Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 3.1929

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die Gefamtrationalilierung, die (ogar die „Rationalifierung des
Volkslebens" mit einbeziehen foll.

Der Verfaffer (ieht einen Weg darin, daß (ogenannte Raum-
wirtfchaftspläne aufgettellt werden, die nicht nur in bisheriger
Art Strafjenführung, Verkehrslöfung und Flächenverteilung ent-
halten, [ondern auch beftimmte Vorfchläge für die wirtfchaftliche
Entwicklung der Kommune, des Kreifes oder des Landes. Vor-
fchläge nach den Gefichtspunkten der für die Gefundung Deutfch-
lands notwendigen agrarifchen, gewerblichen, indultriellen, ja fo-
gar der kulturellen Entwicklung. Der Verfaffer weift dazu auf feine
praktifchen Arbeiten für die Stadt Frauftadt und den Kreis Walden-
burg hin. Die konfequente Fortfetjung diefes Gedankens führt ihn
dazu, zu fordern, daß Verwaltungsreform und ftädtebauliche Ge-
fetjgebung auf diefe wirtfchaftliche Geftaltung abgeffellt werden.
Er läßt erkennen, daß er den augenblicklichen Behördenaufbau
für die Durchführung diefes Gedankens nicht geeignet hält und
gibt die Anregung zur Gründung eines befonderen Konfortiums
von Wirtfchaftlern unter behördlicher Führung, dem die Bearbei-
tung und Leitung der wirtfchaftlichen Landesplanung zu übertra-
gen fei. Wenn er trotzdem an anderer Stelle des Buches die Re-
gierungspräfidenten für die geeignete Durchführungsftelle erklärt,
fo liegt darin ein Widerfpruch: eine foweif gehende wirtfchaft-
liche Direktion kann von einer verwaltungsmäßig aufgebauten
Behörde nicht mit praktifch gutem Erfolg ausgeübt werden. An-
dere Widerfprüche des Buches: troß feiner Betonung der primären
Bedeutung der Land-Wirtfchaft verkennt Langen die rein wirt-
(chaftl i che Frage der Bauern- und Adjacenten-Siedlung im deut-
fchen Often, die er für eine nationale Frage erklärt. Trofj der Er-
kenntnis, daß auf lange Zeit in Deutichland vorfichtigfte Kalkulation
bei allen wirtfchaftlichen Maßnahmen geboten ift, macht Langen
bezüglich der Großftadtgeftaltung Vorfchläge für ein dreißigjähri-
ges Zwifchenftadium, das nicht nur Deutfchlands Finanzlage, fon-
dern auch den eigenen Vorfchlägen des Verfaffers zur Seßhaft-
machung der arbeitenden Bevölkerung widerfpricht. Verdienftvoll
find die Anregungen des Buches zur Verankerung wirtfchaftlichen
Denkens im gefamten Leben der Nation, verdienftvoll ift auch
der unferer Zeit wirklich notwendige Gedanke, daß in dem Ringen
um den wirtfchaftlich vollkommenen Ausbau des Landes der Sinn
des Lebens und der Kultur nicht vergeffen werden darf. Die Neu-
belebung alter Volksfefte und die Errichtung einiger Volks- und
Gemeinfchaftshäufer wird dazu allerdings nicht genügen. Die Ra-
tionalifierung ift zunächft ein technifches Problem. Wenn der
Städtebauer in (einem Beftreben zur Synthefe zwifchen Technik
und Wirtfchaft auch die Kultur einbeziehen will, (o deutet das
darauf, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Durch-
geiftigung der Technik bei dem Techniker vorhanden ift. Er kommt
fo auf dem natürlichsten Weg zu der Forderung, daß alle tech-
nifchen Verbefferungen und Rationalifierungen nur das Glück des
Menfchen zum Ziel haben dürfen. Er (ieht, daß für die (technifche)

Form auch ein Inhalt vorhanden (ein muß und er fucht — bewußt
oder unbewußt — durch das technifche Werk die Idee unferer
Zeit. Das angefchnittene Problem vom Verfaffer nicht bis zu
diefer Konfequenz geführt zielt lefjten Endes auf eine völlig
neue Weltanfchauung. Wird fie eine fechnifch-wirtfchaftliche fein?
Ohne eine (olche werden alle Beftrebungen zur Rafionalifierung
äußere Form bleiben. Oder vielmehr: fie werden das Ziel einer
neuen Raumgeftaltung des Landes nicht erreichen. Auch der Tech-
niker wird mit etwas mehr Geduld die Entwicklung der technifchen
Probleme betreiben muffen, da Vorausfefjung ihres Gelingens
die Klärung der geiftigen Ziele unferer Zeit und die Verbindung
mit ihnen ift. Schroeder.

Stein, Holz, Eifen. Otto Völckers, der Schriftleiter diefer im
Verlag Englert & Schloffer in Frankfurt erfcheinenden Zeitfchrift,
hat das Blatf hervorragend gut entwickelt. Es orientiert wöchentlich
in lebendiger, fauberer Form über alle Vorgänge in dem weiten
Gebiete des neuen Bauens. Ich wüßte kein Organ, welches die
Qualität fo klar und entfchieden herausftellt wie diefes. Die perio-
difchen Beilagen — Werkftoff und Bauform, Baumafchine u. a. -
find fehr wertvoll. Aus den letzten Publikationen erwähne ich die
ausgezeichnete Arbeit von Völckers über „Wandlungen des Be-
bauungsplanes", in Heft 22.

Die Bauzeitung ift eine Fufion der „Süddeutfchen Bauzeitung",
München, der „Bauzeitung" und der „Süddeutfchen Baugewerks-
zeitung" und wird von Regierungsbaumeifter H. P. Eckart in Stutt-
gart geleitet. Ihre Publikationen find etwas bunt und unentfchie-
den. Im Heft 33 ein Sammelreferat von Dipl. Ing. Schleicher über
die Publikationen aus dem Gebiet des Städtebaus.

Mitteilungen aus der Induftrie

(Ohne Verantwortlichkeit der Schriftleitung)

Eine der größten Plagen für die Menfchen find feuchte, ungefunde
Aufenthaltsräume. Gewöhnlich wird verfucht, die feuchten Wände
mit irgend einem Lack oder Kitt oder dergleichen zu überziehen.
Die Feuchtigkeit bleibt aber in den Wänden. Es ift noch nicht be-
kannt genug, daß es ein feit Jahrzehnten bewährtes, wirklich zu-
verläffiges Mittel gibt. Dies find die echten Kosmostafeln aus der
Fabrik A. W. Andernach, G. m. b. H., in Beuel, Rhein. Die feuchten
Wände werden damit bekleidet und dann neuer Verpuß darauf
angebracht. Man erzielt dadurch Luftifolierungsfchichten, alfo all-
mählich Austrocknung, in jedem Fall aber fofort trockene Wand-
oberfläche und gleichzeitig durchaus fefthaftenden Put}. Die ge-
nannte Fabrik ift gern bereit, an Lefer unferer Zeitfchrift poftfrei
und umfonft Mufter, (owie Gebrauchsanweifung und Beweife über
langjährige Bewährung zu fenden.
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