Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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17. Iahrgang.
Bciträge

29 December

Nr^U,

Inserate

ti 25» j?f. für die drei
Mal gespaltene j?etit-
zeile werden von jeder
Vuch- u.2(unsthandlung
angenommen.

188s.

Beiblätt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Vktober bis )uli jede woche am Donnerstag, von ^uli bis ^eptcmber alle ^ Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Aunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang^y ^Mark sowohl inl Buchhandel als auch bei den deutschen


Dia jüngsten Erwerbungen dcr Nationalnruseen
Frankreichs.

Der Unterstaatssekretär Edmont Turcsuet erstattete
kurz vor der Demisfion des Ministeriums Ferry dieseni,
als Minister des Unterrichts und der schdnen Künste,
Bericht über jene Erwerbungen der Nationalmuseen
des Louvre, des Luxembourg, von Versailles und
St. Germain, welche seit seinem Amtsantritt, dem
1. März 1879, bis zum 1. Juli 1881 stattgefunden
hnben. Jm Eingange desselben erwähnt Turguet
einer von ihm eingesührten, nachahmcnswerten Neue-
rung, der zu Folge jede Neuanschasfung, ob nun Ge-
schenk oder Kauf, ehe sie der entsprechenden Abteilung
der betreffenden Sammlung einverleibt wird, drei
Monate lang in einem eigens hierzu bestimmten Saale
des Louvre, einem der Säle des in die übrigen Samm-
lungen verteilten ehemaligen „Nusss üss souvsrnins",
zur vffentlichcn Besichtignng ausgestellt wird. Hier-
durch wird nicht blos die Aufmerksamkeit in wirksamerer
Weise auf die Neuerwerbungen gelenkt, sondern auch
speziell dem Pariser Publikum Gelegenheit geboten, llber
den Zuwachs der auswärtigcn Sammlnngen sich auf
die bequemste Art auf dem Laufenden zu erhalten.

Was nun zunächst den Louvre und zwar die
Abteilung der Gemälde und Handzeichnungen
betrifft, so flossen dieser in dem genannten Zeitraume
durch Schenkung und Vermächtnis 15 Gemälde von
sranzösischen (7), niederländischen (3) und englischen
(5) Meistern, 6 Miniaturporträts französischer Künstler,
darunter 4 von I. B. Jsabey, dem Miniaturisten
pnr sxosltsnos des napoleonischen Zeitalters, und

22 Handzeichnungen zu, von denen die Mehrzahl Por-
trätskizzen französischer Maler vom Beginne des Jahr-
hunderts, aber auch eine Studie Raffaels, der erste
Gedanke zur Belle Jardiniöre, aus dem Nachlasse des
unlängst verstorbenen Malers und Kunstsammlers Tim-
bal (Crozat, Mariette, de Revil, s. Robinson, oritienl
aveount, S. 173). Als vorzüglichste der obigen 15
Gemälde seien angeführt: Gorards berühmtes Porträt
der Gräfin Regnault de St. Iean dÄngsly, Vanloo's
Porträt von Soufflot, deni Architekten des Pantheon,
H. Flandrins interessantes Bildnis der Mme. Vinet,
der Gattin des vor einigen Jahren verstorbenen Kunst-
schriftstellers und Bibliothekars der Dsols äss bsunx-
arts, sowie unter den Niederländern ein vortrefflichcs
Familieninterieur von GonzalesCoques. Als charak-
teristisch für französische Kunstzustände erwähnen wir
noch, daß sich unter jenen 15 Gemälden auch eine
Schenkung der Nedaktion der Kunstzeitschrift DÄrt
befindet, bestehend in fünf Bildern der im Louvre rccht
dürftig vertretenen englischen Schule, und cinem Genre-
bild (Ländliches Fest) von Dirk Hals, alle diese aus
der Auktion der Sammlung des reichen Amerikaners
Wilson herrührend. -— An die durch Schenkung er-
worbenen Gemälde reihen sich sechs andere, sowie eine
Handzeichnung, von denen Prudhons Bildnis der
Kaiserin Josephine, ein bedeutendes Werk von fesseln-
dem Neize, dem Staat durch richterlichen Schiedsspruch
aus der Erbmasse des Kaisers Napoleon III. zuge-
sprochen wurde, während drei allegorisch-mythologische
Kompositionen Bouchers nnd eine ähnliche Coypels
aus dem Palais des Ministeriums des Äußern in die
Säle des Louvre übertragen wurden.
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