Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

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MANNHEIM

Ausftellung Dürer und die Nachwelt

Die (tädtifche Kunfthalle Mannheim wird von Ende April bis Ende
Juni in einer Ausftellung unter dem Titel „Dürer und die Nach-
welt" die internationale Auswirkung Dürer'fchen Stils und Dürer-
fcher Bildmotive in derKunftvom 16. Jahrhundert bis zur Gegen-
wart veranlchaulichen.

ZÜRICH

Schweizerifche Städtebauausftellung

Der Bund Schweizer Architekten veranftaltet unter Mitwirkung der
Stadtverwaltungen von Balel, Bern, Biel, St.Gallen,Genf,LaChaux-
de-Fonds, Laufanne, Lugano, Luzern, Winterthur und Zürich eine
Schweizerifche Städtebauausftellung.

Durch Pläne und Modelle werden die topographifchen Unterlagen,
das Verkehrsnet) und die baulichen Verhältniffe der Städte leicht
vergleichbar dargeftellt. Die feit dem Krieg entftandenen Neu-
quartiere lowieeine fpeziellzürcherifcheVerkehrsausftellung werden
das Bild ergänzen.

Die Ausftellung findet in den Räumen des Zürcher - Kunfthaufes,
vom 4. Auguft bis 2. September, ftatt.

FRANKFURT AM MAIN

Sonderschau und Vorträge „Das flache Dach"

Die große Frankfurter Frühjahrsmeffe hatte letztes Jahr dem Hoch-
bauamt Frankfurt Gelegenheit geboten, mit einer Sonderfchau an
die Öffentlichkeit zu treten, welche die in Frankfurt gemachten
Erfahrungen im Innenausbau der modernen Wohnung und in dem
Gebiet des neuzeitlichen Haushaltes überhaupt praktifch darftellte.
über diefe Sonderfchau ift im 6. Heft des letzten Jahres hier ge-
fprochen worden. Das Hochbauamt Frankfurt hat mit diefer Ver-
anftaftung eine Art von Demonftration begonnen, die man im höch-
ften Grade begrüßen muß:denn es handelt fich nicht um die nach-
gerade zu Tode gerittenen Manifefte für die neue Gefinnung in
der Baukunft und den verwandten Gebieten, fondern es handelt
fich um ganz einfache Demonftrationen von praktifchen Lotungen
derjenigen Fragen, welche innerhalb der modernen Baugeftaltung
noch umftritten werden.

Die zweite Veranftaltung diefer Art hat nun foeben im Rahmen
der diesjährigen Frankfurter Frühjahrsmeffe vom 15. — 25. April
(tattgefunden. Sie war als Sonderfchau „Das flache Dach"
aufgebaut und zeigte auf engem Raum zwölf Löfungen der Flach-
dachkonffruktionen in natura, fodaß die Lagerung der einzelnen
Materialfchichten, ihre Zufammenfetzung und Dimenfionen genau
ftudiert werden konnten. Diefe Sonderfchau ift denn auch von
einer großen Zahl der Meffebefucher, worunter viele Architekten,

mit der größten Aufmerkfamkeit befucht worden. Wir gehen in
diefem Hefte nicht näher auf diefe Veranftaltung und ihre Refultafe
ein; das Heft 7 des letzten Jahres hat ausführlich die Frage des
flachen Daches nach der praktifchen wie äfthetifchen Seite hin be-
handelt.

Im Zufammenhang mit diefer Sonderfchau wurden am 23. April
im großen Saal des Phyfikalifchen Vereins vier Vorträge abge-
halten, welche (ich mit den einzelnen, durch diefe Ausftellung auf-
geworfenen Fragen befchäftigten. Zwei von diefen Vorträgen be-
handeln rein praktifch-technifche Probleme: Dr. Bierhalter,
der Leiter derMaterialprüfungsftelle des Städt. Tiefbauamtes, (prach
über „Die ch e m i f ch - t e ch n i f ch e n E i g e n f ch a f te n der
Dach ifolierftoff e und H.von Forfter, der Direktor der
Heddernheimer Kupferwerke über: DieCorrofionserfch ei-
nungen bei Metalldächern". Zwei weitere Vorträge be-
faßten (ich mit künftlerifch-äfthetifchen Fragen, und von ihnen foll
hier kurz noch die Rede (ein.

Le Corbufier war aus Paris herübergekommen, um vor einem
übervollen Auditorium über „Die Aefthetik des flachen
Daches" zu fprechen. Seine Darlegungen waren ein fehr ge-
fchicktes, knapp zufammengedrängtes Refume der Ideen, die er
in anderer Form in feinen Büchern ausgefprochen hatte. Er ging
von der elementaren Feftftellung aus, dafj für den geftaltenden
Menfchen nicht die geometritch einfache, fondern die geometrifch
komplizierte Form das Primäre ift, und daß die einfache Form viel-
mehr das Retultat der künftlerilchen Ueberlegung darftellt und als
folche dem äfthetifchen Empfinden bedeutend näher (teht. Er ging
ferner aus von der praktifchen Erfahrung, die er in (einer Tätig-
keit mit Steildächern und Flachdächern gemacht hatte, wobei er
die von ihm bevorzugte Form eines nach innen geneigten Daches
mit Abflußrohren innerhalb des Haufes genau demonftrierte.
Auf diefen beiden, für ihn entfcheidenden Grundtatfachen baute
er todann feine Äfthetik des flachen Daches auf, die er vor allem
gegenüber den Einwänden der Vertreter des Heimatfchußes (charf
abzugrenzen und zu verteidigen (uchte, wobei er auch in die uto-
pifchen Gebiete (einer Projekte für die Umgeftaltung der Parifer
Altftadt vorftieß. Der Vortrag, zum größten Teil deutfch gehal-
ten, erntete vor allem dank der abfoluten Schlichtheit der Dik-
tion reichen Beifall. — Ich erwähne hier noch, daß die deutfche
Ueberfetzung des zweiten Buches von Le Corbufier, „Urbanisme",
in einigen Wochen bei der deutfchen Verlagsanftalt in Stuttgart
erfcheinen wird (Ueberfetzung Prof. Hans Hildebrandt).
Der vierte Referent der Tagung, Architekt Leberecht Migge
aus Worpswede konnte in feinem ebenfalls fehr gut befuchfen
Vortrage „Das grüne Dach" unmittelbar an die Gedanken-
gänge von Le Corbufier anknüpfen. Migge, der zur Zeit vom
Frankfurter Hochbauamt für die Gestaltung der Hausgärten und
Dachgärten in den neuen Siedlungen zugezogen wird, illuftrierte
vor allem die Möglichkeiten künftlerifcher (owie hygienifcher Art,

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