Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Zur Erinnerung an Friedrich Weber,

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den fortschreitenden Ausgrabungen des Forums nun
erschien vor zwei Jcchren eine neue Ara für jcne runde
Vorhalle der Kirche. Als man das antike Pflastcr der
an derselben vorüberziehenden Via sacra blosgelegt,
war es schon eine ästhetische Forderung, die jetzt hoch
in der Lust schwebende Thür von dem Platz, an den
Urban sie gesetzt, an ihrcn ursprünglichen Posten zu
restituiren, niit samt den sie flankirenden Cipollinsäulen,
von denen zwei intakt geblieben, während von den
übrigen Piedestal und Sockel sich erhalten haben. Zu-
gleich traten vier der ursprünglichen acht Nischen zu
Tage, die den kurvenförmigen Vorbau schmückten; in
einer fand man Fresken aus christlicher Zeit. Zu den
Seiten des Rundtempels endlich wurden die ursprüng-
lichen, mit einer Apsis gezierten Nebenbauten freigelegt,
deren einer lauge Zeit ein Oratorium beherbergt hatte.
Von der ehemaligen Marniordekorativn dagegen fand
sich keine Sp»r. — Eines der ersten Ergebnisse der
Lanciani'schen Untersuchungen ist nnn dies, daß Vvr der
Uniwandlung des Langbaues zur Kirche der letztere
mit dem Rnndtempel in keinerlei Verbindung stand.
Neben schriftlichen Beweisen deutet schon die jetzt ent-
deckte Thürschwelle mit Entschiedenheit auf die Zeit des
sechsten Jahrhnnderts. Das oblonge Gebäude selbst
ivar Vvr seiner Umgestaltung zur Kirche in seiner süd-
westlichen Hülfte vvn drei Seiten durch je fünf großc,
hochsitzende Fenster erhellt, Vvn denen nvch jetzt in
der Kirchenfassade drei sichtbar sind, während alte
Zeichnungen die volle Zahl erkennen lassen. Das
Dach war mit Ziegcln bcklcidet; die Wände im Jnnern
zeigten kostbare Marmorinkrustation, ähnlich der in der
jetzt zerstvrten Basilika des Äunius Bassns, dcr spätern
Kirche S. Andrea in Barbara auf dem Esguilin.
Zlvei Gesimse teilten die Wand in drei Zonen, deren
obere die Fenster enthielt, während die untere große
einfarbige Platten zeigte, die mittlere dagegen eine durch
Pilaster gegliedertc reiche Felderteilung aufwies. So-
wohl Gegenstände als auch Arbeit weisen die Bekleidung
der Zeit vor Felix zu. Jn der Mitte ist dieser Lang-
bau der Breite nach durch eine in cine Apsis ans-
ladende Mauer geteilt, die den Ostschluß der Kirchc
bildet. Über die seltsame Gestaltung dieser Apsis, die
ursprllnglich drei offene Säulenarkaden zeigte, hat bereitö
de Rossi (Lnllstino 1867) ausführlich gehandelt, so-
wie kürzlich Kraus im „Repertorium" (Bd. V, Heft 2)
und endlich abermals de Rossi in der soeben erschienenen
Mvnvgraphie über die Apsis von S. Giorgio Maggivre
zu Neapel.

Der sich an diese Kirche unmittelbar anschließende
nordöstliche Bau ist das durch den in seine Nordost-
mauer eingelassen gewesenen marmornen Stadtplan be-
kannte Gebäude, das bisher, hauptsächlich weil es aus
Peperin stdtt, wie die Kirche, aus Ziegel, erbaut ist,

als ein von lctzterer verschicdener Ban betrachtet wurde.
Durch Lanciani's Untersuchungen ist jetzt die enge Zu-
sammengehörigkeit beider erwiesen. Die Ziegelmauern
der Kirche, d. h. der südwestlichen Hälfte des großen
Langbaues, gehvrcn der Restauration unter Septimius
Severus an, nachdem der Brand von 193 diesc Hälste
des Banes zerstvrt hatte. Seine baldige Wiederherstellung
war um so wichtiger, als das Gebäude nichts Geringeres
war als das Archiv, welches Kaiscr Vespasian im
Jahre 75 erbaut hattc. Nach dc Rossi's und Jordans
Vermntung trug es nach der angegebenen Restauration
den Namen Isinplnin saoras Ilrliiz. Sein Eingang
lag an der nordwestlichen Langseite, gegen den Antoni-
nustempel; em zweiter entsprach ihm in der Rückseite.
Soviel im allgemeinen über diesen wichtigen Bau.
An die Fortsctzung dcr Ausgrabungcn an dcr Nord-
seite desselben knüpft sich die Hoffnung, den Rest des
kapitolinischen Stadtplanes zu treffen, wenn-
gleich dic Hoffnung, ihn einmal lückenlos zu besitzcn,
bedeutend getrübt ist, nachdem durch das kürztich gegen
den Palatin hin gefundene Fragment die Verschleppung
einzelner Teile des Planes konstatirt werden mußte.

H. Holßinger.

Zur Eriunerung au Friedrich Weber.

(Schluß.)

Es giebt für einen Kupferstecher keine dankbarere
Aufgabe, als ein anerkanntes Meisterwerk eines alten
Jtalieners zu reproduziren; eine solche wurde Weber
im Jahre 1854 vou Dondorf in Frankfurt a. M.
gestellt. Es handelte sich um xines der schönsten
Madonnenbilder Raffaels, um seine VisrAs au linM
im Salon carrs des Louvre. Weber vollendete das
Blatt, welches zur Zufriedenheit aller ausfiel, im Jahre
1859, und bekai» für dasselbe im Salon den Rappel
einer zweiteu goldenen Medaille. Der Meister war
insofern, als er eine erste Medaille erwartet hatte,
über diese Auszeichnung enttäuscht. Hören wir ihn
selbst llber diesen Punkt! „Der Rappel der zweiten
goldenen Medaille, so schreibt er, machte mir recht
eindringlich klar, daß Forster meine Jnteressen nicht
mehr verfocht, sonst wäre mir die erste Medaille zu-
gekommen. Jch hatte mich bisher zu ausschließlich an
seine verwaist gewordene Fahne gehalten und sah mich
nun in meiner Stecherei vereinzelt. Jch war bei der
Ausführung dieser Aufgabe, wobei ich vor allem
Wiedergabe des Originals angestrebt, nicht genau nach
seinen Grundsätzen verfahren, hatte dieselben vielmehr
in verschiedenen Hauptsachen an eine freiere, weichere,
und dadurch dem Original mehr entsprechende Be-
handlung vertauscht; dies hatte ihn mehr beleidigt,
als er es mir gegenüber merken ließ. Dies bekam
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