Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

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111(1^» Von Ianscn, H. f. L. Frankfurt/ci>.

Eine Gruppc Studcnten dcr H. f. L. Frankfurt a. G. d. Großcn. Im 'Zeimatkundcunterricht wurde über die Be-
war während ihres Landschulpraktikums auf vcrschiedcnc deutung der Giebclzeichen gcsprochcn und darauf hinge-

Dörfer im warthebruch verteilt worden. 2>n cinigen dic- wicsen, daß auch in andercn Gegendcn unscres Vaterlandes

ser Dörfcr stcllte man auf fast jedem Hause ein aus Hol; diese Sitte unserer Vorfahren noch beobachtct werden

gesägtes Giebclzeichcn fcst. Diese Zcichen stammten aus der kann. Diescr Anlaß bot Gelegenheit, cine Gucrverbindung

Zeit der Rolonisation dcs warthebruches durch Friedrich zum bild§cstaltcnden Unterricht herzustellen. Es paßte in

cincr Schule auch bcsondcrs gut, da gerade in der Gber-
stufe Faltschnitte geübt wurden. »Aier konnte der Arbeit
nun ein schöncr Sinn gegeben werden: Sammlung und
Darstellung der Giebelzeichen, und damit bildhaftes Gcstal-
tcn im Dicnste dcr Volkskunde. Die Schülcr waren mit
großcm Antercsse bei der Arbeit. Ieder fertigte natürlich
das Gicbclzeichen scincs eigenen Hauses an. Bei einigen
Aungcn, dcren Haus kein Giebelzeichen hatte, trat der
wunsch hcrvor, sich cin solches zu entwerfen in der Form
cincs Sinnzeichens unserer Zeit, und es dann selber aus
-Jol; herzustellcn und am First ihres Hauses ;u befestigen.
Zur Darstcllung der Giebclzcichen eignet sich besonders gut
der Faltschnitt in Schwarzpapier. Er bietet große Form-
klarheit und cinwandfreie Symmetrie. Die ausgeschnitte-
nen Zcichen wurden am Schlulß auf ein großes Stück pack-
papier aufgeklebt. VZun hängt diese volkskundliche Gemein-
schaftsarbeit im Rlaffenzimmer (siehe Bild). Am nächsten
Aahre sollen die wctterfahnen einiger Dörfer auf diese
weise gesammelt und dargestellt werden.

1. Giebclzcichcn aus dem warthebruch

Eine Gruppc Studcntiniicn des i. Semesters hattc ver-
schicdcne Möglichkeitcn des Faltschnitts und Schercnschnitts
kenncngclcrnt. Zuletzt wurdcn Xahmungcn in Faltschnitt-
Dechnik gearbeitet. Grnainciitalcr und figürlicher Schnitt
crgabcn zusammcn mit dcm Schneiden von Schrift dic
Möglichkcit, eincn Mappendcckel auszugcstalten.

Es wurdcn 4 cm breitc Strcifen aus Schwarzpapicr ge-
schnittcn, dic bci der Bearbeitung einmal dcr. Länge nach
und außcrdem wicdcrholt gucr gefaltct wurden. Lctztcrcs
wie bcim Harmonika- odcr Xeihenschnitt. Dann wurdcn
dic Strcifen mit farbigen Papicren (auch Gold eignet sich
gut) hinterklebt und als Xahmen auf der auszugestaltenden

Fläche angeordnet. An die Mitte wurde ein figürlicher
Faltschnitt gcsetzt mit dem lTkamen der betreffcnden Stu-
dcntin darunter.

Auch diejenigcn, die bchauptctcn, „im Zeichnen unbcgabt"
zu sein, brachten rccht brauchbare Lcistungen hervor, so
daß die üust am bildncrischcn Schaffen plötzlich gewcckt
war, und ein bißchcn Selbftvcrtrauen cntstand. Es brauch-
tcn ja kcine pcrspektivischen Schwicrigkcitcn überwundcn
;u wcrdcn!

2luch Stundenplänc und Lesczcichen laffen sich in dcr
vorbczcichnetcn wcisc gcstaltcn.

dcs. Um die wcihnachtszcit herum wcrden dann dic übli-
chcn vorgczcichnctcn (Vorlagen aus Gcschäften) Rrcuz-
stichdecken oder Rissenplatten ausgcstickt. Um den Rin-
dcrn wcnigstens zu zcigcn, daß auch beim Sticken nach
cigcncm Entwurf gearbcitet werden kann, besticktcn Mäd-
chen dcs 5. und d. Schuljahres je cin Rinderjäckchcn und
eine panamatasche. Bci den Rindcrjäckchen zcichncten sie
crst cincn Entwurf auf Millimctcrpapicr, ausgchcnd von
dcr rcchtwinkligen Xanke, und sticktcn dann nach dcm Ent-
wurf. Das Abzählcn auf dem Papier und dann dic tlcbertra-
gung auf dcn Stoff beccitctc ihncn crhcblich mehr Schwic-
rigkeitcn als dcr Entwurf. Noch schivicrigcr wurde das
Abzählcn und spicgclvcrkchrte Sticken der zii'citcn Hälfte.
Zum Schluß ii'arcn die lUädchcn vom Verlauf dcr Xrbcit
»icht so rccht bcfriedigt. wir beschloffcn, dic panama-

taschen ohnc vorhcrigcn Entwurf ;u sticken, aber natürlich
nicht ohnc vorhcrige Uebcrlcgung. Bei der Dasche (Bild 4)
begann dic Arbeit mit dcn Blütcn. Zucrst die Mittclblütc
und dann langsam dic Flächcn füllend links und rechts
die glcichcn Gcstaltungcn, bis das Ganzc durch die waage-
rccht und scnkrccht laufcnde Xankc verbundcn wurde. Bci
dcr Auswahl dcs Stickfadens ist ;u bcachtcn, daß dic wir-
kung schöncr wird, jc wcnigcr Farbcn verwcndct wcrdcn. —
Dic HcrsteUung von Handarbeitcn hat bei Fraucn und
Mädchcn trotz aller Vcrflachung und sinnloscr Nicht-
achtung wcrkhaftcr Bindungcn und trotz Ueberschwcm-
mung durch Maffcnschund nic aufgchört. Hier gilt cs, dcn
noch vorhandencn Bctätigungsdrang in sinnhafter weise
zum Einsatz zu führcn und die Fülle dcr werkaufträge im
Xahmcn unscrcr Runstcrzichung nutzbar ;u machen.
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