Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 35
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Geleitwort zum Jahrgang i^zb

Statt eines Inhalts.Blattes nur füc ia;7 ist dem Heft i
ein vierseitiges Gesamtverzeichnis der drei
Iahrgänge )y;5 bis )y;7 beigegeben, das in die.
ser Form manchem Leser erwünscht sein dürfte. Dieser
Ueberblick macht die Bemühung um den Aufbau unseres
reichen und schönen Gebietes der bildnerischen Erziehung
deutlich; er enthält zugleich die Verpflichtung ;u uner.
müdlicher weiterarbeit! Mit dem Dank für alle Mit-
arbeit möchte ich den wunsch verbinden, daß sie so rege
bleiben möchte! wir stehen im Zeichen einer Arbeit, die
im großen Ganzen abgesteckt werden konnte und sich nun
dem methodischen Rüstzeug stärker zuwenden soll. Der
Haushalt eines Schuljahres erfordert eine in jedem Be.
tracht disziplinierte Arbeit. Zugleich stehen wir im Zei-
chen des Vierjahresplanes. Die RUrzung unserer Hest-

wir benötigen „Nurzberichte aus Zeichenfaal und werkstatt"

Eine Bitte an die praktiker um Mitarbeit. Von wilhelm Frantzen-^annover

um den jungen Menschen auf seine Arbeit im Dienste der
Volksgemeinschaft vorzubereiten.

Das bedeutet praktisch: Aede bildnerisch tätige Rlaffe
muß mit echter Freude und gefestigtem Selbstbewußtsein
innerlich und äußerlich immer „in Form" sein.

wer diese bündig formuliertc Forderung mit den Lehr-
plänen vom Aahre isoi/or und isrg/r? genau vergleicht
und dabei den Disziplinbegrifs nicht übersieht, wird klar
erkennen, welche Synthese unsere bündige Faffung
cnthält.

v

Unsere neue Aufgabe ist in „Runst und Iugend" schon
scit Iahren immer wieder umriffen, ergänzt und vertieft
und stets von neuem durch Unterrichtsergebniffe und Auf-
sätze als durchführbar belegt worden. Ein gewiffer Erfolg
ist denn auch nicht ausgeblieben; denn in allen Gauen
regen sich die Rräfte und finden sich ;u gemeinsamem Tun.
Aber der wirklich durchschlagende Erfolg, der nun auch
die Masse der deutschen Erzicherschast an dcn Volksschu-
len in Stadt und Land erfaßt, hat sich noch nicht einge-
stellt. Das ist bedauerlich.

Man sollte glauben, daß doch wenigstens alle fachlichen
Zeichenlehrer „Runst und Iugend" kennen und lesen. Aber
schon das ist nicht der Fall. Mancher Aüngere hat noch
nie davon gehört. Mancher Aeltere aber hat das Fach-
blatt aus irgendwclchen unverständlichen Gründen abbe-
stellt. Und dieser und jener hält es sozusagen nur anstands.
halber. Er durchblättert es flüchtig, meint, das da drin
sei doch alles nur leere Theorie, literarischer Zauber und
vielleicht auch nur eine faule Ausrede der Verfaffec für
mangelnde Begabung im Rünstlerischen selbst. Er persön-
lich sei jedenfalls ein schöpferischcr Bildner, dem man doch
nicht ;u erzählen brauche, wo die Glocken hingen: „Du
lieber Himmel! Das bißchen Unterricht, das macht man doch

aus der Antuition ." Es ist dann allerdings in den

meisten Fällen ein zweifelhaftes Vcrgnügen, solch eincn
Rritiker in seinem unterrichtlichen wirken begutachten ;u
müffen und zu sehcn. wie er bei den Arbeiten seiner
Schüler an der angeblich von sich selbst gcfordcrten „Guali-
tät, Solidität, Rultur und Form" blind vorüberrennt.

was ist da zu tun; ... Alle Rräfte, die irgendwic den
Nachwuchs ausbilden — sei es an der Hochschule für
Runsterziehung oder im vorbereitungsdienst an dcn höhe.

