Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 3.1929

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M I T T E I

DIE BAUTÄTIGKEIT IN FRANKFURT

A. Das neue Gewerkfchaftshaus

Leider iff die Notiz im legten Heft dahin zu berichtigen, dafj die
Veranftalter des Wettbewerbes nicht den Mut hatten, dem erlten
Preisträger, Brüder Taut, die Ausführung zu übergeben. Es wird
jerjt ein engerer Wettbewerb zwilchen den Brüdern Taut und dem
Frankfurter Architekten Ernft Balfer ftaftfinden.

Modell des Projektes Taut für das neue Gewerkfchaftshaus

B. Neubau der „Volksftimme"

Ende Oktober wird der ausgezeichnete Neubau der „Frankfurter
Volksftimme" des Architekten Lehr eingeweiht. Wir werden in
einem fpätern Hefte auf den Bau zurückkommen.

VERANSTALTUNGEN DER ZEITSCHRIFT „DAS NEUE
FRANKFURT"

Frankfurter Kurfe für Neues Bauen, 5. bis 7. Sept. 1929

Nachdem in mehreren Fachzeitfchriften und Tagesblättern orien-
tierende Aufläge über diefe Veranftaltung erfchienen find, können
wir den im letzten Hefte angekündigten Bericht ganz kurz faffen.
Die Durchführung der Kurfe war durch ein lommerlich warmes
Wetter lehr begünftigt. Sämtliche in dem publizierten Programm
angekündigten Führungen konnten ohne Störung abgewickelt
werden. Von den Vorträgen muffte infolge Erkrankung des Refe-
renten einzig derjenige von Prof. Wiehert über „Moderne Denk-
malpflege" ausfallen; an (einerStelle fprach Dr. Kampffmeyer über
den internationalen Verband für Wohnungswefen.

LUNGEN

über die Herkunft der 185 Teilnehmer ift im legten Hefte berichtet
worden. Hier fei noch nachgetragen, dah folgende Ämter Vertreter
gefchickt haben: das dänifche Minifterium des Innern, die Regie-
rungskommiffion des Saargebiets, die Technifchen Hochfchulen in
Karlsruhe, Stuttgart und Prag, das Staatstechnikum in Karlsruhe, die
Hochbauämter der Städte Ansbach, Dortmund, Feuerbach, Freifing,
Halle a. S., Köslin i. P., Liestal (Schweiz), Mainz, Nürnberg, Offen-
bach a. M., Salzburg, St. Gallen, Stettin, Thun (Schweiz) und Winter-
thur (Schweiz). Ferner nahmen Vertreter grofjerBaugenoffenfchaften
aus Düffeldorf, Hamburg, Köln und Zürich an dem Kurfe teil.

ALARM IN ZWICKAU

Zwickau hat wieder einmal feine „Mufeumskrife". Das heifjt: die
Krife iTt fchon überhanden: man hat dem Direktor Dr. Gurlitt
kurzerhand gekündigt. Man wird es alleine machen ! Der Fall liegt
[o : Den Deutfchnationalen ift der modern eingeteilte Mufeums-
betrieb fchon längft ein Dorn im Aug. Verfchiedene Vorftöhe haben
vor zwei Jahren auch fchon mal zur Kündigung des Direktors ge-
führt. Vor der Preffeblamage mufjte man zurückziehen. Jetjt gings
wieder los: man wollte den jungen Mann famt feinem ganz moder-
nen Plunder ausheben. Die ganze Gefchichte parjt uns nichf.Grund
genug, dafj sie den Sozialdemokraten fehr gut pafyte. Sie fpielten
(ich als die Hüter der Zwickauer Kulturbelange auf und ftütjten
den Direktor nach Kräften. Alles oder nichts, trumpften lie auf, als
die Mitte den Vermittlungsvorfchlag eines eingefchränkten Mufe-
umsbetriebs unter Beibehaltung des Direktors, der ihnen doch
imponierte, machte. Und über dem „Alles oder Nichts" ift der
Direktor bei der Abftimmung unter den Tifch gefallen. Man wird
(ich ehrenamtlich behelfen. Die Deutfchnationalen lachen, dieMitte
fchimpft, die Sozialdemokraten (ind etwas verlegen. Der Bürger-
meifter aber hat dem Dr. Gurlitt (traks gekündigt. Nun ift man den
feuern Mann endlich los. Das Budget atmet auf. Die Kunst geht
pleite. Nein, Ihr Herrn Zwickauer, das ift nicht billig gehandelt. So
fpringt man nicht mit einem Inftitut um, das durch die Arbeit eines
fehr begabten Mufeumsmannes in wenigen Jahren aus einer
Rumpelkammer zu einem vorbildlichen Inftitut geworden ift. Und
fo fchachert man auch nicht um echte Kunftpflege. Parteigezänk
hin, Parfeipreftige her! — von Kunftfachen toll man die Finger
laffen, wenn man fich nicht blamieren will. Kündigungen im
Abonnement heben nicht grade die Arbeitsfreude eines Beamten,
gar nicht eines Beamten, der fo auf perfönliche Initiative geftellt
ift wie der Mufeumsdirektor einer kleinen Stadt. Schließlich hat
man bei allen Sparmaßnahmen auch einige Würde zu wahren,-
und das ift hier allem Anfchein nach nicht gefchehn. Wir find ge-
fpannt, wie Ihres wieder einrenken werdet. Oder wollt Ihr es am
Ende gar damit bewenden lallen. Umfo fchlimmer für Euch.

Oskar Schürer.
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