Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 189
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Pappteller. Gberschule ;um Doin, Lübeck.

Rrügcn und Leuchtcr, gesellten sich, ein weni§ wirr, aber
doch gan; lustig, andere Tischgeräte frei aus der Vorstel-
lung, ;u waffen, '^elmen, Rüstungen eben daher lose
Reihungen von Landsknechten und Rittern, Zelten und Ge-
schützen. Einer lernte vom andercn. So kehrt jenes Gebüsch
oder Röhricht des Indianertellers auch einmal bei dem
Teller cines Obersekundaners wieder, der nach einer Rit-
terrüstung aus dem Museum den Ritter selber, unter der
Standarte mit der Lan;c wache haltend, schwar;-weiß vor

einen ^intergruntv grauge;eichneter Zeltumriffe in die
Tellermittc gestellt hatte.

Die hier ge;eigten 2lbbildungen sind Vcrgrößerungen
nach Rleinaufnahmen eines Schülers. weder plattenwahl
noch Beleuchtungsvcrhältniffe, noch Belichtung crfüllten
cigentlich die Bedingungen für eine gute wiedergabe der
Arbeiten. Aber die Rür;e der Zeit erlaubte cs nicht an-
ders. Ihren Zweck der Anregung werden sie immerhin er-
füllen.

Mnstmrk unS Sas Eclrbnis

Do. Otto Böttcher-Luxhaven

Runstwerk und Erlcbnis gehcn cng ;usammcn. Sobald
abcr dic Runster;iehung, die mit dcr Runstbctrachtung cng
vcrknüpft ist, das Erlebnis als eine Zielsetzung faßt, gehcn
wir über dic Gren;en der Schule als Bildungs- und Er-
;iehungsstätte hinaus. Das Erlebnis ist eben nicht an die
Schule, in diesem Falle an den Runstunterricht, gebunden.
Selten werde ich dem Schülcr in der Rlasse ein gotisches
Raumerlebnis vermitteln können, selten durch eine photo-
graphie cine tiefere Be;iehung ;ur Runst oder gar cinc
Bcsrciung in seelischcr Hinsicht crreichen könncn. Das pla-
stischc, Architektonische, Malerische kann nur vor dcm
Runstwerk selber ;um Erlebnis werden. Es bedarf hicr;u
»icht cinmal dcr Rede, schon das Schen und Fühlen kann
vollauf genügen. Gcradc die stumme Bctrachtung hat ihrcn
großcn cr;ieherischen wert. Eine Reise von Braunschwcig
nach Hildcsheim und dann nach Magdcburg kann in jedem
Mcnschen je nach Vcranlagung cin Erlebnis ;citige». wenn
das Gcfühl für die Untcrschiede von Romanik und Gotik
wach werdcn sollte, bleibt als Grund dicscr Einstvllung
lmmer das Erlcbnis dcs Gcschencn, das Gcstalterlcbnis,
das an den Gcgcnstand, ctwa an St. Michael in «Aildcs-
hcim odcr an de» Dom von Magdeburg gcbundcn ist. Die
Bautcn sollcn nicht allcin in ihrer architektonischen Gcstai-
tung entdeckt, sondcrn crlcbt wcrdcn. Zu solchcm Erlcbnis

bedarf cs oft nur der Ueberraschung durch das Lunstwerk.
wundcrvoll bleibt das ehrfurchtsvolle Erstaunen des
Schülers vor den bron;enen Türen des Bischofs Bern-
ward, wenn er plötzlich vor diese gestellt wird. Die phan-
tasie dcs L>ungen arbeitet an Bildern. Aetzt kann drr Er-
;ieher dieses Seherlebnis, das an sich wertvoll genug ist,
als Grundlage für cin Erlebnis dcs ^istorische» benutzcn,
kann aber auch alles ;erschlagcn, wenn cr nicht bchutsam
;u werke geht. Von dcm ;ur Legende gcwordenen tauscnd-
jährigen Rosenstock-Svmbol des Martyriums kann er lcicht
;ür Lhristussäule und ihrcr Formbestimmung durch dic
Trajanssäule hinübergrcifcn, am Hed;ilo-Leuchter im Dom
endlich die religiöse Eätigkeit dcr Zeit bcrühren. Er kann
an den Runstwerken die Zeit ihrcr Entstehung bildhaft
darstellen, so daß sie dem Schüler lebcnsnah wird. Die
Romanik kann er als dc» urcigcncn Ausdruck deutscher
Gesinnung faffen, in dcm das Germanische mit dcm Lhrist-
lichcn ;u einer Einheit als Ausdruck politisch-religiöscr
Macht vcrbunden wird. Das alles kann durch die cinfache
Bertthrung mit den wcrken in Fluß gcbracht werden, in-
dem dcm Erlebnis die Erläuterung und gcschichtliche Ein-
ordnung folgen. Ein Gottcsdienst in St. Michael — dic
Fcierstunde als tiefstcs Erlcbnis, alg Einswerdung mit dem
^öchstcn — kann ;u ciner innercn Bcfrciung führcn. wenn
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