Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 168
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Was will die Gauaufgabe^

L>b die G.A. wertvoll und zweckmäßig oder überfliissig
und störend ist, daruber wurde in Sitzungen der Gaumit-
arbeiter mehrfach beraten. Die Hauptstelle für Erzichung
und Unterricht des NSLB. im Gau pommern hat jcden-
falls besonders den erzieherischen wert der G.A. voll an-
erkannt und ihre Beibehaltung.zur Pflicht gemacht.

Was will nun die G.2l. und unter welchen Gesichtspunk«
ten werden die Themen gewählt; Als ich an die Festseyung
des Themas heranging, war ich mir darüber klar, daß ich
nur eine Anre§un§ geben konnte, und die Art der Gestal-
tung den einzelnen Lerufskamcraden Uberlaffen müßte, daß
vor allem die Beteiligung an ihrer Lösung davon abhän.
gig ist, wie die einzelnen Rreissachbearbeiter diese Sache
stützen können. Die Derösfentlichung in einer Gauzeitung
des V2SLB. allein genügt hier nicht. (Durch die Arbeits-
gemeinschasten für bildnerische Erziehung im V2SLB. Gau
Pommern werden ;. B. im Rreise Gr.-Stettin die Berufs-
kameraden der Fachschaften r—5 erfaßt. Gn den übrigen
Rreisen des Gaues wird diese Zusammensaffung noch an-
gcstrebt.)

Von diesen Gesichtspunkten geleitet und um alle sich
bildnerisch betätigenden Altersstusen unserer Schularten ;u
beteiligen, war die G.A. so umsaffend ;u stellen, daß kein
Stosfmangcl bezüglich des Inhaltlichcn empsunden und daß
keine Tätigkeit der in Frage stehenden Darsteller außer
acht gelaffen werden durfte. Nebenher ging die Absicht,
eine in sich geschlossene Gauausstellung über ein Dhema in
Röln ;u veranstalten. Es konnte nur willkommen sein, ;u
zeigen, wie vom jüngsten bis ;um ältesten Schüler die
^eimat pommern geschaut und gestaltet wurde. Für den
Beschauer bringt eine solche Ausstellung einen Einblick so-
wohl in die Arbeitsenergie und -freudigkeit der Fachkame«
raden, als auch in die geistige Struktur und Regsamkeit
der pommerschen Iugend.

Von der erzieherischen Seite gesehen, ist eine solche Ge-
samtschau ein Deweis, wie rege die Zusammenarbeit und
Fühlungnahme der Fachlehrer im Gau sich gestaltet hat.
Auch hier ist in pommern noch viel ;u tun.

Hemmend trat bei der Durchsührung der G.A. der Um-
stand ein, daß durch die Absage der NSLB-Tagung Röln
von vielen Rameraden die Behandlung der G.A. als auf-
gehoben betrachtet wurde. Dieselbe besteht jedoch weiterhin
und soll eventuell in einer Ausstellung in Berlin ihre Aus-
wirkung findcn.

Die gestellte G.A. hat folgenden wortlaut:

Gauausgabe

Stoffgcbiet: Unser Heimatort (Dorf, Stadt) in der Ge-
meinschaftsarbeit.

I.Straße oder Straßenzüge mit typischen Häusern und
Mittelpunktcn, ;. B. Rathaus, Rirche, Marktplatz.

r. Die Bewohner in ihren wichtigsten Tätigkeiten und
besonders erwähncnswcrte handwerkliche produktc
derselben.

;. Die Bewohner in ihren schönsten Trachten und bci bc-
sondcrs eigenartigen örtlichen Festen.

Art der Behandlung der Aufgaben in den cinzelncn 2tltcrs-
stusen und die in Fragc koinmcndcn Tcchnikcn und Formcn:

Unterstufe:

2lrt: als Rcihung odcr bandmäßig, als Fries (zusammcn-
lcgbar).

Dechnik: gezcichnet, gemalt oder farbig und als schwar;-
weiß Papierschnitt für Mädel, auch als wandbchang oder
Tuch, gcstickt oder gewebt.

Form: frontal odcr profil (nicht räumlich) in Rcihen
ncben- oder untereinandcr angeordnct.

6. Mittelstufe:

2lrt: cin cin;clnes Thema odcr ganze Themcnrcihcn
(s.^öi) in plastischer 2lusführung.

Von w. Bormes, Gaufachbearbeiter im NSLB.

