Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 3.1929

Page: 47
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/neue_frankfurt1929/0077
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Aus dem ukrainifchen Film „Der Mann mit dem
Aufnahmeapparat". Regiffeure Werthoff und
Kaufmann

PHOTOGRAPHIE UND LICHTGESTALTUNG

von J. Gantner

FLORENCE HENRI, Paris
Bildnisaufnahme derzugeben

Die Photographie ift fpät zu Ehren gekommen. Jahrzehnte lang galt fie als
eine Angelegenheit zweiten Ranges. Und dafj fie nicht viel mehr war als das,
haben gerade diejenigen ihrer Vertreter, die lieh als die beften vorkamen,
felbft bewiefen, indem fie im Bildnis fowohl wie in der Landfchaft alles auf-
wendeten, die Malerei akademifcher Haltung nachzuahmen, und felber auch
„Kunft" zu machen. Wie fie nach Kompofition und Aufbau ein Bildnis zuwege
brachten, wie fie die Maffen und Lichter und Schatten in einer Landfchaft
verteilten — das alles wurde den Malern gründlich abgeguckt. Gab dann
die phofopraphifche Platte nicht mehr her, als fie eben konnte, fo wurde mit
Pinfel und Stift nachgeholfen. Erftaunliche Raffinements wie das Bromölver-
fahren u. a. kamen hinzu und halfen mit, einen „Stil" auszubilden, welcher der
Malerei auf Schrift und Tritt nachging. Es gab und gibt Bildnisaufnahmen ä la
Holbein, ä la Carriere, ä la Menzel. Wenn ein Photograph diefer Richtung
erzählt, wie er arbeitet, fo hört es fich dem Bericht eines Künftlers zum Ver-
wechfeln ähnlich an. Eben fchreibt z. B. der Bildnisphotograph Otto Kurt Vo-
gelfang im „Kunftblatt" (März 1929): „Photographie ift für mich das Ausdrucks-
mittel meines Empfindens und Denkens... Alles, was meine Augen, mein
Gefühl zu feffeln vermögen (vermag?), wird verfucht, fo wie ich es fehe, wie-

47
loading ...