Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

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Bei jeder Einstellung (mit größter Blende) sei man
äußerst sorgfältig. Um die Schärse aus der Mattscheibe
besser erkennen ;u können, fette man dieselbe leicht ein und
verwende eine Lupe, selbstverständlich auch das schwarze
Luch.

Die Belichtungszeit stellt man mit dem Belichtungsmes.
ser (Proctos-Iunior Mk.) fest. Sie wird sich je nach
Licht, Gbjekt, Blende und plattensorte zwischen 5 Sekun-
den und mehreren Minuten bewegen. Beim Photographie-
ren plastischer Gegenstände stelle man auf den Teil schars
cin, der dem Gbjektiv am nächsten licgt. Die Beleuchtung
dars nicht ausschließlich von der Seite ersolgen. Die Schat-
tenseite läßt sich durch Ausstellen cines weißen Rartons
aushellen. Man beurteile die wirkung des Bildes auf der
Mattscheibe. Man belichte Gegenstände (plastiken) etwas
länger und kürze die Entwicklung ab. Dadurch vermeidct
man harte Negative.

Für alle unsere Arbeiten wähle man feinkörnige, licht-
hoffreie platten. Auf hohe Empfindlichkeit kommt es nicht
an. Hart arbeitende platten sind ungeeignet. Im Uebrigen
laffe man sich in einer guten Handlung beraten. Bei Auf-
nahmen nach farbigen Gbjekten verwende man vierfaches
Gelbfilter in Verbindung mit orthochromatischer platte.
panchromatische platten sind auch rotempfindlich, müffen
aber ganz im Dunkeln nach Zeit entwickelt wcrden, gestat-

ten also keine Rontrolle. Vor Benutzung einer plattensorte
lese man sorgfältig die beigegebenen Vorschriften.

Die Herstellung von Diaposltiven unterscheidet sich kaum
von der Herstellung von Rontaktdrucken auf Papier, ist
auch nicht schwieriger. Man lege die Schichtseite der Dia-
positivplatte, die oft schwer ;u erkennen ist, gegen die
Schichtseite dcs Negativs in einen Ropierrahmen und be-
lichte und entwickle nach Vorschrift. Ist das Vfegativ weich,
so belichte man kürzer und umgekehrt. So kann man nicht
gan; einwandfreie Ukegative durch Verwendung von nor-
malen Diapositivplatten sehr gut korrigieren und ;u guten
Resultaten gelangen. Die Schichtseite der Diapositivplattc
muß durch Auflegen eines sauber geputzten Deckglases gc-
schützt werden (Randbeklebung mit käuflichen, gummierten
Papierstreifen) Ein fertiges Diapositiv 4-^X6 kostet 10
Pfennig. Ich schneide mir diese Größe allerdings aus 0 X )r
platten. Das ist billiger; außerdem ist das Format 0 X >r
gebräuchlicher und deswegen sind diese platten in der
Regel frischer und ohne Randschleier. Geschnitten wird an
einer eigens angefertigten Lade, so daß cin Verschnitt aus-
geschloffen ist. — Die Vcrwendung der neuen Farbsilme
von Agfa für wiedcrgaben farbiger Bilder kommt für
unsere Zwecke noch nicht in Frage, da im besten Fall nur
Annäherungsfarbwerte erzielt werden. Auch muß bei Be-
nutzung dieses Materials die Belichtungszeit gan; genau
inne gehalten werden, viel genauer als bei irgend einem
andcren Aufnahmematerial.

Das Abformen von Reliefs in gutem Positiv-Material

walter Riby, Mannheim

Ach will hier von einem crprobten Verfahren berichten,
das aus langjähriger Lchrtätigkeit im plastischen Gestal-
ten erwuchs. 2ch betreibe das plastische Acbeiten stets
neben dem Zeichnen, weil es den Schülern besonders liegt,
weil sie sogar lieber an der „greifbaren" Formung arbeiten
und weil ihnen das Ergebnis ungleich mehr bedeutet als
ein Zeichenblatt.

Bei dem Beispiel, das ich des Abform-Verfahrens wegen
bringe, ging es nicht um einen Negativschnitt als Aus-
gangsform, sondern um ein positivrelief in Ton, wie es
Bild 1 (allerdings schon in der Abformung) zeigt. Solche
Gockel hatte ich von einer ganzen Mittelklaffe unsercr
Gberschule als Tonrelief modellieren laffen.

was konnte nun weiter damit geschehenl Drei Antwor-
ten seien gegeben:

1. Man kann das Tonmodell, als keramische Ar-
beit ausgeführt, brcnnen. Dies wird aber für die meisten
Schulen nicht möglich scin infolge der hohen Anschaffungs-
kosten für die hierfür erforderliche Einrichtung, die in die.
Hunderte von Mark geht.

. r. Das Tonmodell kann in Gips gegossen und
die so gewonnene VZegativ-Form mit Backteig ausgedrückt
werden, der dann gebacken wird. wertvoll hicran ist, daß
die Schüler wieder Vcrständnis für das schöne alte
Brauchtum des weihnachtlichen Springerles-Gebäck be-
kommcn.

;. Eine dritte Möglichkeit, die für den Schulbetrieb aus
verschicdenen Gründen eine Zukunft haben dürfte, besteht
in folgendem:

Von dem Gedanken ausgehend, daß es Untecrichtsziel
sein soll, Dauerwcrte ;u schaffen, sollte auch hier der wcg
beschritten wcrdcn, dcm mit Liebe und Sorgfalt gearbeite-
tcn Stück cin Dauer-Dasein in würdiger Form ;u gebcn.

Darunter vcrstche ich cincn von Schülerhand hergcstcll-
ten Abguß in einem cdlen Matcrial, den die
Rinder dann ihren Eltcrn ;u wcihnachtcn oder sonstigcn
Gclcgcnhciten schcnken könncn; einige mcincr Schülcr
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