Technik: aus Hol; gcschnitzt, vollplastisch oder als
einsachste Reliesarbeit (als Gipsschnitt, als Metalldruck
(Schwar;- oder weißblech), in platten- oder in Mün;-
sorm), als kleines Maßstab-Modell in Hol; oder Papp-
arbeit (im Materialzustand oder in farbiger Behandlung).

Form: (Maßstab beliebig). Einfachste Blocksorm.

Diese Arbeiten müffcn gegcn Bruch aus dem Dransport
in entsprechend widerstandssähigen Behältniffen unterzu-
bringen sein oder fest eingebaut wcrden.

L. Gberstufe:

2lrt: Die schönsten Stellen der Heimat in werbeblatt-,
plakat- oder Buchform cventuell mit untergeordneter
Einbeziehung des Heimatwappcns und der Heimatgeschichtc.

Gechnik: beliebig (siehe ;. T. Mittelstuse).

Form: der reisercn Mittelstuse oder Gberstufe entsprc-
chcnd. 2lus Großslächigkeit, gute Anordnung und Farben-
gebung wird bcsonderer wert gelegt.

wichtigster Grundsatz ist größte Ehrlichkcit
und unbedingte Griginalität; also auch die geringste 2ln-
lehnung an Vorbilder wird abgelehnt.

Die Ausgabe wurde gewählt, um durch diese heimat-
verbundene Gemcinschastsarbeit einmal durch Ausstellun«
gen im Heimatort, im Rreis und Gau aufzuzeigen, wie
das bildhaste Gestalten das Rennenlernen der Heimat und
die Liebe;u ihr vermittelt.

E i n l i e f e r u n g s t e r m i n: Die Arbeiten sind an-
zumelden in Skettin unter der Adreffe:

An den Gaufachberater sür Runstunterricht, Marien-
stiftsgymnasium, Schlutowstraße r,
mit der Bezeichnung:

Für die Ausstellung Gemeinschaftsarbeit.

Zur Erläuterung der praktischen Bearbeitung der G.A.
solgt hier ein Beispiel:

Angenommen, besonders die Mittelstuse wird für diese
Aufgabe herangezogen.

Das Thema lautet:

1000 m cvderuser in Stettin im Maßstab 1 : ryo
(einschl. Schiffen, Brücken, Userstraße und einer Häu-
serreihe).

Die Arbeitsgänge sind folgende:

I.Verteilung der Arbeitsplätze sür die einzelnen Rlaffen
an Hand des Stadtplanes.

r. Verteilung der Arbeitsteile an die einzelncn Schüler,
cventucll Bildung von Arbeitsgruppen.

;. Abmessungen an Ort und Stelle, ski;;ieren dcr Grund-
und Ausriffe und maßstäbliches Eintragcn der Größen
und Farben von Häusern, Schissen, Brücken usw.

4. Beschassung des Materials (Holzabfälle und Rantholz).

5. Einzclne Arbeitsfolge: Zuschneiden, Hobeln, Glätten,
Leimen, Auszeichnen, Bemalen, Lackieren.

0. Zusammcnbau.

Nebenhcr geht genaue Buchsührung über die Vertcilung
der cinzclnen 2lrbeiten und deren Fertigstellung.

Die Arbeitsweise setzt sich also zusammen aus solgcndcn
2lrbeitsarten:

Zcichnen nach Baudcnkmälern, Maßstabzcichnen, wcrk-
arbcit und sarbige Gestaltung, für Mädchen cntsprcchcnd.
Dauer ^ 2)ahr, kleincrc Tcilarbeitcn cntsprcchend kürzcr.

Selbstverständlich wcrden sich kleinere Schulcn kcine so
umsaiigreichen Themen wählcn. Die jcweiligen Schul- und
Grtsverhältniffe lcgcn hier die natürlichen Beschränkungcii
aus. Der kleinste Bcitrag ;ur Gcsamtausgabe ist willkom-
mcn. Er bcwcist die Bcrcitschaft ;uc ttlitarbcit. Die Gau-
ausgabe soll die Lchrplanarbcit nicht störcn, sie will stch
einsügcn und anregen, sic will zur Gemcinschaft bcitragcn
und sördcrn das Rennen- und Llebeiilcrncn dcr Hciinat.

2ln die pommerschen Fachkollcgcn crgcht nun nochinals
der 2lusrus, sich rege sür die G.A. cinzusctzeii, Arbcitcn
bcrcitzuhalten und anzuinclden.
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