Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 17.1882

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Kunstlitteratur. — Nekrologe. — Preisbewerbungen. — Sammlungen und Ausstellungen.

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Aus den vvn der Versammlung gefaßten Be-
schlüssen heben wir folgende hervor: 1) die königliche
Regierung zn ersuchen, geeignete Verfügungen zu er-
lasscn, uin die großartigen Ringwälle des Taunus vor
weiteren Verwüstungen durch die Waldbesitzer zu schützen,
2) die geeigneten Schritte zu thun, um bezüglich der in
Hessen vorkommenden Ringwälle genügendes Material
zu erhalten, 3) die Sammlung der Bolkslieder gehört
mit zu den Aufgaben der Geschichtsvereine, 4) das
vom Verband deutscher Architekten und Jngenieure
herausgegebene Werk „Holzarchitektur vom 14. bis 18.
Jahrhundert" ist den Geschichtsvereinen zu empfehlen
und mvglichst von diesen zn nnterstützen, 5) mit den
in Aussicht genommenen baulichen Maßregeln, die zur
dauernden Erhaltung dcs Heidelbergcr SchlosseS, ins-
besondere des Otto-Hcinrichsbaues für crforderlich er-
achtet werden, ist die Versammlung einverstanden.

Als Versammlungsort wurde für das nachste Jahr
in crster Linie Ansbach, in zwciter und dritter Linie
Augsburg und München in Aussicht genommen. Als
Vorort des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und
Altertnmsvereine wurde der historische Berein zu Frank-
fnrt a. M. gewählt.

Runstlitteratur.

Von Woltmanns Geschichtc dcr Malerei ist nach
längerer Pause eine neue und zwar die elfte Lieferung er-
schienen. Dieselbe läßt erkennen, daß der an Woltmanns
Stelle eingetretene Herausgeber Professor Karl Woer-
mann nicht gefeiert hat. Seine Arbeit galt der glänzendsten
Periode der modernen Kunstgeschichte, der Zeit Michelangelos
und Raffaels, deren Schilderung noch in die nächste, den
Abschluß des zweiten Bandes bildende Lieferung hinüber-
greifen wird. Nach einer Notiz auf dem Umschlage steht
das Erscheinen dieser Lieferung in naher Aussicht; wir ver-
sparen uns deshalb eine weitere Besprechung bis der zweite
Band des verdienstvollen Werkes vollendst vorliegt.

Nekrologe.

L. Karl Lorck, Genremaler, ist am 28. August 1882
an einer Rippenfellentzündung in Drontheim gestorben. Er
war als Sohn eines Bankiers daselbst 1828 geboren, kam
nach beendigter Schulzeit in die Kadettsnanstalt in Christiania,
widmete sich dann aber der Kunst und ging 1850 zu seiner
Ausbildung nach Düsseldorf, wo er bis 1855 die Akademie
besuchte und seine Studien hauptsächlich unter Leitung des
Prof. Karl Sohn machte. Dann wurde er Privatschüler
Tidemands, dessen Auffassung und Behandlungsweise er sich
zum Muster nahm. 1881 kehrte er zu bleibcndem Aufenthnlt
in seine Vaterstadt zurück. Er malte mit Vorliebe Episoden
aus dem Leben der Matrosen, Lotsen und Strandbewohner.

jl)reisbewerbuiigen.

Zur Konservirung der Gipsabgüffe. Um den vom
preuß. Kultusministerium unter dem 15. November 1877
ausgeschriebenen Preis von 10000 Mark für die Angabe
einer Masse zur Herstellung von Abgüssen von Kunstwerken,
welche die Vorteile des Gipses, aber außerdem noch eine
hinreichende Widerstandsfähigkeit besitzt, um die Abgüsse zu
befähigen, periodisch wisderkehrende Reinigungen ohne vor-
hergegangene Behandlung zu ertragen, sind ll Bewerbungen
rechtzeitrg eingegangen. Diese Bewerbungsn sind -auf Er-
suchen der Minister der öffentlichen Arbeiten und der geist-

lichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten von einer
Kommission einer Prüfung unterzogen werden. DiesePrüfung
hat ergeben, daß keine der eingegangenen Bewerbungen als
eine genügende Lösung der gestellten Aufgabe anzuerkennen
sei. Der ausgesetzte Preis kann somit nicht zur Verteilung
gelangen. Diejenigen Bewerber, deren Adresssn bskannt ge-
worden waren, sind bereits von der getroffenen Entscheidung
in Kenntnis gesetzt, und ist ihnen die Rücknahme ihrer Ein-
sendungen anheimgestellt wordsn Die übrigen Sendungen
werden, insoweit sie nicht bei der Prüfung zum Verbrauch
gelangt sind, bis zum 31. Oktober im chemischen Labora-
torium der Berliner Universität, Dorotheenstraße 10, zur
Verfügung der Einsender oder ihrer sich legitimirenden Ver-
treter gehalten, alsdann aber kassirt werden.

