Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

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MÖBELCHAOS überblickt man das, was heute als „modernes" Möbel angeboten

Von Franz Schuffer, Frankfurt a. M. wird, lo ift der Eindruck ein hoffnungslofer. Auf der einen Seite,

auch von namhaften „Baukünftlern", Möbel wie man (ie zu Duzenden
etwa in der „Innendekoration" oder in ähnlichen Werken findet;
„Kunftgewerbe und modernifiertes Stilmöbel"; auf der anderen Seite
das „neue" Möbel,formaliftifch, konftruktiviftifch — nicht konftruktiv,
oder nur konftruktiv als Hauptzweck. Es mufj einmal ausdrücklich
gefagt werden: wir find bei unferem Bauen, ob bei Häufern oder
Möbeln, noch immer viel zu fehr im Formalen befangen; man baut
oder konffruiert meittens das Ding an (ich und überlädt es dann
den Menfchen, damit fertig zu werden. Soweit wir dabei Vorurteile,
fchlechte Gewohnheiten, Halbheiten und verlogene Sentimentali-
täten unberückfichtigt laffen, ift es gut, ja entfcheidend wichtig für
eine gefunde Entwicklung; loweit aber allgemein Menfchliches im
Eifer der Neugeffaltung überfehen wird, ift es eine Gefahr für die
Entwicklung in die Breite, die letzten Endes entfcheidend ift.
Aber unfere Gegner, die Verfechter „behaglicher Wohnlichkeit"
im Sinne von „Raumkunft" mifjachten das Wefentliche noch viel
mehr und behindern (eine Auswirkung durch eine Kunlt- und Bil-
derromantik, die an Verlogenheit grenzt. Sich mit diefen hier weiter
abzugeben erfcheint hier überflüffig, wichtig aber die Probleme im
eigenen Arbeiten zu erörtern, (elbft auf die Gefahr hin, mirjver-
(tanden zu werden. Wenn auf der anderen Seite das Immer-neu-
hinzulernen, ein gewiKer Mut, der wichtigen Aufgaben wegen auch
etwas zu wagen, als Schwäche aufgefaßt wird, fo fehen wir darin
unfere Stärke; denn nur fo gibt es ein überwinden und Weiter-
kommen.

Die neuen Wohnungen im Sinne von Sachlichkeit find oft ohne
eine gewiffe einfache Wohnlichkeif im felbftverltändlich menfch-
lichen Sinn. Sie haben manchmal eine gänzlich „entmenfchlichte"
Leere. Das kann nicht das Ideal einer Sachlichkeit (ein, die eine
menfchliche fein mufj.

Sachlichkeit: eine Drehbank, ein Kolator, eine Druckmalchine, ein
Revolver, die find fachlich; aber diele Sachlichkeit allein kann für
das Bauen und Wohnen nicht in Betracht kommen. Da ilt mehr zu
erfüllen als eine blofye Bewegung, ein gutes Ifolieren, ein rafches

und fehlerfreies Drucken, ein ficheres und präzifes Funktionieren. ^JSSflättm* HäutW'
Es handelt (ich nicht um den Erfafj einer menfchlichen Teilleiffung, ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^

nicht nur um die Form eines Werkzeuges, um die Ergänzung einer
Mafchine oder eine technifche Einrichtung; es handelt fich um den
Menfchen in feiner Totalität.

Das Wohnen ift nicht nur eine praktifche und zweckmähiqe Anqe-

I u ■* j rx r iufi fi- ji-j. -n L i. u BERICHTIGUNG ZU HEFT 7

legenheit - das ift es felbftverftandhch - es ift noch etwas mehr. Dje Unterfchrift des Bildes 5 muh

Es handelt (ich bei ihm um eine Sachlichkeit, die eine Zweiheit ift: fo lauten:

eine auf die Dinge und eine auf den Menfchen oder das Leben Eigentümer und Erbauer: Archi-

bezoaene *ek* Diehl fen. Frankfurt a. M.

^ Der urfprüngliche Entwurf von Ars

Man hat durchaus den Eindruck, als würden die Möbel meiftens chitektCarl Franz Diehl erfuhr feine

für Snobs oder für noch nicht exiftierende Idealmenfchen des Jahr- ^SSSS^Ül KSS

hunderts entworfen. Es geht aber auch hier wie beim Häuferbauen am Main

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