Unser Fach ist verhältnismäßig jung. Seine Entwick-
lung siel außerdem noch in eine Zeit der Weltenwende,
wo das Alte Uberall mit dem Vleuen kämpfte. So ist es
kein wunder, daß auch wir bei unsern Bemühungen um
die bildnerische Erziehung der Augend von einem Extrem
in das andere gerieten.

wir kennen heute den sormalistischen Abzeichenbetrieb
der Vorkrregsschule, der dem Idol eines blutlosen Na-
turalismus folgte, eine „FUHrung" durch den Schulmeistec
forderte und die natürlichen Rräfte der bildfreudigen
Schüler verkrampfte. Und wir kennen auch jenen Gestal-
tungsbetrieb der Nachkriegsschule, in der eben alles gut
und heilig war, was de'r junge Mensch hervorbrachte, dec
Lehrer eigentlich überflüssig war und so die Haltung und
Leistung der Schüler zwangsläufig verwildern mußte.

Gleichzeitig wiffen wir aber doch, daß die beiden Ein-
stellungen ihre eigentümlichen Vorzüge haben konnten und
auch hatten, sofern ein tüchtiger Erzieher am werke war.

Daß gerade wir Zeichenlehrer das heftigste Hin und Her
von Führung und Freiheit, Bindung und Lockerung er-
leben durften, hat uns aber auch für die Gegenwart mehr
gegebrn als den Verirctern der meisten übeigen Fächcr:
es hat uns die größtmögliche Spanne des pädagogischen
Verhaltens aufgedeckt und uns geradezu mit der Vlase
auf das Zentrum der neuen Synthese, aus die cs
heute entscheidend ankommt, gestoßen.

Bei dieser Synthese handelt es sich darum, die vor-
zugsweise charakterlichen werte der vorkriegsschule —
Zucht, Grdnung, Sauberkeit, Fleiß, Gehorsam und Auto-
rität — mit den seelisch-geistigen Schaffenscinsichten der
Nachkricgsschule — Deachtung der wachstumsstufe, der
Selbsttätigkeit, der phantasie- und Gemütskräfte, der
Handarbeit und der damit verbundenen Neigungen der
Iugend — ;u einem organischen Ganzen ;u verschmelzen
und es auf die weltanschaulichen Grundsätze der national-
sozialistischen Gesamterziehung auszurichtcn.

Also: wir müffen im jungen Menschen die bildncrische
Gestaltungskraft ihrer ursprünglichen Art und jeweiligen
wachstumsstufe nach unter Benutzung lebensnaher Stoffe
und werkmittel wecken, fördern und disziplinieren. wir
müssen dem jungen Menschen ncben der Lreude am Schö-
nen den willen zum Schönen und das Verständnis für das
Handwerk und die bildende Runst als lebensnotwendige
Schöpfungen unseres Volkstums crschließen. Und das alles,

seiten, die er uns auferlegt, richtet sich an jeden Beitrag.
Faffet Euch kurz. Und laßt Bilder sprechen; besonders
auch die erläuternde Federzeichnung, zumal sie oft über-
sichtlicher ist als das Lichtbild! wiederholt nicht, was
schon an andrer Stelle ausgeführt worden ist. Auch dazu
mag dic größere Inhaltsübersicht dienen, daß sie Hin-
weise ermöglicht, die nachschlagbar sind. Möchten derart
für uns alle die Iahrgänge;u einem Arbeitsbuch zusam-
menwachsen und weiterhin nutzbar gemacht werden! Sie
sind schon ein Dand geworden. das viele Amtsgenoffen
zusammengeführt hat. Helft mit, daß dies Band noch
stärker werde und weiter greife zum Segen unserer er-
zieherischen Arbeit, die Dienst an Iugend und
Volk heißt!

r Heil Hitler! Erich parnitzke
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