Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

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als das bewegte Spiel von Licht und Schatten beleben, er wird Mitteilungs-
form der Sprache von unerhörter Beweglichkeit erzeugen, er wird die Mufik
der Begleitung von einer zufälligen Dienerin zu einem gleichberechtigten
geiftvollen oder zum mindeften mitfühlenden Kameraden erheben. Aber —
alles dies wird fein oder nicht fein, und der Film wird feinen Gang gehen
und feine Zukunft haben aus anderen Gründen heraus, aus anderen Quellen,
denen der Phantafie, gefpeift!

Der Film fteht im Mannesalter und ift der Tändelei des Jünglings müde.
Vergnügungsfucht, Unterhaltungstrieb, Erotik der Maffe werden immer nach

dem „Kino" verlangen; die Filminduftrie wird ftets diefes Verlangen ftillen
müffen, um zu leben und leben zu laffen. Deneben aber wird, - wie die
Schmiere vom künftlerifchen Inftitut, der Rummelplarj von gepflegter Gefellig-
keit fich unterfcheidef, — eine neue Form des Lichtfpiels fich entwickeln,
die nicht der Mode der Maffe, fondern der Vifion des Einzelnen, im
beften Falle der Gemeinfchaft weniger Individuen — ein Techniker,
ein Maler, ein Dichter, ein Mufiker; kein Konzerndirektor, kein Superregiffeur,
keine Diva! — ihr Dafein verdankt. Diefe Filme werden nicht abendfüllend
fein, keine ausgewachfenenLichtfpiele mit Handlung,Star und Tendenz,fondern
kurze, knappe Effays voller Kühnheit, Geift und Laune. Sie werden trot) ihrer
geringen Herftellungskoften vorerft beftimmt kein„Gefchäft" fein, aber ihre An-

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