Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 3.1929

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Behebung diefer Nachteile. Erftens: die Fenfterwand
ift ganz der Lichtzufuhr freizugeben. Zweitens: die
blendende Gegenwand fällt vollkommen weg! Damit
laufen die Seitenlichtkabinette offen in den Oberlichtraum hinaus.
Diefes öffnen hier begegnet dem Wunfeh dort, nur drei Hänge-
wände zu haben! Damit ift auch dem Oberlichtraum das Gefäng-
nisartige genommen — er bezieht fich immer lehr wohltuend auf
die Aufjenwelt.

2. Nachteile für das Hängen.

Die dunklen Fenfterwände und die blendenden Ge-
genwände haben für das Hängen die gleichen Nachteile wie
für das Befchauen — fomit das Ausfeh alten diefer beiden
Wände die gleichen Vorteile. Die fett eingebauten Zwi-
(chenwände haben in den Seitenlichtkabinetten die gleichen
Nachteile wie in den Oberlichtfälen — fomit die fliegenden
Stellwände die gleichen Vorteile.

BERLINER AUSSTELLUNGEN

ALEXANDER CALDER (U. S. A)

Ausftellung bei Neumann-Nierendorf Adolf Behne

Alexander Calder Raftelli der Plaftik! Aus Bildhauerei wurde
ein Luftakt. Oh wie wohltuend ift diefe Heiterkeit, diefe Kunft ohne
Humbug. Du fiehft wie mit Röntgenaugen durch Calders Plaftiken
frei hindurch (wie fchön, könnte man die Siegesallee fo fehen!) und
Du brauchft fie nicht einmal abzuftauben. Ja, Du kannft fie im
nächften Weltkrieg ruhig drauhen ftehen laffen . . . keine Bombe
kann ihnen etwas anhaben.

Das laufende Band, Rationalifierung, Eroberung der Luft. . . die
find hier naiv entgiftet, menfehlich finnvoll, find Kunft geworden.
Bei Calder ift manches von den plaftifchen Experimenten der ruf-
fifchen Konftruktiviften wieder munter geworden. Aber der Cal-
derfche Konftruktivismus ift ohne Mechanomanie ... er fpielt.
Der Erlte, der die Renaiffance- und Barok-Plaftik abbaute, der mit
Negierungen, mit Nullpunkten, Nullflächen arbeitete, war Archi-
penko. Ob Calder ihm drüben begegnet ift, weih ich nicht; ift auch
egal. Seine Holzfiguren beweifen dem, der es noch nötig hat, feine
grohe Künftlerfchaft, die nicht auf einen billigen Ulk geftellt, fon-
dern menfchlich-lebendig, reich und wahrhaft und voller Humor
ift.

Alexander Calder, „Sängerin", Draht. Bilderdienft der New-York Times
G. m. b. H.

Das Ineinanderflierjenlaffen von Oberlicht- und Seitenlichtraum
hat für das Hängen aber noch einen ganz befonderen Vorteil. Neh-
men wir wiederum das Beifpiel der Alten Pinakothek. Die grohen
Rubens find durch die ftarke Trennung zwifchen Oberlicht- und
Seitenlichträumen von den kleinen Rubens direkt abgefchnitten.
Das gleiche gilt von den den lfa|jenern etc. Das vorgefchlagene
Syftem erlaubt, wo es nötig ilt, einen Teil des Oberlichtraumes mit
einem Teil des Seitenlichfraumes ftärker zufammenzufaffen und vom
öbrigen zu trennen.

Georg Schmidt.

DAS MUSEUM DER GEGENWART

Wir haben Herrn Generaldirektor Swarzenski gebeten, fich zu
diefer Frage zu äußern und werden feinen (keptifchen Beitrag in
der nächften Nummer wiedergeben.

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