Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

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meifter-, Komponiften-, Inftrumentaliften-Laufbahn dürften nur nach Abfol-
vierung eines entfprechenden Teiles diefes Gefamtlehrplanes berückfichtigt
werden.

Freilich, es ift fchwer, wenn nicht unmöglich, diefe Grundfäfje an einer be-
gehenden Anftalt durchzuführen, dazu ift das Beharrungsvermögen aller
Einrichtungen und beteiligten Perfonen zu groß. Die Beftrebungen einzelner
einfichtiger Perfönlichkeiten werden unfruchtbar bleiben, folange fie ifoliert
gegen das begehende Syftem kämpfen müffen. Die Gründung einer neuen
Anftalt, die fich vorneherein bewußt auf diefe Grundlagen einftellt, ift aber
eine Notwendigkeit, der wir uns heute nicht mehr entziehen können. Ein Blick
auf die verfahrenen Zuftände auf dem Gebiete der öffentlichen und privaten
Mufikpflege lehrt uns, was wir von der Zukunft zu erwarten haben, wenn
das Grundübel, die falfche Erziehung des Berufsmufikers, nicht alsbald be-
feitigt wird. Hier liegen die wichtigften und ausfichtsreichften Möglichkeiten
für die Betätigung der „öffentlichen Hand" in kulturellen Dingen. Das Be-
gehen einer folchen Mufik-Lehranftalt würde auf die Dauer auf das gelamte
Mufikwefen eine größere und heilfamere Wirkung ausüben, als die Veran-
ftaltung noch fo vieler Mufikfefte und Kongreffe.

DIE KUNST IN UNSERER SCHULE von d, u, Karren, Berlin.

Als ich dem Kaifer-Friedrich Realgymnafium in Neukölln im Jahre 1922 eine
Aufbaufchule angliederte, die naturgemäß im Wefentlichen von Kindern des
Neuköllner Proletariats befucht wurde, da ging ich von dem Gedanken aus,
fie im Sinne der Gemeinfchaftsfchulen auszugeftalten. Damit war die Forderung
geftellt, daß jedem Schüler durch die Anerkennung feiner fpezififchen Anlagen
und die befondere Pflege diefer Anlagen Gerechtigkeit widerfahren follte.
Denn erft dadurch konnte die Gemeinfchaft felber, im Gegenfatj zu der frü-
heren uniformen Klaffe, in ihrem vollen Reichtum entwickelt werden.
Schon bei der erften Generation diefer Jungen, die im Pubertätsalter auf die
Aufbaufchule kamen, zeigte fich bei einigen eine gewiffe künftlerifche Ver-
anlagung, und zwar ebenfo auf dem Gebiete der Mufik, wie auf dem der
bildenden Kunft. Schon damals erkannten wir, daß unfere Arbeit bei diefen
Schülern geradezu negativ darauf hingerichtet fein müffe, ihre wirkliche Be-
gabung erft einmal durch Befreiung von den auf derfrüheren Schule angelernten
pfeudo-künftlerifchen Formen fich auswirken zu laffen. Denn es mußte klar
werden, was an den von ihnen gezeigten Leiftungen nur äufjere Fixigkeit
und Übung, und was originelle Anlage war. Wir dachten nicht daran, ihnen
nun etwa andere Formen beizubringen, die den Eindruck des Modernen
gegenüber dem, was fie früher gezeichnet und gebildet hatten, hätte machen
können. Wir wußten fehr wohl, daß eine moderne Faffade noch etwas

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