Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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17- Iahrgantz.

Beiträge

sind an j)rof. Dr. L. von
Lützow (Wien, There-

die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

10. August

Nr. ^O.

Inserate

ü 25 Pf. für die drei
Mal gespaltene j^etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Runsthandlung
angenommen.

^882.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Lrscheint von Vktober bis Iuli jede woche ani Donnerstag, von ^luli bis September alle Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen j)ostanstalten.


Kunstchroiiik Nr. 41 crschcint nm 24. Aimust.

Eine Noti; über Albrecht Dürer.

Von Ccispar Scheidt, dem durch seine Ver-
dcutschung des lateinischen Dedekindschen Grobianus
und seine Totentanzdichtung berühmten Wormser Schul-
meister (gest. 1565), besitzen wir n. a. auch eine „Zu
löblicher nachgedechtnuß, der Edelen und Tugentreichen
Frawen Anna von Erntrawt, weilant des Edlen vnd
Ernuesten Hans Jacoben von Wachenheims ehlichem
Gemahl" verfaßte allegorisirende Dichtung unter dem
Titel: „Die frölich Heimfart. Ein newe Poetische Histori,
von Fraw Adelheiten jrem tugentsamen leben, vnn seligen
abschied" rc. Getruckt zu Wormbs, durch Gregorium
Hoffman. Ohne Jahr (ungefähr 1553). Das Werk-
chen, gegen viertausend Verse umfassend, ist die unbe-
deutendste Arbeit des Dichters, Lisher wenig benutzt^)
und schwerlich aus kunsthistorischcn Rücksichten schon
einmal durchblättert worden. Eine auf den Nachrnhm
Albrecht Dürers bezügliche Stelle in demselben schien
mir des Aufhebens wohl wert, nicht nur, weil sie aus
jener Zeit und der Feder eines solchen Mannes kommt,
sondern mehr noch durch die darin vorkommende Be-
zugnahme auf ein damals offenbar besonders hochge-

1) Die erste Ausgabe erschien zu Wormbs, gedruckt bei
Greg.Hosfmann (15S1); die neueste in den Neudrucken deutscher
Litteraturwerke des 16. u. 17. Jahrhunderts. Halle 1882.

2) Übrigens ist auch einstweilen nur ein einziges Exemplar
desselben bekannt, in der herzogl. Bibliothek zu Wolfenbütlel.

schätztes Tafelbild des Meisters, für dessen Provenienz
dieselbe von Wichtigkeit werden könnte.

Jn dem Kapitel (Bl. Fiijb sf.) „Wie Mercurius
die leidig bottschaft bracht sdaß nämlich Frau Adel-
heits, d. i. Annas von Erentraut Tod bevorstündej,
vnd wie die Musae Fraw Adelheiten ein Grabstein
hawen liessen", beschreibt derDichter die Vorbereitungen,
die dazu getroffen wurden, mit folgenden Worten: Die
Mnsen

Als bald nach guten Meistern schriben,

Von alter und von newer Zeit,

Bildhawer, Maler, sinnreich Leut,

Vnd die gar künstlich kunten graben,

Gesenkt, flach, tieff, vnd hoch erhaben.

Vnd die fürbündig warn mit etzen,

Auch gut Bawmeister vnd Steinmetzen,

Die nah bey jn jr wonung hetten,

Daß angsichts brieffs sie komen thetten,

Vnd brächten mit jrn werkzeug scharsf,

Den man zu einem Grabstein darff.

Die Meister sich verfügten dar,

Darunter Polycletus war,

Auch Phidias, der jeder hat
Zu Rom ein kunststück in der Statt.

Von Malern auch Apelles kam,

Der gute Meister mit jm nam:

Es war auch hochgeacht bei jnen
Der thewr, berümpt, vnd hoch von sinnen,
Albrecht Dürer, der seins verstands
Ein zier war gantzen Teutschen lands.

Sein werk noch machen offenbar
Wie trefflich vor jr Meister war.
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