Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 198
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wird nur in Grund und Aufriß, sowie in Schnitten ge»
zeichnet. Auch ;u dieser Darstcllungsweise läßt sich von der
Linderzeichnung aus eine Brücke schlagen. Darüber hinaus
ist es wertvoll, den Gegenstand, wenn es zur weiteren
Veranschaulichung notwendig ist, in Schaubildern, z. B.
aus der „Vogelschau", in den wirklichen Maßen und

Hans Schwenkel: Grundzüge der Land-
s ch a f t s p f l e g e. roo S. mit vielen Abbildungen. I.
Neumann, Neudamm. preis geb. )o RM., br. 8,50 RM.
Den Blick unserer Iugend für die Schönheit der deut-
schen Landschaft und dafür zu öffnen, daß sie nicht durch
schlechtes Bauen, durch Verwahrlosung, durch Mißgrisfe
in Land- und Forstwirtschaft usw. verschandelt wird, ist
eine der wesentlichsten 2lufgaben der Runsterziehung, wenn
sie den Anspruch macht, lebensnah und lebensnotwendig ;u
sein.

Die vielen Bildbeispiele und Gegenbeispiele sind von
solcher Beweiskraft, daß sie zusammen mit dem durchaus
gleichwertigen Text fast jedem Erzieher ein vorzügliches
Mittel sind, die Iugend zum Schutze der deutschen Land-
schaft aufzurufen.

Deshalb sollte diescs Buch, das der Landesbeauftragte
für Naturschutz in württemberg, Prof. Dr. Hans Schwen-
kel, geschrieben hat, in jeder Schulbibliothek vorhanden
sein. B.

Iohann von Leers: Das Lebensbild des
deutschen Handwerks. 644 Seitcn mit 24 Abbil-
dungen. Herausgegeben vom deutschen Handwerksinstitut
im Reichsverband des deutschen Handwerks. Verlag Rarl
Zeleny u. Lo., München. preis geb. ro RM.
prof. Dr. v. Leers, der einen wesentlichcn Anteil an dem
großartigen Gelingen der Internationalen Handwerksaus-
stcllung Berlin is;8 hat, legt uns mit diesem Buch das
Standardwerk für das Sachgebiet des deutschen Hand-
werks auf den Büchertisch. lAicht, daß hier nüchtern wissen-
schaftliche Geschichte, die beim Feuersteinmeister vor mehr
als 500 Iahren ansetzt und hinführt bis zum national-
sozialistischen Neuaufbau, vor dem Leser ausgebreitet
würde. ^lein, immer und überall wird die Lebensbedeu-
tung des Handwerks für die jeweilige Zeit-Epoche heraus-
gearbeitet, werden die Bindungen und Verbindungen mit
anderen wertgebieten aufgewiesen und gewürdigt; immer
und überall wird tief geschürft und lebensvoll geschildert,
ohne jemals das wiffenschaftliche Niveau ;u verlassen.
Und was vielleicht das wertvollste Ergebnis dieses Buches
sein wird: wenn wir heute, da das deutschc Handwerk sich
von den schweren Schäden, die ihm die letzten Iahrhun-
derte zufügten, noch nicht gan; wieder erholt hat, die hand-
werklichen Leistungen dieses oder jenes Volkcs bewun-
dern, dann wird hier der Anteil der nordischen Raffe an
der tcchnischen Rultur dcr Vergangcnheit und der Gegen-
wart so übcrzeugend hcrausgearbeitct und der vcrdcrbliche
Einfluß und die schmutzigen, kräftezcrstörenden Machen-
schaften des Iudentums so schonungslos gebrandmarkt, daß
wir wieder vertrauensvoll in die Zukunft sehen und die
Gewißheit hegen können: Das deutsche Handwerk hat die
Araft und den willen, beim kulturcllcn 2lufbau alle Er-
wartungen ;u erfüllen, dic man in es setzt.

Es sci besonders darauf hingewiesen, daß jedes Rapitel
in ausführlichen 2lnmerkungen 2luskunft gibt übcr fach-
liches Schrifttum, sowie übec zahlreiche Fragen, die mit
dcm Inhalt in Zusammenhang stehen.

verhältniffen, also ohne zentralperspektivische Verschie-
bung und verkürzung, darzustellen. Diese Seite der Runst.
erziehung bedeutet für den jungen Menschen eine wertvolle
Bereicherung seines Rönnens und bereitet ihn unmittel.
bar auf Fach- und Hochschule und auch auf das praktische
Leben vor.