5ammlungen und Ausstellnngen.

§. — Jn der zweiten Etage dcs Berliner Kunstgewerbe-
museums, die von der Unterrichtsanstalt des Znstituts ein-
genommen wird, ist soeben die Ausstellung der während des
abgelaufenen Schuljnhrs angefertigten Schularbeiten er-
öffnet worden. Jn übersichtlicher Anordnung breitet sie sich
über das Vestibül und dis anstoßenden, den großen Lichthof
umschließenden Galerien aus; den Beschauer, der sie auf-
merksam durchmustert, wird nicht blos die Tüchtigkeit der
vorgeführten Arbeiten an sich, sondern namentlich auch das
anschaulich sich entfaltende Bild der ganzsn Organisation der
Anstalt interessiren, die aus zwei großen, gesonderten Ab-
teilungen mit zusammen 25 Klassen besteht, von denen ver-
schiedens wieder zwei bis drei parallele Abtsilungen auf-
weisen. Auf der einen Seite der Galerie tritt dem Beschauer
zunächst die Ausstellung der „Vorschule" entgegen, die sich
aus neun Klassen mit zusammen 17 Abteilungen zusammen-
setzt und in den Abendstunden und an den Sonntag-Vor-
mittagen Unterricht erteilt. Vom elementaren Ornament-
zeichnen sührt sie zu der Klasse sür höheres Ornamentzeichnen
und Formenlehre und zu den drei einander fortsetzenden
Klassen für Gipszeichnen. Daneben gehen die Klassen für
geometrisches und für architektonisches Zeichnen einher,
während diejenigen für ornamentales und figürliches Modelli-
ren dem auf plastisches Arbeiten hingewiesenen Handwerker
die erforderliche Ausbildung geben. Einen weitaus umfang-
reicheren Raum nimmt die eigentliche „Kunstgewerbeschule"
in Anspruch, die von ihren Besuchern die Aufwendung der
vollen Arbeitskraft und Tageszeit fordert und ihr Ziel in
der Ausbildung derselben zu selbständig schaffenden Kunst-
industriellen, in der Anleitung zu eigenem Erfinden und
Komponiren sisht. Sie zerfällt wieder in die Vorbereitungs-
klassen, die auf einen zweijährigen Kursus berechnet sind und
in die Kompositions- und Fachklassen, die naturgemäß die
besondere Richtung und Befähigung ihrer Besucher berück-
sichtigen und deshalb von einer bestimmten Zeitdauer des
Kursus absehsn. Die Vorbersitungsklasssn entsprechen im
wesentlichen denen der Vorschule; doch treten, abgesehen von
der dem theoretischen Unterricht dienenden Klasse für Ge-
schichte der Architektur und des Kunstgewerbes, noch die
Klassen für Naturstudien, sür Aktzeichnen und sür Anatomie
und Projektionslehre hinzu. Von ihnen macht sich nament-
lich dis erstere, unter Leitung des Malers Doeplsr sun.,
durch eine Kollektion farbig ausgesührter Arrangements von
Stillleben der mannigfachsten Art sehr vorteilhaft bemerkbar.
Jn der vom Baumeister Schütz geleiteten Klasse für Möbel,
Geräte, Gefäße rc. dominiren neben Zeichnungen nach Werken
dekorativer italienischer Plastik vor allem Aufnahmen und
eigene Kompositionen in reichem Täfelwerk und in Möbeln,
die außer den Formen der Renaissancs mit Vorliebe auch
die originelle Richtung der modsrnen englischen Holzindustrie
berücksichtigsn. Dazu gesellen sich einige farbige Aufnahmen
von Metallgefäßen aus der während des letzten Winters
hier stattgehabten großen indischen Ausstellung des South-
Kensingtonmuseums. Eine reiche Kollektion gleicher Auf-
nahmen von Stoffen, Stickereien, Lackmalereien rc. derselben
Ausstellung bildet ferner einen hervorragenden Teil der von
der Klasse für Flachornament unter Baumeister Kuhn vor-
geführten Arbeiten. Jn der Klasse für figürliche Dekoration
unter Professor Schaller beweisen einige sehr tüchtig ge-
malte Akte die gründliche Auffassung der ihr gestellten Auf-
gaben, während die Fachklasse für dekorative Malerei in
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