Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 3.1929

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WICHTIGE AUSSTELLUNGEN

Frankfurt a. M. Vom 15. Februar bis 15. März veranftalten Hoch-
bauamt und Kunftfchule in den Erdgefchofjräumen des Kunftge-
werbemufeums Neue Mainzerftrafje 49 eine Ausftellung „Der
Stuhl". Auswahl aus dem Material der gleichnamigen Stuttgarter
Ausftellung, ergänzt und erweitert durch neue Typen. An den
Wänden Bilder von Piet Mondrian.

Im Mai Gefamt-Ausftellung der Frankturter Kunft-
fchule in fämtlichen Räumen des Kunftvereins und der Galerie
Schames in der Junghofftrafje.

Mannheim. Der urlprüngliche Plan der Ausftellung „Das ewige
Handwerk" hat einige Änderungen erfahren. Die Ausftellung heifjt
jetjt „Handwerkskunft im Zeitalter der Mafchine" und ift
bis Ende Januar fichtbar. Im Katalog intereffante Rundfrage zum
Problem des ewigen Handwerks.

Berlin. Am 15. J anuar fchIodie Ausftellung „Glas und Me-
tall" in der Hochlchule für bildende Künfte, eine ausgezeichnete
und lehrreiche Schau der Arbeitsgemeinfchaft für Handwerkskultur.
Künftlerifche Leitung : Bruno Paul. U. a. neun Vorfchläge für ratio-
nelle Küchen, darunter auch die Frankfurter Küche.

Ausheilungen im Januar: Kurt Kroner bei Thannhaufer, Frit)
Huf bei Matthiefen, Ariftide Maillolbei Flechtheim, Oskar
S ch I e m m e r und Xaver Fuhr bei Nierendorf, die Kröller'fche
van Gogh-Sammlung im Kronprinzenpalais.

Ende Januar: Neue Arbeiten von Max Beckmann (Frankfurt)
bei Flechtheim.

Im Februar: Ausftellung Willi Baumeifter (Frankfurt) bei Flecht-
heim , „ K u n ft u n d Te ch n i k " bei Nierendorf. ,, C h i n e (i fch e
Kunft" in der Akademie, bis 2. April.

GLOSSEN

NIEDERGANG DER DEUTSCHEN MALEREI!

Wilhelm Uhde, der in Paris lebende Kunftfchriftfteller ift über den
Afpekt der heutigen deutlchen Malerei entfetjt. Er findet in ihr
eitel Niedergang und Dilettantismus. In einem Buche, das unter
dem Titel „Picasso et la tradition francaise. Notes sur la peinture
actuelle" foeben im Verlag der „Quafre Chemins" in Paris erfchie-
nen ift, macht er (einem gepreßten Herzen Luft.
Es ift immer wieder dasfelbe Lied. Da hat einer ein fehr ftarkes,
(chönes, ergreifendes Jugenderlebnis gehabt, das Erlebnis einer
Kunft, die gerade an den Tag trat, oder eines Mannes, der sich
emporkämpffe und nun trägt er diefes Erlebnis mit (ich herum,
Monate lang, Jahre lang. An ihm miht er alles, was ihm vor die
Augen kommt. Mit der Zeit konftatiert er, dafj die neuen Dinge
jenen alten immer unähnlicher werden, und eines Tages überfällt
ihn die Einficht, dah die Gefinnung der fchaffenden Menfchen, ihre
Äußerungen in der Kunft fchlechthin, jenes ferne Erlebnis über-
haupt nicht mehr tangieren. Und nun fetjt er (ich hin, fchreibt Auf-
fätje und Brotchüren, warnt vor dem kommenden Verderben und
hofft fo zu retten, was noch zu retten ift.

So hat vor etwa 20 Jahren Viktor Auburtin ein Büchlein gefchrie-
ben „Die Kunft ftirbt". Sie (färb dort, wo Auburtin fie liebte, in
Barbizon und Schwabing, die Maler traten ihre Samtjacken und
flatternden Schlipfe an die Provinzphotographen ab und fahen wie-
der aus wie andere Menfchen, und das fand Auburtin bedenklich.
So hat einige Zeit fpäter Meier-Gräfe ein Büchlein gefchrieben
„Wohin treiben wir?" Wir trieben allerdings ab von dem Impreflio-

nismus, der Meier-Gräfe damals das A und O bedeutete, allein
wir trieben zu einer Kunft hin, deren Wert der elaftifche Meier-
Gräfe felber dann (ehr bald erkannt hat.

Und nun kommt Wilhelm Uhde und beginnt die Klage von neuem
„Diele ganze Malerei der toten Herzen und krampfigen Hirne",
lagt er, „die ohne Sonne und Sinnlichkeit im Schäften von Ideen,
Programmen und Rezepten wächft, ift eine lokale Angelegenheit,
die allen guten Europäern fremd bleibt." Er meint damit lowohl
den Expreffionismus wie die „Neue Sachlichkeit" und was nach-
her kam. Und warum diefes ebenfo abfurde wie taktlofe Urteil von
einem Manne, dem man es nicht vergeffen darf, daf5 er den Zöll-
ner Henry Rouffeau entdeckt und gefördert hat? Weil auch ihm
diefes Jugenderlebnis, Rouffeau und das künftlerifche Paris von
damals, „(tehen geblieben" ilt, fo wie oft einem Schaufpieler, der
eine Zeit lang eine Rolle fpielt, eben diefe Rolle in Geficht und
Geften ftehen bleibt. „Die franzöfifche Tradition und Pablo Picaffo",
fagt Uhde, „find die beiden entgegengefetyen, (ich ergänzenden
Quellen, aus denen die in Paris beginnende europäifche Malerei
(ich fpeift." Dieu le veut. Und Wilhelm Uhde. J. Gantner

MITARBEITER DIESES HEFTES

Dr. H. Craemer, Städtifches Hochbauamt, Frankfurt am Main
Baurat Adolf Meyer, Städtifches Hochbauamt, Frankfurt am Main
Dipl. Ing Ulrich Finfterwalder, Wiesbaden-Biebrich
Architekt Cetfo, Städtifches Hochbauamt, Frankfurt am Main
Grete Schütte-Lihofjky, Frankfurt a. M., Kranichfteinerftrafye 26

SCHRIFTLEITUNG: DR. J. GANTNER, NEUE MAINZERSTRASSE 37, TELEFON RATHAUS 485 oder 857, FRANKFURT AM MAIN

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