Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

Page: 62
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/neue_frankfurt1928/0096
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
WILLI BAUMEISTER Von Karl Konrad Düffel, Stuttgart WILLI BAUMEISTER. Figur mit Streifen auf Rofa, 1920/21

Willi Baumeifter, der am 1. April an der Städtifchen Kunfffchule in Frankfurt a. M. die Leitung der Klaffe für Werbe-
graphik und Buchgeftaltung übernimmt, ffeht heute in der vorderften Reihe der deutfchen Maler, die das Bild in
feinem weiteften Beftand (und fomit weit hinausgehend über das blofje Rahmenbild) als ftreng und konfequent
durchgeformfe Fläche wollen.

Man hat Baumeifter unter die Konftruktiviften gezählt. Es ift eine Klaffifikatron wie andere auch. Wenn Konftrukti-
vismus nichts anderes bedeutet, als geficherte und verbürgte Struktur der Bildfläche und Einordnung aller Formen
unter den Primat des Aufbaues, dann mag man Baumeifter einen Konftruktiviften nennen. Aber er unferfcheidet
fich von anderen Malern diefer Richtung durch den größeren Reichtum und die Mannigfaltigkeit feiner Formen-
fprache. Er trennt fich zudem entfchieden von allen, deren Form mit Zirkel und Lineal nachzurechnen ift. Bei aller
Klarheit feiner Formen, bei aller Gefchloffenheit bleibt in Baumeifters Bildern immer noch ein irrationales Moment

62
loading ...