Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

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und Verkehrsflächen beftimmt. Der jety durch Kauf, Spekulation heit. Sie haben aus den praktilchen und äfthetifchen Methoden

und Erbfchaft chaotifchen Zerffückelung der Bodenflächen ift der hiftorifchen Epochen Dogmen der Architektur gemacht und

durch eine planmäßig betriebene kollektive Bodenwirtfehaft zu verleugnen damit die Grundlagen des Bauens. Ihre Anfchau-

begegnen. Diele Entwicklung kann heute fchon durch die über- ungen (ind falfch und die Refultate (ind ebenlo fallch.

führung des ungerechtfertigten Mehrwertgewinnes an dieAllge- 3. Der Akademismus verleitet die Staaten zu grohen Aufwendun-

meinheit und durch den Ausbau des Erbbaurechtes eingeleitet gen für monumentale Bauaufgaben und fördert damit einen

werden. überlebten Luxus, der mit der Vernachläffigung der dringendften

4. Die Verkehrsregelung hat die zeitliche und örtliche Folge aller Itädtebaulichen und wirtfehaftlichen Aufgaben erkauft wird.
Funktionen des Gemeinlchaftslebens zu umfallen. Die wachfende 4. Es i(t deshalb notwendig, dah die Staaten eine gründliche Re-
Intenfitäf diefer Lebensfunktionen, fortwährend nachgeprüft vilion der Erziehungsmethoden in der Architektur vornehmen
durch die Mittel der Statiffik, zieht die wachfende Diktatur des und auf dielem Gebiet diefelben Grundfätje annehmen, die
Verkehrs unumgänglich nach (ich. auf allen andern Gehieten zu einer Verforgung ihrer Länder

5. Die fich ffets fort entwickelnden technifchen Mittel der Neuzeit. mit den produktiven und fortfehrittlichften Organismen geführt
erzwingen eine totale Veränderung der Gefetjgebung und eine haben.

dem technifchen Fortfehritt fortwährend folgende Umwandlung. 5. Eine parallele Hemmung der Entwicklung des Bauens in ratio-
neller, wirtfehaftlicher Richtung bedeuten diejenigen ftaatfichen

III. Architektur und ötfentliehe Meinung Vorfchriften, die in irgend einerForm auf eine äfthetifche formale

1. Die Notwendigke.t, im Smne der Prinzipien des neuen Bauens ßeeinfluffung des Bauens hinauslaufen und deshalb nachdrück-
aufdie Allgemeinheit einzuwirken, bildet eine wichtige Aufgabe z(j bekämpfen find

der Archifektenfchaft. Die Aufgaben des Architekten find diefer 6 neue Einteilung des Architekten, feine notwendige und

Allgemeinheit gegenüber fchlecht definiert. Die Wohnprobleme gewo||te Einordnung in den Produktionsprozeh, machen den

find nicht klar gefaht. Die Anforderungen der Konfumenten - befondern Titelfchurj von feiten des Staates überflüffig.

Befteller und Bewohner des Haufes - werden heute beftimmt j DieÄnderung derHaltung derStaaten in dielen Fragen bedeutet

durch eine Reihe von Faktoren, die mit der Wohnungsfrage dje wichtig[te Förderuncji die das neue Bauen heute von diefer

mchts zu tun haben und keine klare Formulierung der berech- Seife ver]angt und |iegt in einer Linie mit den allgemeinen wirt-

tigten Anfprüche verhindern. Infolgedeffen kann der Architekt fchaftlichen und kulturellen Aufgaben der Gefellfchaft.

die wirklichen Aufgaben des Wohnens nur unvollkommen er- 28 Juni 1928

füllen. Diefe manqelhafte Erfüllung bedingt für die Gefamtheit ,,. . , ,- . ... , , . . . , ., . ,

. . . , a i r\. ■, i- i ■• Die offiziele Erklärung wurde von folgenden Architekten unter-
eine ungeheure unproduktive Ausgabe. Die weitere Folge ilt, . ,

dah ein zu hoher Standard des Wohnens, eine Tradition der zu , . _ n , , , r .. i- ■ ,

... , ,. . , ... , .. .. , . . H. P. Berlage, Haag h. May, Frankfurt

teuren Wohnung die gelunden Wohnungsmoglicnkeiten des ., „ . „ .... , ■ . . . , . . . . ,

x .. . n .... , .. V. Bourgeois, Bruffel A. G. Mercadal, Madrid

leils der bevolkerung notwendigerwelle einlchränkt. „ _ . .. ., nl ~ „

_ ~. , . ... . ... . . ,, P. Lhareau, raris Hannes Meyer, Bauhaus-Dellau

2. Die elementarenOrundlane des Wohnens konnten in wirklamer , r- . .... ... .. .. , . ,

...... , , ... . ' — . , J. Frank, Wien W. M. Mofer, Zürich

Weile durch den Unterricht an den brzienungsstatfen verbreitet _ _ . . „ . . . .. .

, r , . n • ■• i i .. f n i i ■ i . i r, i G. Uuevrekian, raris b. Kava, Mailand

werden : Forderung der Keinlicnkeit, bmtluh von Licht, Luft und . . _ , , . .. . . ,-. n. , . . . ., , ,

c _ ..... ■ , li ■ i,.» i * i i M. E. Haefeli, Zürich G. Rietveld, Utrecht

bonne, Orundlatie der Hygiene, praktilche Anwendung des n ■■ a c ■ . t .

!_. H. Haring, Berlin A. iartoris, furm

, ... '. . , .... .... ■- , . . ,. , , , . A. Höchel, Genf Hans Schmidt, Bafel

3. bin lolcner Unterricht hatte zur rolge, dah die heranwachlende r, ... ,. , . c, n , .

_ ,. .. i ,. ii n .« . a f H. Hofte, St. Michiels Mart. Stam, Rotterdam

Oeneration einen klaren und rationellen Begriff von den Aut- „ . , n . . . c, . . .

. i i i r i . i, i i ... i i i P- Jeanneret, Paris M. Meiger, Zürich

gaben des Haules erhielte und damit in der Lage wäre, a s zu- ■-, . ( . n w i u-i n i

, .. ... „ , , .. .. „.Art i Le Corbufier, Paris H. R. Vonder Muhll, Lai

künftige Nonlumenten die vernünftigen Anforderungen an das . , , n • i i -r i ka i • i

..,..„,„.. A. Lurcat, Paris Juan de Zavala, Madrid

Haus lelblt aufzuhellen.

usanne

DIE MITARBEITER DIESES HEFTES

IV. Architektur und Beziehung zum Staat

1. Für die moderne Architektur, die den Willen hat, das Bauen
von der rationellen, wirtfehaftlichen Seife her zu betreiben, be-
deuten die heutigen ftaatlichen Akademien und Hochfchulen Walter Drehler, Frankfurt a. M., Schöne Ausficht 9
mit ihren äfthetifch und formaliftifch gerichteten Methoden eine Dr. W. Dexel, Städt. Kunftgewerbefchule, Magdeburg
dauernde Hemmung. Roger Ginsburger, Architekt, Paris Vle, Rue de Seine 63

2. DieAkademien find notwendigerweife dieHüterderVergangen- Dr. Adolf Behne, Charlottenburg I, Grünftrahe 16

SCHRIFTLEITUNG: DR. J. GANTNER, NEUE MAINZERSTRASSE 37, TELEFON RATHAUS 485 oder 875, FRANKFURT AM MAIN
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