Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

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DAS NEUE

FRANKFURT

monatsschrift für die probleme moderner gestaltung

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HERAUSGEBER: ri

ERNSTMAYUND FRITZWICHERT ■ VERLAG ENGLERT UND SCHLOSSER ■ FRANKFURT AM MAIN

erster teil: neue Perspektiven der Erziehung

DAS NEUE MENSCHENBILD DER PSYCHOLOGEN BIETET
DEN ERZIEHERN NEUE RICHTPUNKTE

Von Hans Prinzhorn, z. Z. Paris.

Während die akademifche Pädagogik noch ftolz war, in die feften Über-
lieferungen aus der fpekulafiven Philofophie des vergangenen Jahrhunderts
(Fichte, Herbart u. a.) nach 1900 eine Reihe von Methoden eingeführt zu
haben, die aus der experimentellen Pfychologie der Inftifute ftammten, war
in der praktischen Erziehung bereits eine tiefe Umwandlung im Gange.
Mochte diele auch von einzelnen ftarken Perfönlichkeiten ausgehen, denen
der Eros paidagogos im Blute pullte — man darf doch nicht vergellen, dafj
in allen derartigen Wandlungen, die das Wunichbild des Menfchen angehen,
ftets der Nachklang tiefer kultureller Ereigniffe lauf wird. Was unterfcheidef
das Menfchenbild, dem die heutigen Erzieher zuftreben, von jenem, das
der Pädagoik von 1900 vorfchwebte?

Wir finden faft alle Motive, die als Leitgedanken der neueren Erziehungs-
lehre auftreten, bei Nietzfche geprägt. Es liegt lediglich an dem unermeß-
lichen Reichtum feiner Einfälle und der Spielweite feiner Kultur- und Lebens-
beziehungen, dafj die Hauptumriffe feines Menfchenbildes fo fchwer fichtbar
werden. Aber wenn man die Leitfätje all der Schulbewegungen und der

„„ damit verbundenen Jugendbewegungen diefer letzten Jahrzehnte forgfam

"URWALD". Aquarell eines 18jährigen Frank= - . .., ..... , , . . , A . , . , ,.. .

'urter Schülers prutt, lo kriltalhliert lieh als einziger gemeinlamer Anlatj immer deutlicher

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