden. Aber auch das jetzige
Gebäude, das Richelieu durch Jacgues Lemercier >629 auf-
führen ließ, entsprach längst nicht mehr den Anforderungen,
da es ursprünglich nur für die Privatwohnungen der Pro-
fessoren bestimmt war. So mußte denn die Universität,
nachdem sie wieder in den Besitz der durch die Revolution
zu Gunsten des Staats eingezogenen Baulichkeiten getreten
war, auf deren Erweiterung bedacht sein und hatte 1845
mit der Stadt Paris ein Übereinkowmen gefchlossen, in
welchem sie dieser das Eigentum der Sorbonne unter der
Bedingung übertrug, ihre'Räume gegen die Rue St Jacques
und des Poirses durch Anbauten im Betrage von fünf
Millionen Franken zu erweitern. Bevor noch das Projekt
hierzu in seinen Einzelnheiten festgestellt werden konnte, kam
das Kaiserreich, und es ward im Verfolg der großen Straßen-
regulirungen in der Hauptstadt die Rue des Ecoles am
Collsge de France durchbrochen, so daß nun zwischen ihr
und der Sorbonne ein Bauplatz von mehr als 5WU gm
frei blieb, den man zur Erweiterung der letzteren zu ver-
wendsn beschloß. Die Kosten waren jetzt schon auf acht
Millionen veranschlagt. Am Napoleonstage 1855 ward der
Grundstein des Neubaues unter großen Festlichkeiten gelegt.
Aber das Kaiserreich hatte kein Geld für Ausgaben solchen
Zweckes, und obwohl der Beitrag der Stadt Paris mit der
Hälfte obiger Summe sichergestellt war, gab ein Konflikt
zwischen demUnterrichts- und dem Finanzminister bezüglich der
Beschaffung der übrigen Geldmittel die erwünschts Gelegen-

heit, die kaum begonnenen Arbeiten einzustellen. Erst im
Zahre 1875 wurde die Frage wieder aufgenommen, wobei
es sich zeigte, daß weder das Projekt von 1845 noch jenes
von 1855 den nunmehr gesteigerten Anforderungen genügte.
Nach den langwierigsten Verhandlungen, bei denen man die
verschiedensten Jnteressen berücksichtigen, die entgegengesetzten
Standpunkts ausgleichen mutzte, und nachdem drei Kombina-
tionen verworfen worden waren, deren eine die naturwissen-
schastliche Fakultät, die andere die Verwältungsbüreaus und
die Bibliothek in die sogenannte Pepinisre du Luxembourg
zu verlegen, die dritte jene an die Stelle des Lycse Louis
le Grand zu versetzsn vorschlug, kam manzu dem Entschlusse, die
Baulichkeiten der alten Sorbonne zu rekonstruiren, beziehungs-
weise sie an der Stelle, dis sie einnehmen, zu erweitern. Zu
diesem Zwecke soll nun das ganze Areal, das von der Rue
Cujas, des Ecoles, St. Jacgues, Victor Cousin und de la
Sorbonne umschlossen wird und einen Flächenraum von nahe
20ÜV0 >gm einnimmt, mit einein Aufwand von 22 Millionen
Franken überbaut werden und in dem Neubau neben den bis-
herigen drei Fakultäten, der thsologischen, philosophischen und
naturwissenschaftlichen, auch Lie Universitätsbibliothek uud
Verwaltung ihren Platz finden. So wird denn auch für die
Zukunft dis Sorbonne das örtliche Centrum des höheren
Unterrichts bleiben, indem wenige Schritte davon nach Osten
das College de France, nach Süden die rechtswissenschaftliche
und nach Norden die rekonstruirte medizinische Fakultät ge-
legen ist. Von dem jetzigen Gebäudekomplex soll als histo-
risches Monument nur die Kirche unverändert erhalten
bleiben. Das Gesetz vom 22. August 1881 hat die Verein-
barung zwischen der Stadt Paris und dem Staate, die die
Details des Unternehmens festsetzt, bestätigt und die Geld-
mittel für die Ausführung desselben gesichert.

Der I'rix clu 8n1on, bestehend in einem Stipen-
dium von 12 000 Fr. zu einem dreijährigen Aufenthalte in
Rom, ist dem Bildhauer Leon Longepied für seine Mar-
morgruppe „Fischer finden in ihren Netzen das Haupt des
Orpheus" zuerkannt worden.

5amm!ungen und Ausstellungen.

UZt. Münchener Kunstverein. Jn einer Zeit, in der
wie in unserer das soziale Elend sich in der Hauptsache auf
eine unsinnige Verschiebung der gesellschaftlichen Verhältnisse
nach obenhin zurückführen läßt, hat jede Erziehungsanstalt,
welche diesem Übel fystematisch und praktisch entgegentritt,
schon von vornherein Anspruch auf unsere Sympathie. So
danken wir es auch den klugen Mönchen, welche R. S.
Zimmermanns „Klosterwaisenhaus" verwalten, daß sie
ihre Pfleglinge aus dem Bauern- und untern Handwerker-
stande nicht zu Gelehrten, Beamten und Geistlichen, sondern
zu Schustsrn und Schneidern heranziehen, Leren dis Welt
zu keiner Zeit entbehren kann. Jm ersten Bilde des wackeren
Meisters sehen wir die Schuster-, im zweiten die Schneider-
werkstätte. Jm zweiten herrscht eine ganz fröhliche Stimmung,
denn es ist die Zeit des Nachmittagbrotes, zu dem auch
Obst gereicht wird. Weit weniger heiter ist das junge Volk
der Schusterlehrlinge gestimmt; natürlich, die Strafe eines
kräftigen Puffs, der eben einem von ihnen verabreicht wird,
schwebt so zu sagen in der Luft für jeden, der sich ungenügen-
der Arbeitsleistung bewußt ist. Der Künstler hat sämtliche
Figuren aufs schlagendste individualisirt, seine Gruppen
trefflich aufgebaut uird seinen alten Ruf als tüchtiger Kolorist
aufs neue bekräftigt. Nach längerer Zeit aus seiner polni-
fchen Heimat zurückgekehrt, führt v. Czachorski uns in ein
anderes „Atelier", das eines Künstlers, der nicht ohne
Spannung das Urteil einer ebenfalls jungsn Dame über
sein auf der Staffelei stehendes Bild erwartet. Der feine
Farbenfinn des H. v. Czachorski tritt uns auch in einem
von ihm ausgestellten „Osternstrauß" entgegen. M. Gaißer
entnahm den Stoff zu seiner „Einquartirung im Kloster"
dem 17. Jahrhundert und läßt uns ausnahmsweise einmal
deren Lichtseite sehen. Eine solche hat sie wsnigstens für
den Frater Kellermeister, der in der lustigen Soldatengesell-
schast so tief in den Krug geguckt hat, bis er nun zur Laute
tanzt, Laß die Kutte springt. Niedmann hat in seiner
Almosenspenderin „An der Kirche" einen viel benutzten Ge-
danken in recht anmutiger Weise und mit sehr harmonischer
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