Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 70
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1 cm
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Nurzgeschjchte ejner Nlassenzjmmerwand

1. Meister Quast — hatte der Bauunternehmer gesagt — der Sockel wird also
Grün in Del und „gewickelt", 1,10 cm hoch. Als Abschluß ein paar schwarze Bän-
der. Darüber den bekannten Märchensries — große Schablone vlr. 70ö;: den hat der
Schulvorstand selber ausgewählt. Die wand licht Grange, ;ur Decke hin irgend
ein modernes Ziermuster, davon haben Sie ja genug.

r. Hiermit übergebe ich in Ahre Obhut, Herr Hauptlehrer, das vom Rirchenvorstand
gestistete Runstwcrk: Luther in worms, echte Griginal-Helio-Gravüre, die in die-
sem schwarzen prachtrahmen besonders ;ur Geltung konrmt! Und nun sei die neue
Schule erössnet!

;. Ein Gahr später. — Paul, hole mal Hammer und Nagel. Das Diplom vom ersten
Schla§ballsieg hängen wir natürlich aus, nun, da es im Goldrahmen steckt. Da
rücken wir auch gleich den Bücherschrank, den uns der 2lmtsvorsteher geschcnkt hat,
an diese wand. So, nun gleicht es sich schön aus!

4. V7a, ein bischen breit ist der Rahmen ;um photo von der letzten Rlaffe ja ge-
raten, altmodisch Lst er auch ;iemlich, abcr er war wenigstens billig. Soll wohl
Nußbaum sein. Das paßt nur ;um Schrank. Da brauchen wir nur den Stunden-
plan mit seiner neuen Pappe und den Rlcbebildcrn um;uhängen, damit er unter das
Sportdiplom kommt, dann ist das Gleichgewicht wieder da.

5. Drei Iahrc später. — Für das Hans Schemm-Bild im Silberrahmen ist noch
gut unter dem großen wandbild platz. Die Sportpreise bilden jetzt eine schöne
Gruppe für sich. Und die farbigen postkarten ;ur Siegsriedssage, die jetzt „jede
Schule" hat (wie der Reisende des Runstverlags sagte; auch der Schulrat hat sie
ja empfohlen) kommen unten hin; da können die Rinder sie gut betrachten. Fein,
daß noch die Schranksüllungen da sind. Da ist nun die wechselnde Tagesausstellung
von Zeitungsbildern.

0. Drei Iahre später. — Das wäre soweit geschasft, sagte dcr neue Gunglehrer. Die
Feierwand mit dem FUHrerbild ist drüben. Diese wand hier ist nur Ausstellungs-
und Schauwand. wie konnte man nur ein Bild als Dauermöbel und in solchem
Rahmen „an die Decke" hängen; und solche wände so gliedern und streichen, daß sie
für sich fertig kostümicrt waren mit Rock und Schür;e, dreisachem Gürtel, buntcr
Bluse und einem modischen Binder am Hals oben; und dann draufpappen, was
grade kam! Man behänge mal einen ange;ogencn Mcnschen rundum mit plakaten
— es wäre genau dasselbe. —

So, nun greifen die vier wände wieder rundum mit ihrem hellen Grundanstrich
bis ;ur Höhe der Rlassentüren. Und alles, was darauf ist, hat einen ruhigen
Grund. Die Bildec an dieser Schauwand sind grundsätzlich ;um Auswechseln. Auch
hinter den verglasten Schranktüren. In den drei Formaten läßt sich klcin und groß
jeder;eit vcrteilen. An den Schranktüren können auch mal die Bildpappen wcg-
bleiben. Dann haben wir Schauschränke für plastische Dinge und werkstücke. —

— wände dcs Aussehcns von 1 bis 5 gäbe es doch nicht mehrn Leider ja —
sie sind der Regelfall und die Schattenrißfriese haben sogar ;ugenommen! Es
gibt noch unerhört vicl Arbeit, bevor jeder Schulraum ein „Gesicht" hat. Gewiß
gibt cs dafür keine patentlösung. Unser Beispiel soll nur hinweisen helfen, daß
Uberhaupt angefangen werde, das „Auge" ;u gcbrauchcn. was muß dec oft ein;ige
Schulraum nicht alles sein: Lchrstättc, Schulungs- und Feier-Raum, Ausstellungs-
platz, werkstatt, Lehrmittel;immer, Lüchercit Ueberdies sollte er ein w 0 hnlichcr
Grt für Schüler wie Lehrer scin..„Schönhcit der Arbeit" — das ist für die Lauscndc
von Schul;immern im Reich cin programm auf Aahre, das planmäßig vorgcnom-
men werden will und intensive praktische Schulung erfordert!'—



S !ff^^


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Erich parnitzke

Wechselwand — Feierwand

von Dr. Gottfried Rahn, Radeburg, Sa.

1. wechselwand.

Einc der wichtigstcn Sorgen des Er;ichcrs ist die Fragc:
„wie laffen sich die licbevollen Arbeiten meiner Schülcr
wirkungsvoll ;um ^lushang bringen. wie ist cs möglich,
dics mit möglichst schlichtcn Mittcln und mit gcringstcin
Zeitaufwand und Matcrialvcrschlcifi ;u tmn" Rn mchrjähri-
gen Dcrslichcn habe ich mich ;u cincr denkbar einfachen
Ausstcllungsform hingcfundcn, die ich hicrmit mcincn Bc-
rufskameraden ;ur Erprobnng vorlcge.

Ein helltoniger Packpapicrstreifcn an dcr Rückwand des

Rlaffcn;immers gibt dcn notwendigen Grund für die Blät-
tcr ab. Als Uebcrschrift dicser Dauer-Schauwand wähltc
ich;uletzt einen cr;iehcrischcn Grundsatz: „vticht auf das
Bcste, auf dein Bestes kommt cs an." Die Rinder arbci-
ten dcn Spruch selbst. (Aus Buntpapier 0. ä.) Untcr dcm
Spruch ist gut platz für etwa ein Drittel dcr Rlaffcn;eich-
nungen. Zwei schwache, abcr festc Bindfäden sind mit
Ramm;wcckcn in knappcr Llatthöhe wagerccht durch das
Packpapicr am putz dcr wand bcfcstigt. Sollcn mchrerc
Bilderstrcifen untcreinandcr ausgestcllt iverdcn, müffen ent-
sprechcnd mchr Fädcn gc;ogcn ivcrden. Die Fädcn sind
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