Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

Seite: 187
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UM DIE NEUE

JENA

Bühnenbilder von W. Dexel zu „Mann ift Mann"

Die Infzenierung durfte fa(t nichts kolten, allo — Galy Gays Haus:
zwei Bretter und ein paar geborgte Treppenftufen; die Gelbherr-
pagode (die einzig richtiggehende Kuliffe) aus Latten und Pack-
papier; die Landftrafje ein farbiges DiapoNtiv; das Innere der Pa-
gode: ein projizierter Buddha innerhalb farbiger Kreife; zwei
Streifen rotes und blaues Papier und rotes Rampenlicht; Witwe
Begbicks Alewaggon, Tifche, Stühle, Wandfchirme und die Pro-
jektionsleinwand als Zeltdach; die Szenerie der Erfchiehung leere
Bühne und ,,(eht ihr den Mond?" ein fchwarzes Diapofitiv mit aus-
gefchnittenem Kreis; die Bergfeftung Sir el Dchowr, „die den Eng-
paß nach Tibet verftopft": zwölf Apfellinenkiften ä 20 Pfg., grau
(chwarz, rot, gelb bemalt.

Die Spieler, junge Arbeiter, Optikerfchüler und Angeheilte —
(amtlich Mitglieder der Spielgruppe der Volkshochschule Jena —
amüNerten (ich ebenlo königlich auf der Bühne wie das Publikum
im Saal. Geduldige und gleichzeitig (traffe Regie (Helmut Spieh)
hatte erftaunliches aus ihnen herausgeholt. Die Mulik von einem
tiebzehnjährigen Komponiften (W. Ellinger). Das ganze würde ich,
wenn ich nicht daran beteiligt wäre, ein künftlerifches Ereignis
nennen. Liebe zur Sache und freudig geleiftete Kollektivarbeit
haben etwas gefchaffen, das Volksbühne im beften Sinne war.

Dexel.

WALTER DEXEL, Bühnenbild zu Bert Brechts „Mann ift Mann". Galy
Gays Haus

GESTALTUNG

Der Einbruch in die Gelbherrpagode

FRANKREICH

Parifer Bauten

Im Wohnviertel Auteuil, wo der begüterte Mittelftand in (tuck-
überladenen Mietskalernen, ein Teil der oberften Schicht in prä-
fenziöfen Villen und ein paar Gärtner und Handwerker in alten
Häuschen wohnen, die fchon im Dorfe Auteuil geftanden hatten,
hier wo das Fehlen jedes ordnenden Baugeletjes die Bodenpreife
in wenigen Jahren zu zehnfachen Werten hat (feigen laden, wo
die (iebenftöckigen Spekulationsbauten die vornehm-gefchmack-
lolen Villen der neunziger Jahre totquettchen und deren Gärten zu
Hinterhöfen umwandeln, hier hat der Architekt Mallet-Stevens
eine Gruppe von „hotels particuliers" für Millionäre gebaut. Im
Vergleich zum Wuft der Umgebung eine ruhige Intel. Ein grorjer
Schritt voran für Paris und Frankreich.

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