Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 3.1929

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Auch das Ausland wird man alljährlich auf alle guten Neuheiten auskämmen,
fo dafj fremde Spitjenleiffungen fchleunigft dem deutfchen Neuzüchtungsge-
werbe zugeführt werden. Längft kann kein privater Betrieb mehr die wich-
tigften Neuheiten des In- und Auslandes anfchaffen. Es überfteigt nicht nur
private Mittel, fondern auch private Zeit.

Im vorhergehenden wurde ein Thema von unerhörter Wichtigkeit, nicht nur
für Frankfurt, fondern für die Zukunft des deutfchen Gartenlebens ange-
fchnitten. Warum foll das Wichtigfte und Wirkungsvolle, was wir in Gang
bringen können, nicht allem anderen vorgehen? Wie unfer Auge am vollen
Sonnenlicht, fo blinzelt unferGeift am Nächftliegenden und Wichtigften vorbei.
Ich ging neulich durchs Goethe-Haus, fah an allen möglichen Plänen des
uralten Gehäufes moderne Blumen von grorjer Schönheit ftehen. Sie hatten
dort eine wunderliche weltgefchichtliche Sprache und wiefen unbefchreiblich
tröftlich in die Zukunft hinaus, in die Ernte alles deffen, was in diefem hohen
Haufe gegründet und vorbereitet wurde. Goethes Stadt wird immer mehr ein
Kulturplafj erffen Ranges. Hier müfjte der erfte Weltgarten entftehen. Goethe
hat diefen Ausdruck geprägt.

WAS ERWARTEN WIR VON DER ZUKUNFT FÜR DEN

PALMENGARTEN? Von Gartenbaudirekfor M. Bramme, Frankfurt a. M.

I

Der Palmengarten mufj auf seiner Tradition aufbauen, in der fein Ruf be-
gründet wurde: Er will und mufj auch künftig mehr fein, als irgend ein noch
fo reich ausgeftatfeter öffentlicher Garten. Zwar hat er dabei auch der Zeit
dadurch Rechnung zu tragen, dafj er fich mit einer volkstümlichen und durch-
aus fozial-gerechten Regelung feines Eintritts begnügt, aber er darf dennoch
nicht auf die gleiche Stufe hinabgleiten, von welcher aus der Durchfchnitt
unferer Volksgärten nach Inhalt und Art der Benutzung zu bewerten find.
Seine Eigenart liegt ja gerade darin, mehr und anderes aus dem mannigfal-
tigen Gebiet „Gartenbau und Gartenkunft" zu zeigen und vornehmlich folchen
Inhalt zu bieten, der im öffentlichen Garten nicht, oder nur in geringfügigfter
Andeutung gehegt oder zur Schau geftellt werden kann. Und darüber hin-
aus foll er Gelegenheit zur wiffenfchaftlichen Forfchung, zu ernfter Beobach-
tung und nicht alltäglicher Pflanzenliebhaberei geben.

Man unterfchätje nicht, dafj in deutfchen Landen und weithin im Ausland die
Kreife der Pflanzenzüchter, Forfcher und Pflanzenfreunde warten und abwarten,
ob und wie der Frankfurter Palmengarten feine von ihm früher freiwillig
übernommene und vorzüglich gelöfte Aufgabe, eine Pflege- und Schau-
ftäfte für die S p it) en le i ft u n ge n deutfcher Pf I a n ze n k u I tu r zu fein,
künftighin bewältigen wird. Dazu aber eignet fich ein Garten vollkommen

Orchidee. Foto Aenne Biermann

Bifchofsmütje. Foto Renger-Patjfch

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