Die Anschaffung des werkes füc die Schule ist dringend
;u empfehlen. B.

„Farbe und Form in dec Bau- und Raum-
kunst" von Max Laeuger. 1. Band der „Runsthand.
bücher". Herausgegeben von der Amtsleitung der NS.-
Rulturgemeinde e. V., Berlin. Geheftet RM. )r.-, Lei-
nen geb. RM. 15.—. Verlag A. Beig, pinneberg bei
Hamburg.

„ITkicht mit Theorien und Runstwiffen kann man Runst
cmpfinden und lehrcn, nur durch Erleben und Erschaucn
an Beispielen und letzten Endes durch eigenes Schaffen,
sei es auch noch so unvollkommen.

Früher haben die Menschen instinktiv richtig gehandelt
mit gesundem, unverbildetem tZatursinn. Heute gibt es
bald kein Dorf mehr, daß, an früheren Zeiten gemeffen,
nicht farbig und formal verunstaltet ist; und im Jnnern
des Hauses sieht es nicht beffer aus."

Das ist die Anklage, die der Verfaffer denen ins Gesicht
schleudert, die vor dcr Machtergreifung für die Rultur in
Deutschland verantwortlich waren, und die wahrheit, die
in diesen Sätzen liegt, ist Anlaß ;u diesem so sehr nötigen
Buch gewesen.

Im Dritten Reich hat die Runst aufgehört, eine 2ln-
gclegenheit eines kleinen Rreises „Gebildeter" zu sein. Sie
ist wieder Sache des ganzen Volkes und Instrument des
kulturellen Aufbaus geworden. Dazu gehört, daß bei allem,
was für Alltag und Sonntag, für Fest und Feier, für Haus
und Heim geschaffen wird, auch wieder das natürliche Ge-
setz des Schönen Beachtung findet.

Da die Runst der vergangenen Iahrzehnte die einsachc
und schlichte gefühlsgebundene Schönheit nicht mehr wahr
haben wollte und nicht selten dort von künstlerischer Hoch-
wertigkeit redete, wo das gesunde Gefühl den Beschauer
abstieß (siehe: entartete Runst), so wagte kaum noch ein
Mensch, sich auf seinen Geschmack ;u verlaffen. Er wurdc
unsicher im werturteil und fragte meist erst bei dem
Verstande an, ehe er sein Urteil aussprach.

Dagcgen wendet sich Laeuger in seinem Buch mit großer
Schärfe und versucht an vielen Beispielen — das Buch
enthält 3o Vierfarbenbilder, 40 ein- und zweifarbige Rc-
produktionen, sowie 6 verschiedene Einlagen und mehr-
farbige Einsteckfiguren — in allerschlichtester wcise das
Gefühl dafüc ;u wecken, was schön ist. Und was entschei-
dend ist: L. nimmt die Beispiele aus dem praktischcn
Leben. Doch laffen wir ihn selbst sprechen: „In Rarlsruhe,
der stilvollen Stadt, gab cs einst eine wundcrvolle Straßc
mit einheitlich in silbrigen hellen Tönen gehaltenen Häu-
sern. Daruntcr ein bcsonders schönes, stolzcs als Vater dcs
ganzen Straßenraumes. Eine Reihe Rastanicnbäume, sich
wandelnd in jeder Vahreszeit, kam in dieser Straße cbcnso
schön wie die Mcnschen zur Geltung. Gctzt ist das großc,
schöne Haus blutrot angestrichen, es ist plötzlich laut ge-
worden und gebärdet sich wild den ganzen Dag. Früher hat
es schön mitgcsungen mit seinen Ulachbarn, jctzt ist die
Harmonie zerstört. Das Haus kann sich nicht mehr schmük-
kcn, die Bäume und die Menschcn kommen nicht mehr zur
Geltung, Blumen oder Fahnen kommen nicht mehr zur
wirkung (2lbb. Seite 01)."

Dann nimmt Laeuger Städte, Dörfer, Auslagen i» dcn
Schaufenstern usw. usw. unter die Lupe und bcweist im-
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