Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 3.1929

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VERKAUFS-, AUSSTELLUNG!- U. WERBERÄUME
DER FRANKFURTER GASCESELLSCHAFT
Architekt Bau rat Adolf Meyer, Mitarbeiter Ana -
toi Selmer. Befchriftung Robert Michel, Angabe
der Farben Peter Röhl. Photos von Dr. Wolff

SITUATIONSPLAN DES UMBAUES DER FRANK-
FURTER GASGESELLSCHAFT AN DER KAISER;
PASSAGE (f. vorn)

DER LEHRER ADOLF MEYER

Von J. Gantner

Seit feiner überfiedlung von Weimar nach Frankfurt hat Adolf Meyer die
Klaffe für Hochbau an der Frankfurter Kunftfchule geleitet.
Das Bild, das wir in diefem Hefte von feinem Werk und feiner Perfönlichkeit
zu geben verfuchen, wäre nicht vollftändig ohne ein Wort über feine Lehr-
tätigkeit, die ihm, der fchon von Weimar her mit pädagogifchen Fragen eng
vertraut war, eine fchöne und willkommene Ergänzung zu feinem Amte auf
dem Rathaus bedeutete.

Meyer war gewiß keiner jener Lehrer, die durch einen hinreißenden Vortrag
oder eine blendende Darfteilung die Schüler in Bann halten, fondern er
wirkte ganz einfach durch die abfolut fichere Prägung feiner Perfönlichkeit,
durch die ftille, zurückhaltende, ftrenge Art feines Wefens. Es war ihm nicht
gegeben, viele Worte zu machen, aber er wußte jedes Wort und jede Erklä-
rung fo unwiderruflich zu geftalten, daß den Schülern das Empfinden der
völligen Sicherheit ihrer Führung keinen Augenblick abhanden kam. Eine
feltene Fähigkeit, die Meyer mit einigen ganz großen Pädagogen teilte,
und die ihm durchaus das Format eines Hochfchullehrers verlieh.
Das Unternehmen, Architektur auf völlig moderner Bafis zu lehren, ift fchwer,
gerade weil das fchöne Gerüft der Tradition, von dem fich die Technifchen
Hochfchulen fo gar nicht zu trennen vermögen, hier nicht zu Gebote fteht.

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