Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

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WILLI BAUMEISTER, Befchriftung des Linoleum*
raumes auf der Stuttgarter Werkbundaus«
Heilung 1927

geformte Fläche immer mehr in Verbindung mit der Architektur. So entftehen
feine „Mauerbilder", auf die er fich fchon früher bei feinen Verfuchen eines
realplaftifchen Auftrages zur körperhaften Verdichtung der Schattenwirkungen
hingeführt fah. Anfang 1922 findet Baumeifter Gelegenheit, zufammen mit
dem fehr zielbewußten jungen Architekten Dr. Docker einen einheitlichen
Raum zu geftalten, für den er Mauerbilder fchafft. Kompofitionen, die körper-
haft aus der Mauer wachfen und ihr untrennbar verbunden find. Von diefen
Mauerbildern zum Werbe-Mauerbild war nur ein Schritt. Ausgezeichnet, wie
Baumeifter eine Aufgabe diefer Art ein Jahr fpäter auf der Stuttgarter Bau-
Ausffellung löft. Auch in der farbigen Geftaltung des Raumes fehr
glücklich.

In diefer Zeit beginnen dann auch Baumeifters typographifche Arbeiten
Er hatte fchon 1919 bei feinen höchft eigenartigen und kühnen Bühnenmo-
dellen moderner Infzenierungen für die Programmhefte ein einheitliches Ge-
famtbild der typographifchen Anordnung angegeben. Auch hier fchon Ab-
lehnung der fchematifchen Symmetrie. Auch hier fchon bewegte Dynamik der
Schriftfläche und funktionelle Betonung. Immer von der Tatfache ausgehend,
dafj alles Lefen im Grunde eine Augenbewegung von links nach rechts
ift.

Während fich in Baumeifters figürlichen Kompofitionen wieder eine größere
Annäherung an die Gegenftandsform vollzieht, fchafft er in der gleichen Zeit

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